Meer (und Klima) erleben in Bremerhaven

Bremerhaven hat nicht gerade den besten Ruf. Hohe Arbeitslosigkeit, Kriminalität, dazu eher abgelegen und als kleine Schwester vom 60 Kilometer entfernten Bremen wahrgenommen, zu dem es politisch auch gehört.

 

Dabei ist in den letzten Jahren in der alten Hafen-Stadt einiges passiert, vor allem kulturell. In den sogenannten Havenwelten sind mit dem Klimahaus und dem Deutschen Auswandererhaus sind zwei großartige Museen entstanden, die jeweils schon alleine einen Besuch wert sind.

 

Dazu wartet die Nordsee mit Leuchtturmen und dem nordischen Flair, aber auch beispielsweise der Zoo am Meer und die großen Werften, in denen Kreuzfahrtschiffe zum ersten Mal auslaufen.

Klimahaus

Wer das Klimahaus besucht, macht eine Weltreise. Aber nicht irgendeine, es geht entlang des 8. östlichen Längengrades.

 

Im Schweizer Isenthal beginnt die Tour - es geht vorbei an einer Wiese mit Kühen (man kann sich am Derbyrennen-Spielstand mit Kühen statt Pferden duellieren) und hinauf auf die Alm. Es geht etwa darum, welche Folgen das Schmelzen der Gletscher für die Region hat.

 

Die italienische Insel Sardinien wird als Insekt erkundet: Man wandert durch Grashalme und überwindet Regenflüsse. In Kanak im Niger geht es zu den Tuareg, die in der Wüste der Sahel-Zone leben. Balance ist in Ikenge im Kamerun gefragt: Es geht durch den Regenwald und es gilt, Flüsse zu überqueren.

 

Bis zu minus 70 Grad wird es in Königin-Maud-Land in der Antarktis. Für Besucher geht es im Eilschritt durch das Eis, um sich in der Polarforschungsstation zu informieren. Richtig ausgestattet kann man dann wieder ins Eis ziehen - so lange es noch da ist, denn der Klimawandel bedroht die weiße Schicht.

 

Die deutsche Hallig Langeneß in der Nordsee ist vom Wasser geprägt. Ebbe und Flut, der Wasserpegel steigt klimabedingt aber immer weiter. Besucher bauen eine Warft und schauen, ob sie dem Wasser standhält. Auch Bremerhaven liegt auf dem 8. östlichen Längengrad. Obwohl hier gemäßigtes Klima herrscht, gibt es immer wieder Wetterextreme, von denen die Einheimischen berichten.

 

Einen Abstecher gibt es noch auf den 171. westlichen Längengrad - der Verlängerung. Dort wartet eine Reise nach Satitoa in Samoa. Hier warten traumhafte Strände, imposante Schluchten und eine großartige Unterwasserwelt, die ebenfalls vom Aussterben bedroht ist. In Gambell auf der Insel St Lawrence Island, die zu Alaska gehört, sind zahlreiche Tiere heimisch. Die Einwohner Yupik leben von Walfang und Robbenjagd - doch durch den Klimawandel müssen sich die Ureinwohner Alternativen überlegen.

 

Zudem gibt es noch weitere Themenbereiche, etwa eine Wetterstation oder Informationen zu den Ozeanen im Wandel. Es gibt eine Kochschule und auch öfter Workshops und weitere Aktionen.

 

Infos zu den Öffnungszeiten finden sich auf der Website. Der Eintritt kostet 16 Euro für Erwachsene und 11,50 Euro für Kinder ab fünf Jahren. Wer sich online sein Ticket vorab kauft, hat ein Jahr Zeit, ins Klimahaus zu kommen und muss nicht an der Schlange anstehen.

Auswandererhaus

In Bremerhaven brachen die Menschen einst auf, um mit den großen Schiffen gen Amerika überzusetzen. Im Auswandererhaus werden die Auswanderungen in verschiedenen Epochen dargestellt. In dem Museum kann man zudem eine Auswanderung nacherleben. Man wartet am Hafen-Terminal, besucht die Kabinen auf dem Schiff, winkt mit dem Taschentuch. Man sieht die Unterschiede zwischen erster und zweiter Klasse, erlebt die Krankheiten an Bord und erfährt mehr zu bestimmten Personen, die einst ausgewandert sind.

 

Das Museum ist 2007 mit dem Titel "Europäisches Museum des Jahres" ausgezeichnet worden. Es gibt auch eine Datenbank, wo man kostenlos nach eigenen Angehörigen forschen kann, die einst ausgewandert sind. Mit den Namen findet man das Datum der Auswanderung, dem Schiff und dem Ankunftshafen. Seit 2012, also nach meinem Besuch, gibt es einen Bau, der die Einwanderung nach Deutschland seit dem 18. Jahrhundert thematisiert.

 

Der Eintritt ins Deutsche Auswandererhaus kostet 14,80 Euro für Erwachsene und 8,80 Euro für Kinder. Geöffnet ist im Sommer täglich von 10 bis 18 Uhr, im Winter bis 17 Uhr. Weitere Infos, auch zu Sonderausstellungen, finden sich auf der Website.

 

Zoo am Meer

Im Zoo am Meer, der wie der Name schon sagt, direkt an der Unterweser, Nahe der Nordsee, liegt, geht es vor allem um im Norden heimische Tiere und um Tiere, die im Wasser leben. Es ist eine eher kleine Anlage am großen Leuchtturm, es handelt sich um den kleinsten öffentlichen Zoo Deutschlands. Angefangen hat das alles vor rund 100 Jahren als Nordseeaquarium.

 

Im Zoo finden sich auf Spitzbergen heimische Polarfüchse, Eisbären, Schneeeulen, Schneehase und Robben. 2013 wurden nach vielen Jahrzehnten wieder zwei Eisbären geboren, wovon jedoch nur einer - Lale - überlebt hat. Die vom Aussterben bedrohten Humboldtpinguine leben hier ebenfalls, der Zoo kümmert sich um die Nachzucht. Der Beweis, dass es auch homosexuelle Pinguine gibt, wurden im Zoo am Meer erbracht. Schwule Paare brüteten Steine aus, später wurde ihnen ein Ei untergeschoben, um das sich ein Pinguinpaar kümmerte.

 

Ergänzend hat der Zoo auch andere Tiere aufgenommen, etwa Schimpansen, Ringelnatter, Waschbären und Pumas. Da der Zoo vor allem für Kinder ausgelegt ist, gibt es Spielplätze und ein Piratenschiff. Von der Aussichtsplattform aus, lässt sich die Wesermündung erblicken. Der Zoo hat im Sommer von 9 bis 19 Uhr, im März und Oktober bis 18 Uhr und im Winter bis 16.30 Uhr geöffnet. Der Eintritt kostet 9 Euro für Erwachsene und 5,50 Euro für Kinder. Mehr Infos gibt es auf der Website.

Werften

Zu einem Hafen gehören natürlich auch Schiffe und Werften. Hier werden Schiffe zum einen gebaut, zum anderen aber auch ausgestattet. Immer mal wieder hat man beim Bremerhaven-Besuch somit die Chance, große Kreuzfahrtschiffe zu erkunden.

 

Ich war 2012 zum letzten Mal in Bremerhaven, als die "Disney Fantasy" dort ablegte. Die "Disney Fantasy" wurde in der Meyer-Werft in Papenburg gebaut und kam für die Restarbeiten nach Bremerhaven. Eine Woche lag das Schiff am Hafen und konnte besichtigt werden, ehe es mit einem großen Feuerwerk gen Florida aufbrach.

 

Besuchen kann man beispielsweise die Lloyd-Werft. Bei einer 90-minütigen Führung geht es unter anderem auf die Aussichtsplattform mit Sicht auf die großen Schiffe. Kontakt gibt es über die Touristeninformation.

 

Von der Besucherplattform des Kreuzfahrt-Terminals kann man zudem den Kreuzfahrtschiffen beim Ein- und Auslaufen zusehen. Im Internet lässt sich zudem nachverfolgen, welche Schiffe gerade rund um Bremerhaven unterwegs sind.

Am Wasser

"Meer erleben" heißt das Stadtmotto von Bremerhaven, immerhin ist die Stadt durch Weser, Unterweser und Nordsee auch von Wasser umgeben. Daher geht es bei vielen Touren rund um das Thema Wasser, Hafen und Fisch.

 

Rund um den Neuen Hafen finden sich der bekannte Leuchtturm Unterfeuer, der Zoo am Meer und das Deutsche Auswandererhaus. Zahlreiche Fisch- und Meeresfrüchte-Restaurants befinden sich hier - dort kann man sehr lecker essen.

 

Südlich davon schließt sich der Alte Hafen an, an dem das Klimahaus , die Aussichtsplattform Sail City, das Deutsche Schifffahrtsmuseum und das Technikmuseum U-Boot „Wilhelm Bauer" liegen. Letzteres ist ein technikgeschichtliches Denkmal, denn es handelt sich um das weltweit das einzig erhaltene U-Boot des Typs XXI, das den U-Boot-Bau revolutionierte. Der Eintritt kostet für Erwachsene 3,50  Euro.

 

Natürlich gibt es auch etliche Hafenrundfahrten per Schiff und per Bus, genau wie Weser-Schifffahrten oder Bustouren zu den Themen Fischerei. Eine gute Übersicht gibt es auf der Website der Touristeninformation.

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