Den Rheingau per Schiff erkunden

Eine Schifffahrt ist quasi in jeder Stadt mit Fluss eines der Touristen-Highlights - wobei natürlich auch Einheimische gerne mal durch die Gegend schippern. Wer raus will aus dem Großstadt-Muff, hat in der Rhein-Main-Region, aber auch beispielsweise aus Koblenz, ein leichtes Spiel: bei einem Tagesausflug in den Rheingau.

 

Rund 60 Kilometer westlich von Frankfurt liegt nämlich eine der bekanntesten Touristengegenden Deutschlands, die Gegend gehört zum Unesco-Welterbe Oberes Mittelrheintal.

Auf einer Burgen-Schifffahrt von Assmannshausen über Bingen und Rüdesheim gibt es nicht nur eine wunderschöne Landschaft mit zahlreichen Weinreben zu sehen, sondern auch Überbleibsel aus vergangenen Jahrhunderten - wie historische Häuser und Altstädte. Die Fahrt startet in Assmannshausen am Rheinufer. An der Brücke 3 legen die Schiffe der Bingen-Rüdesheimer Fahrgastschiffe an, die auch zum Loreleyfelsen nach St. Goar fahren.

 

Die erste Burg, die es zu sehen gibt, ist nur noch eine Ruine: die Burg Ehrenfels. Am steilen Hang der Weinberge liegt die vor rund 800 Jahren erbaute Burg. Die fast fünf Meter dicke und 20 Meter hohe Schildmauern mit ihren zwei Ecktürmen sind nach wie vor erhalten und lassen sich vom Schiff aus anschauen. Zerstört wurde die Burg angeblich 1689 im Laufe des Pfälzischen Erbfolgekriegs, heute ist sie für Besucher nicht zugängig. Gleich gegenüber liegt auf einer kleinen Insel mit dem Binger Mäuseturm, ehemals als Wehr- und Wachturm genutzt, ein geschütztes Kulturdenkmal.

Es folgt der erste Stopp am südlichen Rheinufer, in Bingen, ehe das Schiff wieder die Seite wechselt und in Rüdesheim am Rhein anlegt. Auch wer nicht am Weintrinken interessiert ist, sollte an diesem Haltepunkt das Schiff verlassen, um durch die historische Alstadt Rüdesheims zu spazieren. Nicht nur das 1883 erbaute Niederwalddenkmal, das am Rande des Osteinschen Landschaftsparks Niederwald liegt und an die deutsche Einigung 1871 erinnert, ist sehenswert, vor allem die Drosselgassen mit ihren zahlreichen Weinlokalen und Gaststätten ist bei Touristen beliebt. In den winkeligen Gassen der Altstadt, die beim Bombenangriff auf Rüdesheim 1944 größtenteils erhalten blieb (andere Teile wurden wieder aufgebaut), gibt es zahlreiche Einkehrmöglichkeiten zu Torte und Wein, außerdem Eis und Souvenirs.

 

Wer einen weniger sonnigen Tag erwischt oder viel Zeit in Rüdesheim hat, kehrt in einem der fünf Museen ein: Siegfrieds Mechanisches Musikkabinett ist das erste deutsche Museum für Datenspeicher-Musikinstrumente, das Mittelalterliche Foltermuseum stellt in historischen Gewölbekellern die Rechtsgeschichte des Mittelalters dar und im Asbach Besucher Center lernen die Gäste mehr über die Asbach-Brennerei. Im Rheingauer Weinmuseum Brömserburg gibt es mehr über die tausendjährige Weinbaugeschichte in Deutschland und im Rheingau zu erfahren - und das in der ältesten Burg der Region - und im Spielzeug- und Eisenbahnmuseum kann man einen Nachbau des Rheinlaufs von Koblenz bis Bingen bewundern.

Zurück auf dem Rhein führt die Fahrt an Assmannshausen vorbei zur Burg Reichenstein, die zur Gemeinde Trechtingshausen gehört und den nächsten Halt bietet. 1213 ist diese Burg, die auch Falkenburg genannt wird, erstmals erwähnt, gut 70 Jahre später wird sie allerdings zerstört.

 

Die Ruine war lange dem Verfall überlassen, wurde mehrfach umgebaut und erhielt ihr heutiges Aussehen durch Baron Nikolaus von Kirsch-Puricelli der zur 20. Jahrhundertwende dort lebte. Reichenstein, wo heute ein Burgmuseum mit historischen Waffen beherbergt sind, war die letzte Burg der Unesco-Welterberegion Oberes Mittelrheintal, die im Stile der Rheinromantik wieder aufgebaut wurde.

Der letzte Stopp der Schifffahrt wird an der Burg Rheinstein eingelegt, einer Spornburg, die ebenfalls zur Gemeinde Trechtingshausen gehört. Um 1316 erbaut, hatte sie ein ähnliches Schicksal wie Burg Reichenstein: Über Jahre wollte die Ruine im 20. Jahrhundert niemand kaufen, erst 1975 ging sie an den Opernsänger Hermann Hecher über, der sie nach und nach wieder instand setzte. Zum Teil kann die Burg besichtigt und sogar für Hochzeiten angemietet werden.

 

Die Burgen-Rundfahrten der Bingen Rüdesheimer sind nur eine der zahlreichen Themenfahrten, aber die beliebteste. Ein Rundticket kostet 12,50 Euro, allerdings gibt es auf Groupon öfter Ermäßigungen (zwei zum Preis von einem). In Assmannshausen geht es werktags um 12.15, 14.30 und 16.30 Uhr los, am Wochenende und im Sommer zusätzlich um 10.30, 11.15., 13.25 und 15.10 Uhr. Einstieg ist an der Brücke 3 an der Rheinuferstraße. Man kann jederzeit aussteigen und mit einem späteren Schiff weiterfahren.

 

Bei dem Text handelt es sich um einen von mir verfassten Artikel, den ich am 19. Mai 2014 für die Frankfurter Rundschau geschrieben haben. Die Abfahrtszeiten und Preise habe ich aktualisiert (Stand April 2018).

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