Engagierter Nachwuchs

Vor ein paar Wochen fragte mich eine junge freie Mitarbeiterin, die sich bei der Jugendpresse Hessen engagiert, ob ich mir vorstellen könnte, als Jurymitglied die besten Schülerzeitungen Hessens zu küren. Abgesehen davon, dass sowas eine Ehre für mich ist, fand ich es als Jugendliche ganz toll, wie sich die Jugendpresse einsetzt.

 

Ich war selbst auf vielen Veranstaltungen wie den Jugendmedientagen oder der Youth Media Conference, auf denen ich nicht nur interessante Menschen kennengelernt und teils bis heute andauernde Freundschaften geknüpft habe, sondern auch viel über Journalismus gelernt habe. Auf diese Art habe ich zahlreiche Städte kennengelernt, wir waren in München, Köln, Leipzig, Schwerin und Oslo, haben Mediengestalter und Medienmacher getroffen, Nachwuchsleute genau wie Profis. Wir haben für PolitikOrange geschrieben, die Neon nachgemacht und eigene Beiträge erstellt. Wir haben zugehört, gelernt, genetzwerkt.

Diese Zeit hat mich nachhaltig geprägt, ich wurde ermutigt, meinen Weg weiterzugehen und hatte plötzlich Ansprechpartner in Redaktionen. Auch deshalb habe ich mich immer gern für den Nachwuchs eingesetzt, als ich selbst in einer Redaktion angestellt war, so bin ich beispielsweise Mentorin bei den Jungen Journalisten.

 

Nun zurück zum Projekt: Die Jugendpresse Hessen hatte schon eine Vorauswahl getroffen, dann ging es für uns Juroren darum, die besten Zeitungen und die besten Artikel zu wählen. Wir hatten allesamt einen riesigen Pack Zeitungen zugesandt bekommen, stundenlang habe ich darin geblättert und ich gewundert über die hohe Qualität der Zeitungen - vor allem aber über die Vielfalt. Es gab Kommentare, Berichte, Fotoreportagen, Reportagen und Interviews. Einige schrieben vor allem über ihr Schulleben, viele aber beschäftigten sich auch mit aktuellen Ereignissen in unserem Land. Erstaunlich auch, wie viele junge Zeitungsmacher ein Gespür für die wichtigen Themen hatten. So gab es allerlei Beiträge zum Thema Asylpolitik, es ging um IS und GEMA, um Ballerspiele und die Verschwendung von Lebensmitteln. Hochkomplexe Themen, aus der Sicht von Jugendlichen. Auch wenn die Juryarbeit mehr Arbeit war, als ich mir vorher dachte, hat es auch sehr viel Spaß gemacht. Es freut mich, dass es noch so viele junge engagierte Medienmacher gibt, Leute, die eine Meinung haben und sich nicht scheuen, diese auch kundzutun! Es ist schön zu sehen, dass es junge Menschen gibt, die nicht scheuen, Jugendkultur in die Medien zu bringen. Ein Text zur GEMA aus Sicht eines Jugendlichen zeigt deutlicher, um was es bei diesem Streit für eine ganze Generation geht. Auch das Thema Ballerspiele ist kontroverser, als wir manchmal meinen, wenn nach Amokläufen im Kollektiv ein Verbot von Ballerspielen gefordert wird.

 

Nebst mir bestand die Jury aus Mathias Alexander, Ressortleiter der Rhein-Main-Zeitung, dem Lokalteil der FAZ, Christoph Heider von der Hessischen Landesvertretung in Brüssel, Jana Kötter von der Ärzte Zeitung, dem Vorjahressieger Nico Arnold sowie Stefan Löwer, Pressesprecher im Hessischen Kultusministerium. Wir diskutierten über die Zeitungen, etwa darüber, ob eine Schülerzeitung durch Eltern/Lehrer Korrektur gelesen werden muss oder ob sie authentisch, also mit all den Rechtschreibfehlern erscheinen soll. Es ging darum, wie viel Schulthemen in den Ausgaben sein sollen, wie das Layout gestaltet ist, wie viel Inhalt sie hat. Der Austausch war sehr erfrischend. Erstaunlich auch, wie sich Meinungen ändern können, wenn man dann in der Diskussion erfährt, welchen Hintergrund der Schreiber hat. Oder soll man etwa nur nach der Qualität des Textes gehen, unabhängig davon, ob ein Achtklässler aus der Förderschule oder ein Abiturient den Text geschrieben hat?

 

Für die Zeitungen hatten wir in den jeweiligen Kategorien Grundschule, Mittelstufe, Förderschule und Gymnasium Noten in verschiedenen Kategorien vergeben - Stil, Layout, Themenvielfalt, Sprache, Werbung, Preis waren einige davon. So erfuhren auch wir nur aus der Diskussion, wer welchen Favoriten hatte. Immer wieder bekamen wir ein bisschen was von den Auswertungen mit, etwa, dass  in mancher Kategorie die zweite Nachkomma-Stelle der Gesamtnote Ausschlag über die Platzierung gab.

 

Die Einzeltexte diskutierten wir aus. Schnell waren wir uns einig, welche Texte in die Top 3 jeder Kategorie (Europa, Soziales, Kultur) gehörten. Während wir in zwei Kategorien recht schnell einig waren, wurde die Soziales-Kategorie per Abstimmung entschieden. Mit den Ergebnissen sind wir dennoch alle zufrieden!

 

Die armen Schüler müssen noch bis zum 17. Oktober warten. Erst auf der Buchmesse werden die Sieger offiziell verkündet.

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