Israel Part 2: Tel Aviv, Nazareth, Lake Kinneret

Mein Inneres kämpft seit der Ankunft am Freitag, heute besonders. Einerseits ist da dieses wunderbare Land mit einer herrlichen Natur, mit super-freundlichen Menschen und einer interessanten Kultur. Andererseits denke ich bei jedem schönen Moment daran, dass nur wenige Kilometer weiter Krieg ist oder war. Schwimme ich im Mittelmeer, denke ich an die Menschen, die nur wenige Kilometer weiter bei der Operation Protective Edge im vergangenen Jahr ihre Häuser, Angehörige und auch Hoffnung und Zukunft verloren haben. Auch wenn ich hier durchaus auf viele Israelis treffe, die mit mir darüber diskutieren und mir bewusst ist, dass der Nahost-Konflikt so komplex ist, dass ich ihn niemals durchdringen werde, so sperrt das Land, in dem ich mich gerade befinde, doch Menschen auf einem Stück Land ein und wirft Bomben darauf auf, während ich bade und die Aussicht genieße.

Ähnlich ergeht es mir nun am Lake Kinneret, dem See Genezereth, in Galiläa. Auf der einen Seite diese wundervolle Landschaft, der See, die Berge. Auf der anderen Seite immer im Hinterkopf, dass auf der anderen Seite der Golanhöhen Väter und Mütter, Brüder und Schwestern, Kinder und Großeltern, in Syrien um ihr Leben kämpfen.

 

Das macht den Krieg spürbar. Es trübt die Stimmung und ich finde die Worte nicht, die diese Situation, den inneren Konflikt beschreiben. Es bedrückt mich, es macht mir Angst, es macht mich wahnsinnig wütend und gleichzeitig fühle ich mich hilflos, aber auch undankbar, dass ich dem, was ich derzeit erlebe und sehe, nicht die nötige Dankbarkeit entgegen bringe. Denn dieses Land und seine Menschen sind wirklich außergewöhnlich.

 

Zum heutigen Tag, der sehr abwechslungsreich war.

 

Tel Aviv:

Unsere geplante Segway-Tour fiel aus organisatorischen Gründen leider aus, dafür ging es auf den Carmel Markt, den wir eigentlich bereits gestern besuchen wollten - doch Samstag ist eben Shabbat, da wird nicht gearbeitet. Nach dem kurzen Schlendern ging es vier Stunden um Mode: Die Modeberaterin Galit Reismann von TLVStyle führte uns hinter die Kulissen einiger Modelabels. Zunächst besuchten wir die wunderhübsche (alle Menschen hier sind so hübsch!) Danit Peleg, die Mode mit dem 3D-Drucker macht. Noch dauert das alles ziemlich lange und ist daher teuer, aber ihre Vision ist es, irgendwann nur noch Dateien zu verschicken, sodass Menschen sich ihre Kleidung direkt selbst ausdrucken können. Eine schöne Idee, und die Teile sahen - obwohl ich wenig von Mode verstehe - wirklich hübsch aus. Über 4 Millionen Mal wurde das Video von Danit schon angeschaut, obwohl sie die Mode erst im Juni präsentierte und öffentlich machte. In den kommenden Wochen reist sie durch Amerika und Europa, um ihre Idee zu präsentieren.

 

Weiter ging es bei Me Dusa, einem bereits etablierten Label, das seinen Schmuck und seine Handtaschen sowohl für Stars als auch Normalos kreiert. So gibt es in dem Laden - der ziemlich nach Luftmatratze riecht - Handtaschen und Schmuck für jedermann (aus recycelbarem Plastik), und für die Reichen sind die Taschen mit Perlen besetzt. Im Gegensatz zu Danit haben sich die beiden Damen schon auf dem Markt etabliert, laut Garit trägt inzwischen jede zweite Frau in Tel Aviv die Taschen.

 

For those who pray arbeitet mit Leder - allerdings mit Lederresten, die vom Tür übrig bleibt. Für die Designerin ist das auch nachhaltig, immerhin nutzt sie nur Reste. "Wenn wir schon Tiere töten, dann sollten wir auch alles verwerten", sagt sie. Der Schmuck ist allerdings sehr special, und doch eher etwas für Gothic-Leute oder jene, die ein extremes Statement setzen wollen. Zuletzt ging es zu Maskit. Früher wurde hier ganz Israel eingekleidet. Nachdem die Firma in den 90er Jahren aber zugrundegewirtschaftet wurde, starteten ein paar junge Leute noch einmal wieder, allerdings mit High Fashion. Das stehe, sagt Galit, für den Wandel in Israel: Die Jungen wollen kreativ sein, sich immer neu erfinden, dabei aber auf Traditionen zurückgreifen.

 

Insgesamt war mir die Tour wohl etwas zu Special Interest, das ist einfach nicht meine Welt. Zwei Besuche hätten mir absolut gereicht, gerade angesichts der Tatsache, was dieses Land sonst noch alles zu bieten hat.

 

Zum Beispiel Nazareth:

Nach einer sehr leckeren Falafel hielten wir in Nazareth, wo Jesus einst gelebt hat. Wir trafen auf einen kreativen Papagei und besuchten die Verkündigungskirche. Hier soll einst das Haus (oder eher die Höhle) sowie die Werkstatt der Heiligen Familie gestanden haben und hier soll Engel Gabriel Maria die frohe Botschaft verkündet haben. Nun hab ich wenig mit Religion zu tun, allerdings war es schon spannend, diese historisch bedeutsamen Stätten zu besichtigen, die in meiner Kindheit eine große Rolle gespielt haben. Es ist erstaunlich, wie viel man noch im Kopf hat. Heute ist Nazareth übrigens die größte arabische Siedlung innerhalb Israels. Auch das ist sehr interessant - im Gegensatz zum modernen Tel Aviv, in dem alles bunt zugeht, sind hier etwa oft Schilder nur in arabischer Schrift zu sehen.

 

Kibbutz En Gev / Lake Kinneret:

Die Fahrt endete am Kibbutz En Gev in Galiläa, am Ostufer des Sees Genezereth vor einer atemberaubenden Kulisse. Wir sahen den Sonnenuntergang im Meer, das schöne Land, aber wir hatten eben auch die Golanhöhen im Rücken. Dazu habe ich mich aber schon geäußert. Am Abend, als es schon dunkel war, sind wir noch einmal zum Strand und haben uns ins sicher 29 Grad warme Wasser gelegt. Eine Stunde sprachen wir, lagen im Wasser, schauten in einen wunderbaren Sternenhimmel und auf die Lichter aus Tiberias. Es könnte so einfach sein.

 

Morgen geht die Tour weiter durch zwei Kibbutzim und dann zum Toten Meer.

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