Deutschlands längster Barfußpfad in Bad Orb

In Bad Orb im Spessart wartet mit rund vier Kilometern Deutschlands längster Barfußpfad. Auch wenn nur rund die Hälfte der Strecke wirklich mit Stationen ausgestattet  ist und der Rückweg eher einer normaler Wanderung ähnelt, so lohnt es sich auf jeden Fall, den Weg zu gehen.

 

Wer den 36 Stationen folgt, balanciert auf Holzpfählen und Schwebebalken, läuft über Glasscherben und Steine, durchquert die Orb an verschiedenen Stellen, sinkt im Matsch ein und handelt sich an Seilen über den Fluss.

Die Beine werden schwerer, immer tiefer versinken sie im Schlamm, als Knietiefe erreicht ist, hilft es auch nicht mehr, die Hose hochgekrempelt zu haben. Schwarz färben sich die Ränder der Jeans.

 

Am Holzgeländer hängen Erwachsene, heben ihre Knie hoch in die Luft, während Kinder diese Station des Parcours längst hinter sich haben und freudig mitansehen, wie ihre Eltern sich dreckig machen, stöhnen und schimpfen – und dann doch lachen. Kaum ist der Dreck getrocknet, geht es ab in den eisig kalten Bach, an Seilen entlang hangelnd muss die Orb durchquert werden, gegen die Strömung, auf kleinen Steinchen gehend.

Der Barfußpfad führt auf einem Rundweg zunächst vom Kurpark bis zum Wildpark an der Orb entlang, dann geht es über einen ausgebauten Feldweg wieder zurück. Er entstand im Rahmen eines Projektes der Kreisrealschule Bad Orb. 36 Stationen haben sich die Schüler und ihr Lehrer ausgedacht und pflegen diese auch nach wie vor. 

 

Start ist im Kurpark. Dort gibt es im oberen Teil ein kleines Häuschen, an dem man den Eintritt bezahlt (2.50 Euro für Erwachsene, 1 Euro für Kinder). Man kann dort seine Schuhe hinterlegen (was man nur tun sollte, wnen man nicht beabsichtigt, den Wildpark zu besuchen) und bekommt eine Karte mit den insgesamt 36 Stationen.

Wer den Pfad nicht alleine entdecken will, kann für 30 Euro (ab fünf Personen) einen der SchülerInnen, die den Pfad pflegen, als Guide hinzubuchen. Er/Sie erklärt Natur, Weg und Material.

 

Wer den Parcours nimmt, kann über einen Balken balancieren, Steine, Holz und anderen Materialien mit den Füßen ertasten, von einem Pfahl zum nächsten springen oder über Glasscherben und Tannenzapfen gehen. Was schmerzhaft klingt, ist bisweilen vor allem eine Pediküre. Es geht darum, die Natur direkt zu erleben, sie zu spüren, ein Gefühl für unterschiedliche natürliche Stoffe zu entwickeln.

 

Nach den ersten 26 Stationen wartet das Kneipp-Tret-Becken am Wildpark – doch vorher müssen die Füße am Bach gesäubert werden. Kaltes Wasser soll den Kreislauf in Schwung bringen und die geschundenen Füße entspannen.

Die Schleife des Rundwegs ist an einem wunderbaren Ort für eine kleine Pause gelegen, denn sie befindet sich direkt am Wildpark, in dem Rotwild, Ziegen, Esel, Pferde, Schweine und Nandus an einem Hang leben.

 

Der eigentliche Pfad führt entlang des Zauns auf eine kleine Anhöhe, wer nicht auf dem Barfußpfad bleibt, erreicht nach ein paar Metern das Eingangstor zum kostenfreien Wildpark (eine Spendenbox hängt am Eingang)

Esel, Pferde, Ziegen und Schafe bewegen sich frei auf dem Grundstück und sind zutraulich. Das wurde einigen Tieren allerdings schon zum Verhängnis. 2015 starben vier Tiere, weil sie nicht passendes Futter von Besuchern gefressen hatten.

 

Eine Familie hatte im November den Ponys vier Packungen Toastbrot gegeben, ein 36-jähriges Tier starb an einer Kolik und führte zu einer regen Anteilnahme in sozialen Medien.

Nach rund zweieinhalb Kilometern Wegstrecke eignet sich die kleine Rast zudem für einen Besuch im Café Waldfriede, der hintere Ausgang des Wildparks führt direkt zum Hof der Konditorei. Das Café ist über Bad Orbs Grenzen hinaus bekannt, Angestellte berichten von Menschen, die 100 Kilometer für ein Stück Kuchen gefahren kommen.

 

Wenn es denn bei einem Stück bleibt, denn die Auswahl ist enorm: 32 verschiedene Torten und Kuchen stehen auf der Karte, mal mit viel Schokolade, mal mit Streusel, oft mit frischem Obst. Zwei Terrassen, eine Richtung Tierpark, bieten viel Platz.

 

Ich hab echt einiges an Kuchen dort gefuttert, eigentlich habe ich in den fünf Wochen meiner Reha vor Ort jedes Wochenende einen Ausflug in den Wildpark und zu Waldfriede gemacht. Es ist echt mega lecker!

Der Rückweg ab dem Wildtierpark – der vordere Eingang führt zurück auf den Barfußpfad – hat weniger zu bieten als der Hinweg. Über Waldboden, zwei Schwebebalken und einen Weidentunnel müssen schließlich fast zwei Kilometer ohne Station zurückgelegt werden.

 

Immerhin geht es bergab, mit einem schönen Blick auf das Orbtal und den Spessart, bis hinunter zum Kurpark, wo die letzten Stationen, wie ein Mulch- oder Kieselfeld warten. Für die FR habe ich auch schon einen Bericht über den wirklich schönen und gepflegten Pfad geschrieben. Weitere Informationen gibt es auch auf der eigens für den Barfußpfad eingerichteten Website.

Wer noch nicht genug hat, kann auch rund um den Barfußpfad und im Kurort Bad Orb einiges erleben. Ziemlich direkt an der Strecke liegt das Freibad mit Naturbadeteich und beheiztem Freizeitbecken (Erwachsene 4 Euro / Kinder 2,50 Euro). Nebenan wartet die Minigolfanlage von Olliz‘ Restaurant.

 

Im Kurpark ist das Gradierwerk eines der Hauptanziehungspunkte für Kurgäste und Gäste. Mit 155 Metern Länge, 12 Metern Breite und 18 Metern Höhe ist das Denkmal aus der Zeit der Salzgewinnung das größte in Hessen.

 

Es ist das einzige Gradierwerk der gesamten Saline, das noch in Gebrauch ist. Die Sole riesel dabei pber den Reisig und sorgt mit seinem Salzklima für ein Freiluft-Inhalatorium. Der Eintritt ist frei.

 

Im Kurpark findet man auch ansonsten viel Erholung. Es gibt etliche Spazier- und Nordic-Walking-Wege, einen kleinen Bach mit Teich mit Enten und einen Naturlehrgarten. Dort finden sich über 200 verschiedene Kräuter und Heilpflanzen. Kneippbecken stehen nebenan bereit.

Gut für die Seele ist auch die Toskana Therme, einer der schönsten Thermen überhaupt. Dort wird Entspannung ganz groß geschrieben und sie eignet sich super zur relaxten Einkehr nach einem Tag unterwegs. Sie liegt in der Nähe des Kurparks und hat eine riesige Wohlfühlfläche. Sechs Becken mit 28 bis 35 Grad warten. Es gibt verschiedene Solebecken mit Unterwassermusik und ruhiger farbiger Beleuchtung. Insgesamt drei Whirlpools locken. Ganz besonders ist das Liquid Sound Becken.

 

Innerhalb der Therme ist der Bereich noch einmal geschützt in einer Art Zelt. Dort ist absolute Ruhe erwünscht. Es gibt Unterwassermusik und Lichteffekte zur perfekten Entspannung. Der Solegehalt liegt hier bei 3,5 Prozent. Es gibt auch immer mal wieder verschiedene Veranstaltungen in der Therme. Jeden ersten Samstag im Monat etwa den Liquid Sound Club von 21 bis 24 Uhr, mit elektronisch-aquatistischen Traumklänge, oder Vollmondkonzerte. Es gibt Tickets für verschiedene Zeiteinheiten, 2 Stunden kosten 17 Euro, 4 Stunden 21 Euro und eine Tageskarte 27 Euro für Erwachsene.

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