Israel Part 3: En Gev, See Genezereth, Beit Zera, Totes Meer, Negev

Es ist 23.43 Uhr israelischer Zeit und ich komme gerade von einem späten Bad im Toten Meer.

 

Heute Morgen führte uns zunächst ein Mitglied des Kibbutz Ein Gev über das Gelände und erzählte aus den 67 Jahren, die er dort verbracht hat. Seine Eltern trafen sich im Kibbutz, er wurde dort geboren. Interessant ist dabei, dass sein Vater einer der Gründer des Kibbutz ist – und aus Frankfurt stammt. Darüber lest ihr dann bald mehr in der Frankfurter Rundschau.

Das Kibbutz Beit Zera stand danach auf dem Programm. Beide Touren zeigten, dass die Moderne auch in die Kibbutzim eingezogen ist. Früher lebten Kinder im Kinderhaus und wurden gemeinschaftlich erzogen. Nur vier Stunden täglich waren sie mit den Eltern zusammen. Gegessen wurde gemeinsam im Speisesaal und keiner bekam Gehalt. Stattdessen gab es alles im Kibbutz umsonst, vom Haus über das Essen und die Kleidung bis hin zu Spielzeug und Fahrrädern. Während zunächst nur die etwas von ihrem Gehalt behalten durften, die im Kibbutz lebten, aber außerhalb arbeiteten, bekommen inzwischen sogar diejenigen Lohn, die im Kibbutz arbeiten. Das sei zwar ein Fortschritt, und man könne nun auch mal reisen, sagte Yoel, den wir trafen, aber es separiere eben auch die Gesellschaft und das sei ja gegen den Grundgedanken der zionistischen Einrichtung: Dass alle gleich sind, gleiche Rechte haben und es kein Eigentum gibt, da alles der Gemeinschaft gehört.

 

Nach dem ziemlich teuren Mittagessen im Kibbutz fuhren wir zum Toten Meer. Der Weg führt durch das Westjordanland, wo wir die Grenze passieren mussten. Das war ein sehr einprägsamer Moment für viele von uns. Für mich auf jeden Fall. Es ist unglaublich, in ein Gebiet einzureisen, in dem die Bevölkerung quasi gefangengehalten wird, während ich einfach durchfahren kann. Im Auto entstand eine sehr hitzige Diskussion zwischen unserer Tourguide (ich erinnere: vom staatlichen Tourismusbüro) und zwei, drei von uns Journalisten, die sich immer dann einmischten, wenn ein entscheidender Teil in der Geschichte unserer Ansicht nach verharmlost wurde. Es war spannend zu sehen, wie unsere ansonsten super tolle, relaxte, lustige, gebildete und gesellige Tourguide auf einmal angespannt und schnippisch wurde, fast beleidigt war. Wir hielten dann auf unser Drängen im Westjordanland, auch wenn es ungern gesehen wurde. Wir schauten die Grenze entlang, ein bedrückendes Gefühl. Über die vielen Grenz-Situationen hier werde ich sicher noch viel nachdenken, aber da muss sicher auch noch das ein oder andere schlicht nachwirken.

 

Wir fuhren am Grenzzaun entlang, entlang auch des Jordan, der ein wirklich erbärmliches Bild abgibt. In vielen Teilen ist er nicht einmal mehr als Fluss erkennbar. Bei uns würde man das bisschen Wasser noch maximal als Bach bezeichnen. Unfassbar, wie er heruntergewirtschaftet ist, wie selbst jetzt, wo die Folgen so deutlich spürbar sind – das Tote Meer geht jedes Jahr etwa einen Meter zurück -, noch immer nicht wirklich an einer Lösung gearbeitet wird. Müssen nicht irgendwann persönliche Eitelkeiten hinter solch elementar wichtigen Dingen wie der Natur, wie der kompletten Wasserversorgung für die Region, zurückstecken? Ein Mitreisender fragte, warum der Jordan so wenig Wasser hat. "Nicht nur wir holen da Wasser raus", antwortete unsere Tourguide. Auch das schwingt immer irgendwie mit: Die Kritik an Israel aus dem Ausland, als "the bad guy" angesehen zu werden, wie sie es nannte.

 

Wir checkten im Hotel am Südufer des Toten Meer ein – auch so ein trauriger Anblick. Inzwischen gibt es quasi zwei Tote Meere, weil das Wasser so weit zurück gegangen ist, dass der Nord- und der Südteil getrennt sind, weil es dort eine Erhebung im Wasser gab. Ein künstlicher Kanal leitet nun das Wasser in den Südteil, weil dort alle Hotels stehen...

 

Nach einem kurzen Empfang ging es direkt auf Tour: Mein bisheriges Highlight. Wir fuhren mit dem Jeep und Ali, einem Beduinen, in die Wüste. Um das Tote Meer herum gibt es eine Steinwüste, ein Ausläufer der Negev. Ali ist ein super sympathischer, offener, witziger und gleichzeitig kompetenter Mann für solche eine Tour. Mit ihm würde ich sofort für eine Woche einen Survival-Trip machen. „Sehr ihr das? Das sind Fußspuren, sowas wie die Beduinen-SMS... Wenn wir das Tier dann gefunden haben, ist es eine MMS.“ Er fuhr mit uns allerlei lustige Pisten runter ("Beduin Motorway"), sodass wir doch das ein oder andere mal erschrocken sind und kreischen mussten, obwohl es super amüsant war. Ein wenig wie Achterbahnfahren ("Massage Beduin style"), aber mit einem wahnsinnigen tollen Ausblick. Sowas habe ich noch nie gesehen. Immer wieder hielten wir, weil Ali uns etwas erklärt hat oder er uns etwas zeigen wollte: Mit welchen Pflanzen Beduinen sich waschen, welche sie essen usw. Es war toll. Wir krabbelten alle in eine Höhle, in der sich sein Volk früher aufhielt und in der es angenehm kühl war (draußen über 40 Grad). Heute wohnt er im Dorf, und in Israel gibt es keine Nomaden mehr. Wir genossen eine fantastische Aussicht und auf dem Rückweg begegnete uns sogar noch ein freilebender Esel. Das war Tier Nummer vier auf diesem Trip: In Tel Aviv lief uns ein Chamäleon über den Weg. Und auf der heutigen Fahrt sahen wir zunächst einen Steinbock und dann (nach einer ganzen Horde Esel) zwei Kamele. Um im Beduinen-Feeling zu bleiben, aßen wir in einem Beduinen-Restaurant, das war wirklich unfassbar lecker.

 

Und wenn man schon mal ein Hotel am Toten Meer hat, kann man abends ja nochmal ins Wasser hüpfen. Wobei hüpfen quasi lebensgefährlich ist. Untergehen kann man hier übrigens nicht, ich hatte nicht einmal die Kraft, meine Beine auf dem Boden zu halten, so stark wurden sie nach oben gedrückt. Das hätte ich nie gedacht. So lag ich also hilflos wie eine Schildkröte auf dem Rücken und habe die Aussicht genossen. Nun geht’s ins Bett, morgen fahren wir über Masada und Ein Gedi nach Jerusalem, unserem letzten Stopp.

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