Canyoning im Wadi Mujib

Picture by Cooking in Tongues
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Die schönste Erfahrung auf meiner Jordanien-Reise war das Canyoning im Wadi Mujib und deshalb möchte ich euch gerne mit auf dieses Abenteuer nehmen.

 

Vom Toten Meer ins Landesinnere hinein ragt das Wadi Mujib, das auch der Gran Canyon Jordaniens genannt wird, mit seinen tiefen Schluchten und zwischendurch fließt der biblische Fluss Arnon. Und der bietet sich wunderbar für dieses großes Abenteuer an, bei dem man allerlei Herausforderungen gestellt wird.

 

Wer aus Richtung Amman oder Madaba kommt, kann zunächst einen kleinen Exkurs machen und bereits an der ersten Abzweigung Richtung Sehatty Resort und Ma'In Hot Springs abbiegen und durch das Wadi Mujib fahren, bzw. über Serpentinen auf die Höhe hinauf. Oben angekommen ist das Dead Sea Museum ausgeschrieben, in dem über Mineralien, Funktionsweisen und das Verschwinden des Toten Meers informiert wird.

Der Eintritt kostet 2 JD.

 

Außerdem gibt es einen kleinen Wanderweg entlang der Steilküste mit atemberaubendem Panoramablick über das Tote Meer.

Picture by Cooking in Tongues
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Zurück zum eigentlichen Thema: Ausgangspunkt für das Canyoning ist das Wadi Mujib Adventure Center an der Mujib Bridge, das über den Jordan Valley Highway erreichbar ist und an der Küste des Toten Meers entlang führt.

 

Es gibt vier verschiedene Trails durch den Canyon, einige sind immer trocken, etwa der Ibex Trail. Er ist der einzige Trockenweg, der immer geöffnet hat, ist allerdings nur mit Guide machbar (21 JD). Wer mitkommen möchte, muss um 8.30 Uhr an der Brücke sein. Wer Glück hat, entdeckt auf der Tour die namensgebenden Alpensteinbock Ibex.

 

Der Malaqi Trail (44 JD) und der Canyon Trail (31JD) sind ebenfalls nur mit Guide begehbar und sie sind nur im Sommer (April bis Oktober) geöffnet.

 

Für uns blieb also nur der letzte der vier Trails: der Siq Trail, ebenfalls ein Wet Trail, von dem wir schon viel Gutes gehört hatten.

 

Picture by 2 Travlrs
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Den Eintritt von 21 JD bezahlt man direkt im Besucherzentrum. Man kann auch diesen Trail mit einem Guide gehen, muss man aber nicht. Wir haben uns, wie nahezu alle, die wir unterwegs trafen, für die Variante ohne Guide entschieden.

 

Im Besucherzentrum bekamen wir Schwimmwesten und den Hinweis, dass wir wirklich nass werden würden, sprich Handys und Kameras nicht unbedingt mitnehmen sollten (es gibt eine Umkleide und einen Safe im Besucherzentrum), dann ging es los.

 

Entlang eines kleinen Stegs geht es bis zum Eingang der Schlucht, eine kleine Metallleiter führt hinab - und zwar direkt ins kalte Wasser des Arnons. Schon der Eingang in die Schlucht ist wahnsinnig faszinierend, auf dem Bild oben kann man den Abgang erahnen, rechts oben.

 

Dort ist eine kleine Plattform, bis zu der auch all jene gehen können, die die Tour nicht machen wollen und nur mal schauen wollen. Wer hinab steigt, sollte wasserfeste Schuhe und eine Schwimmweste tragen.

Picture by Sandra Saal
Picture by Sandra Saal

Der Weg beginnt recht entspannt. Das Wasser ist zunächst nur etwa knöchelhoch und durch die Hitze, die wir selbst im November noch hatten, war es ganz angenehm, im Wasser zu laufen.

 

Da das Wasser hier nicht tief ist und sehr ruhig, ist es auch nicht allzu schwierig, gegen den Strom anzukommen (der Arnon fließt aus dem Gebirge ins Tote Meer, uns also auf dem Hinweg entgegen).

 

Immer wieder gibt es rechts und links die Möglichkeit, aus dem Wasser zu gehen, weil sich dort an den Felswänden so eine Art kleine Steininseln gebildet haben. Anfangs sieht man sogar noch einige grüne Pflanzen am Wegesrand, in der Nähe der Felswand, die ein fast idyllisch Bild vermittelt.

 

Doch mit jedem Meter, den man voran geht, wird es ein stückweit dunkler, die Schlucht wird enger und besagte Steinplateaus, auf denen es sich zu Beginn noch recht angenehm gehen lässt, verschwinden langsam. Das Wasser wird tiefer und reicht uns bald bis an die Knie, und mit der zunehmenden Wassermasse nimmt natürlich auch der Wasserstrom zu, sodass das Gehen etwas beschwerlicher wird. Noch sind aber keine großen Hindernisse auf dem Weg, aber das ändert sich recht schnell.

Picture by 2Travlrs
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Die erste größere Herausforderung zeigt sich in Form eines kleinen Wasserfalls, der komplett aus großen Steinen besteht, und den wir überwinden müssen, um rund einen Meter höher weiterzugehen. Der Strom ist hier natürlich besonders stark, was das Vorankommen ein wenig beschwerlich macht.

 

Oben steht ein Guide und gibt Anweisungen, wo man sich am besten orientiert, festhält und welche Stellen sich zum Hochklettern eignen.

 

Nach dem kleinen Aufstieg wartet ein rotes Seil, das hilft, beim Balancieren über die großen Steine das Gleichgewicht zu halten, denn zwischendurch ist es ziemlich tief und man sollte besser nicht hineintreten.

 

Schlau wie ich bin, war da auch die Stelle, an der ich mein geliebtes Handy geschrottet habe. Ich kletterte zunächst hoch und als ich am Seil ankam, hielt ich mich fest, öffnete meine wasserfeste Tasche und holte das Handy heraus, um ein Foto von meinem Freund zu machen, der sich am Hochklettern versuchte. Aber der Guide scheuchte mich weiter und meinte, ich solle doch bitte am Ende des Seils warten und so stopfte ich nur das Handy schnell hinein und ging weiter - und vergaß leider, dass die Tasche noch offen war. Bis dahin war das auch kein Problem, weil das Wasser bis hierhin nur knietief war und die Tasche auch unter meiner Schwimmweste klemmte und somit noch einmal geschützt war.

Picture by Sandra Saal
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Nun wurde es allerdings immer abenteuerlicher und der Trail machte richtig viel Spaß. Immer wieder haben wir den Kopf darüber geschüttelt, dass die Jordanier einen hier reinließen ganz ohne Kopfschutz. Ein Helm ist nämlich nicht vorgesehen, obwohl die Gefahr doch immer gegeben ist, dass man auf einem glitschigen Stein ausrutscht oder dem starken Strom nicht standhält und abrutscht.

 

An manch einer heiklen Stelle warteten immerhin ein paar Zeichen, woran wir uns orientieren konnten. Über manche Wasserfälle und Steine durfte man nicht klettern und musste eine eher verborgene kleine Schlucht außen herum nehmen.

 

Immer wieder begegneten wir nun auch Leuten, die umdrehten oder stehen blieben, weil ihnen der Weg zu anstrengend wurde. Wir waren schon ungefähr eine Stunde unterwegs und langsam merkten auch wir, dass wir permanent gegen den Wasserstrom liefen, aber zum Aufgeben machte es viel zu viel Spaß und noch waren wir nicht an unserer Grenze angekommen. Dafür aber im tiefen Wasser, denn irgendwann packt einem der Strom und haut einen einfach um und man ist patschnass.

 

An einigen Stellen gab es rechts oder links an den Felswänden verankert Seile, an denen man sich festhalten konnte, um überhaupt gegen den Strom anzukommen. Wir hangelten uns also vor, meistens tat ich das halb schwimmend und versuchte erst gar nicht, auf dem steinigen Boden Halt zu bekommen. Das kostete eh nur unnötig Energie. Manchmal habe ich mich auch mit den Füßen an der Felswand abgestützt und habe mich so quasi hängend vorbewegt. Meine Arme waren an diesem Tag jedenfalls sehr gut trainiert.

Picture by Cooking in Tongues
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Die schwierigen Stellen kamen nun in immer kürzerem Abstand hintereinander und so blieb nicht mehr allzu viel Zeit, mal durchzuatmen. Aber das zeigte auch, dass wir unserem Ziel, dem großen Wasserfall, immer näher kamen.

 

An einigen Stellen, wie dem Bild hier auf der rechten Seite, führte ein Seil an der Wand direkt zu einer kleinen Treppe. Was hier so simpel aussieht, ist aber nicht ganz so simpel, weil man nämlich permanent Wasser im Gesicht hat, weil vom Wasserfall nebenan doch einiges herüber spritzt.

 

In diesem Fall führte die Treppe zu einer kleinen Bucht auf der linken Seite, unter dem gespannten Absperrseil hindurch, wo sich weitere Felsen verbargen, über die man klettern konnte, ohne allzu großem Druck ausgesetzt zu sein. Kleine Metallrohre in den Felsen halfen, dass man die Füße einfacher nach oben setzen konnte und sich so hochhangeln konnte.

Picture by Cooking in Tongues
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Den Luxus einer Treppe oder eines angeschraubten Metallrohrs gab es aber nicht überall. Manchmal waren Seile gespannt, die Knoten drin hatte und an denen galt es sich hoch zu hieven. Das hat bei mir erstaunlich gut geklappt, obwohl meine Arme wirklich extrem untrainiert sind. Ich war manchmal selbst überrascht, dass ich in den letzten Monaten wohl doch einen Blick entwickelt habe, wie ich ein solches Problem angehe.

 

Das Gewicht gilt es auf die Beine zu verlagern, hat man einen halbwegs festen Stand, kann man sich am Seil mit den Armen hochziehen.

 

Es hat wahnsinnig viel Spaß gemacht, wohl auch, weil es für mich eben ein Erfolgserlebnis war. Manchmal standen auch wir vor dem nächsten Wasserfall und dachten nur: Wie sollen wir denn da bitteschön hochkommen? Aber irgendwie hat es immer funktioniert und weder mein Freund noch ich sind abgerutscht oder haben uns anderweitig verletzt.

 

Am Ende war ich fast ein wenig traurig, als wir das Ziel erreicht hatten: den großen Wasserfall, dessen Plätschern man schon von weitem hörte. In gutem Sicherheitsabstand konnte man links auf ein paar Steine klettern und sich dort ausruhen. Hier trafen wir auch auf ein paar andere Leute, die teilweise sogar Picknick und Co dabei hatten.

 

Wir waren natürlich klatschnass, aber auch super happy. Wir wussten, dass der Abstieg weit weniger anstrengend werden würde, aber dennoch genossen wir erst einmal ein wenig das Ambiente, das doch irgendwie surreal war, so komplett umschlossen von einem Canyon mit dem Wissen, dass der einzige Ausgang nur der Weg zurück ist. Die Natur ist wirklich fantastisch und in dem Moment, als ich da auf dem Stein saß, und realisiert habe, dass mein Handy tot ist, hat es mich schlicht überhaupt nicht gestört, weil mich dieser Canyon so umgehauen hat.

Picture by Cooking in Tongues
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Das Canyoning ist schon eine Weile her, aber ich meine, dass wir rund anderthalb Stunden für den Weg zum Wasserfall gebraucht hatten. Zurück ging es natürlich viel schneller.

 

Und obwohl das Klettern und Hochhangeln und das Erraten von möglichen Wegen und Methoden, die Wasserfälle hochzukommen, etwas mehr Spaß gemacht hat, war auch das Hinabsteigen lustig.

 

An manch einer Stelle habe ich mich einfach auf meinen Po gesetzt und bin den Stein wie eine Wasserrutsche hinunter gegleitet. An einer weiteren Stelle war eine Gruppe vor uns, die etwas mehr Probleme hatte mit dem Abstieg und so sahen wir, dass das Wasser tief genug ist und sprangen einfach mit einem kleinen Hops hinunter.

 

Da wir ja ohnehin total nass waren und es in der Sonne und der Hitze auch nicht unangenehm war, hab ich mich einfach wie ein kleines Kind gefühlt, das sich in einem riesigen Erlebnispark austoben darf.  Es hat unglaublich viel Spaß gemacht, auf welche Art auch immer man nach unten kam.

Picture by 2Travlrs
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Einige Stellen waren aber dennoch recht schwierig zu bewerkstelligen, im Großteil all diejenigen, die auch auf dem Hinweg am schwierigsten waren.

 

Nun mussten wir nämlich beispielsweise besagte Treppenstufen mit den Füßen ertasten oder die kleinen Griffe finden, die uns den Halt gaben, um nach unten zu kommen. Gesehen haben wir dabei natürlich nichts, zum einen durch das Wasser, zum anderen, weil man ja mit den Beinen zuerst nach unten geht und das Gesicht dem Felsen zugewandt ist.

 

Ich weiß, dass ich schon viele Abenteuer erlebt habe und ich weiß auch, dass ich mich auf mich selbst gut verlassen kann, dennoch war es eine erneut tolle Erfahrung, dass ich den Weg meistern kann, wenn ich nur ruhig und geduldig bleibe und das nötige Selbstvertrauen habe.

 

Das Canyoning war wieder eine Erfahrung in diese Richtung und so mischte sich zu all dem Spaß und all dem Adrenalin auch noch eine Portion Stolz.

Picture by Sandra Saal
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Was auf dem Rückweg natürlich viel weniger anstrengend war als auf dem Hinweg: Man ist mit dem Strom unterwegs. Und so kommt man eher schneller voran und die Beine müssen auch nicht so viel Arbeit leisten.

 

Hin und wieder, wenn der Strom beispielsweise ohnehin etwas stärker war, weil am unteren Ende eines Wasserfalls, hab ich mich einfach mit meiner Schwimmweste auf den Rücken gepackt und treiben lassen, was auch noch mal eine neue Perspektive eröffnet hat.

 

Nach und nach öffnete sich die Schlucht wieder weiter und es drang wieder mehr Sonne und vor allem auch mehr Licht durch. Langsam zeigten sich rechts und links wieder die Ansammlung von Steinen, wobei wir dieses Mal konsequent im Wasser weiter gelaufen sind - wir waren ja eh klatschnass und es war ja auch klar, dass wir so schnell nicht trocknen könnten.

 

Nach rund einer halben Stunde entdeckten wir das Ende der Schlucht, dort, wo wir die Metallleiter wieder nach oben klettern mussten und dem Steg zurück zum Besucherzentrum folgen. Direkt als erstes konnten wir unsere Schwimmweste wieder loswerden - immer noch kopfschüttelnd, dass man diese Tour wirklich ohne Begleitung, ohne Kopfschutz und ohne sonstige Überprüfungen machen kann: Jeder Untrainierte, jeder Senior, jedes Kind wird hier rein gelassen, egal, welches Schuhwerk er trägt.

Picture by Sandra Saal
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Wir gingen zunächst zum Parkplatz und holten uns dort trockene Klamotten und nutzten dann die Umkleiden und Toiletten im Besucherzentrum, um uns umzuziehen, denn so nass, wie wir waren, konnten wir nicht in das Auto steigen.

 

Nach der kurzen Nachfrage, wie uns der Trip gefallen hat - und die Antwort war natürlich eindeutig  - fuhren wir gen Petra weiter und zwei Tage später waren unsere Schuhe dann auch wieder trocken!

 

 

Zusammenfassung
Hinkommen: Mit dem eigenen Auto, Parkplatz vorhanden, Jordan Valley Highway

Eintritt: 21 JOD ohne Guide, rund 10 JOD für einen Guide

Ausrüstung: Schwimmweste wird kostenlos verliehen, gutes Schuhwerk ist ratsam, um nicht abzurutschen

 

Ein großer Dank geht an Georgina von "2 Travlrs" und Debbie von "Cooking in Tongues" sowie an Sandra Saal, die mir ihre Fotos für diesen Beitrag zur Verfügung gestellt haben. Auf den Buttons unten findet ihr die beiden Blogs. Auch sie haben jeweils einen Beitrag zum Canyoning im Wadi Mujib geschrieben, auf Englisch.

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