Rassismus und Familie

Heute hatten wir eine interessante Diskussion in der Mittagspause. Es ging darum, wie wir mit rassistischen, fremdenfeindlichen, gar menschenverachtenden Kommentaren und Denkweisen in der Familie umgehen. Es stellte sich heraus, dass alle Gesprächsteilnehmer einen Verwandten, einige nah, einige entfernt verwandt, haben, der zumindest eine sehr fragwürdige Haltung gegenüber Minderheiten wie Flüchtlingen, Ausländern generell oder auch Homosexuellen hat.

 

Erst kürzlich überlegte ich, wie ich mich einer entfernten Verwandten gegenüber verhalte, die nahezu täglich auf Facebook rassistische Beiträge teilte. Erst kommentierte ich die Beiträge, die dann oft gelöscht wurden. Dann schrieb ich ihr Nachrichten. Vor zwei Tagen habe ich ein Social-Media-Projekt gestartet: Jeden Tag poste ich besagter Frau einen Artikel auf Facebook, Artikel, die Vorurteile widerlegen und positive Geschichten erzählen. Dass es was bringt, bezweifel ich - aber derzeit (und eigentlich nie) dürfen diese rassistischen Gedanken ohne Gegenwehr hinausposaunt werden.

 

Ich finde es tragisch, wie in der aktuellen Debatte einige laut brüllen und so viel Gehör finden und die große Mehrheit schweigt. Warum schauen wir zu? Ist es nicht unser aller Aufgabe, gegen Diskriminierung vorzugehen? Es ist so leicht geworden, strafrechtlich relevante Aussagen zu melden. Es ist so einfach, einen kurzen Kommentar zu hinterlassen. Wenn wir uns raushalten, wer soll die Debatte dann führen? Wir dürfen sie nicht den Ängstlichen, den Hetzern, den Rassisten, den Rechten, den Dummen überlassen.

 

Alle Gesprächsteilnehmer der Mittagsrunde erzählten, dass sie aktiv gegen diese Familienmitglieder anreden. Dass sie die Konfrontation suchen. Dass oft eine gewisse Einsicht herrscht, zumindest in dem einen kleinen Moment, auch wenn die Gedanken zu tief verankert sind, als dass man sie mit nur wenigen Gesprächen ändern könnte.

 

Aber wenn wir es nicht tun, wer dann?

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