Geduld, Miriam, Geduld

Wer sich mit den öffentlichen Verkehrsmitteln in Kenia fortbewegen möchte, braucht vor allem viel Zeit und gute Nerven. Es ist zwar völlig problemlos, von A nach B zu kommen - und es ist auch sehr günstig - aber es dauert und dauert und dauert. Für circa 40 Kilometer können schon einmal zwei Stunden draufgehen. Und da fallen  mir dann jedes Mal die Worte meiner Oma ein, die immer zu mir sagte: "Geduld, Miriam, Geduld."

 

In Reiseführern wird gerne davon abgeraten, sich mit lokalen Fahrzeugen fortzubewegen. Gefährlich ist es manchmal schon, vor allem weil die Fahrzeuge oft alt, kaputt und völlig überfüllt sind. Aber ich habe dadurch viele tolle Erfahrungen gemacht, viele Menschen kennengelernt und Reiseerlebnisse gesammelt. Man sagte mir vorher, vor allem in Namibia und Botswana gebe es quasi keine öffentliche Verkehrsmittel. In Namibia kommt man tatsächlich nur schwer voran, in Botswana aber habe ich die modernsten aller Minibusse erlebt.

Fernverkehr

Air Strip in der Masai Mara
Air Strip in der Masai Mara
Flugzeug

Mit dem Flugzeug geht alles ganz fix und es gibt sehr viele kleine Flughäfen und Airstrips, allerdings sind die Inlands- und Interkontinentalflüge auch sehr teuer, Nairobi-Mombasa kostet etwa ab 100 Euro, Nairobi-Sansibar rund 200 Euro. Verhältnismäßig günstige Tickets gibt es bei den Fluggesellschaften Fly540 für Ostafrika und Jambojet.

 

Für einige Strecken gibt es auch Festpreise, etwa von Nairobi  oder Mombasa in die Masai Mara, der bei rund 400 Euro liegt. Der Flug an sich ist übrigens ein kleines Highlight. Ich bin einmal mit Kenya Airways von Nairobi in die Masai Mara geflogen.

 

Das Flugzeug mit Platz für rund 20 Leute hatte nur so kleine Sitzschalen, nicht alle Gurte haben funktioniert und da die Tür zum Cockpit offen war, konnte man die ganze Zeit zuschauen, was die Piloten so treiben. Da es mehrere Zwischenlandungen gab, hatte ich einen herrlichen Blick über die Mara und konnte aus der Luft Elefanten, Zebras, Büffel und Co beobachten. Drei Büffel lagen sodann auch am Ende der Start- und Landebahn, auf der wir aussteigen mussten - der Air Strip liegt mitten im Nationalpark und ist nicht durch Zäune oder ähnliches geschützt. Auf dem Rückflug kam ein Herr und wollte mal einen Pass sehen, das Gepäck hat der Pilot selbst verladen, nachdem er auf seiner ausgedruckten Passagierliste ein Häkchen hinter meinen Namen gemacht hatte.

Flug mit Kenya Airways von Nairobi in die Masai Mara
Flug mit Kenya Airways von Nairobi in die Masai Mara

 

Zug

Zug-Verbindungen gibt es nach wie vor wenige. In Kenia kommt man inzwischen gut, schnell und günstig mit der SGR von Mombasa nach Nairobi und umgekehrt. 7 USD zahlt man für die rund vierstündige Fahrt, allerdings fährt der Zug nur zweimal täglich. Sein Ticket muss man vorab kaufen, das kann man online machen. Zwei Nachteile: Es gibt nur zwei Fahrten pro Tag und die Bahnhöfe sind in Nairobi und Mombasa recht weit außerhalb der jeweiligen Stadt.

 

Sehr berühmt ist die Tazara-Strecke, die Tansania mit Sambia verbindet. Allerdings sollte man viel Zeit einplanen, denn die Fahrt dauert 42 (dienstags), beziehungsweise 48 Stunden (freitags). Von Daressalam geht es zunächst nach Kapiri Mposhi, von dort aus kann man nach Lusaka oder Livingstone weiterfahren. Eine Fahrt kostet etwa 30 Euro.

 

 

Fernbusse

Die meisten richtigen Busse verkehren zwischen den größeren Städten, etwa Kisumu am Lake Victoria und Nairobi, zwischen Nairobi und Mombasa oder zwischen Arusha und Daressalam. Mit den Bussen kommt man fast in alle jeweiligen Landesteile ganz gut hin - meistens kosten die Tickets zwischen 8 und 15 Euro. Es gibt einige größere Busunternehmen, die viele Strecken abdecken, etwa Coast Bus, Dreamline Express, Easy Coach und Modern Coast in Kenia, den Kilimanjaro Express in Tansania oder Intercape für mehrere Länder (Südafrika, Simbabwe, Namibia, Botswana, Sambia, Malawi und Mosambik). Meistens haben sie "modernere" Busse, was hier lediglich heißt, dass sie eine Tür haben und vielleicht sogar eine Toilette. Für die gut 500 Kilometer von Mombasa nach Nairobi ist der Bus etwa acht Stunden unterwegs (also langsamer und teurer als der Zug). Es gibt auch einige Buslinien, die Grenzen überschreiten, etwa von Nairobi nach Arusha und Moshi (Impala Shuttles oder Riverside Shuttle) oder von Lusaka nach Harare. Das Visum kann jeweils gegen USD (!) an der Grenze gekauft werden, die Busse warten, bis alle Passagiere wieder eingestiegen sind. Beim Grenzübergang Kenia - Tansania ist der Nachweis einer Gelbfieberimpfung Pflicht (es gibt Impfstellen direkt an der Grenze, die für 50 USD unter hygienisch fragwürdigen Bedingungen impfen).

Livingstone Junction in Sambia (Lusaka nach Livingstone)
Livingstone Junction in Sambia (Lusaka nach Livingstone)

 

Minibusse
Es gibt auch Minibusse (in manchen Ländern Matatu, Dalla Dalla oder Combi genannt), die weitere Strecken zurücklegen. Diese sind zwar oft günstiger als Reisebusse, allerdings kann sich so eine Fahrt ewig lange ziehen. Der Direktbus von Nairobi nach Nakuru braucht etwa anderthalb Stunden, mit Matatus kann das eine Tagesreise werden. Es gibt allerdings Express-Minibusse, die unterwegs nicht ganz so oft stoppen.

 


Einige wichtige Verbindungen
Nairobi - Arusha (- Moshi): Fahrzeit etwa 6 Stunden, Impfpass mit Gelbfieberimpfung muss an der Grenze vorgewiesen weden, ca 12 Euro
Arusha (- Moshi) - Daressalam: Kilimanjaro Express, ca. 12 Stunden. Tickets vorab (ca 8 Euro) am Busbahnhof kaufen, jeden Morgen ab 5 Uhr quasi im Zehn-Minuten-Takt Abfahrten ab Arusha gen Daressalam mit verschiedenen Anbietern.
Lusaka - Livingstone: Es gibt einige größere Busgesellschaften, die man am Lusaka Inter-City Bus Terminus findet, ca 10 Euro, ca. 10 Stunden.

Lusaka - Harare: Es gibt einige größere Busgesellschaften, die man am Lusaka Inter-City Bus Terminus findet. 
Livingstone - Windhuk: Intercape fährt (inzwischen von der simbabwischen Seite aus!) nach Windhoek, ca. 17 Stunden, 36 Euro. 

 

Meine Routen mit Reisebussen oder größeren Bussen war: Nairobi - Arusha - Daressalam und von Livingstone Junction (zwischen Lusaka und Lake Kariba) nach Livingstone.

 

Nahverkehr

Hauptstraße in Limuru / Kenia
Hauptstraße in Limuru / Kenia
Für den Alltag in Kenia brauchte ich allerdings weder Bus noch Zug, sondern die Nahverkehrsmittel, die da wären: Matatu, Piki-Piki oder Tuk Tuk, in Tansania auch Dalla Dallas, in Botswana Combis, in Sambia und Namibia Minibusse.
Begrifflichkeiten
Matatu: alter, weißer Minibus in Kenia mit Sitzplätzen für rund 15 Menschen, günstig, halten an jeder gewünschten Ecke
Tuk Tuk: motorisierte Dreiräder, die ein bis fünf Passagiere befördern
Piki Piki / Boda Boda: Eine Art Taxi-Motorrad, das sich vor allem für entlegene Gebiete eignet
Dalla Dalla: umgebauter LKW in Tansania, der auf der Ladefläche mit Sitzbänken Menschen transportiert
Combis: klimatisierte und gut ausgestattete Minibusse in Botswana, die die größeren Städte anfahren
Im Matatu in Kenia ruft der Kassierer das Ziel hinaus
Im Matatu in Kenia ruft der Kassierer das Ziel hinaus
Platz und Sicherheit
Da ich mich am meisten in Kenia aufgehalten habe, nutze ich am häufigsten das Matatu, das sind Minibusse mit 9 bis 18 Sitzen, alles sehr eng. Denn obwohl es eine gewisse Anzahl an Plätzen gibt, befinden sich viel mehr Menschen im Matatu. Es ist erstaunlich, wie man sich stapeln und quetschen kann. Für Menschen mit Platzangst ist das definitiv nichts. Mein Rekord waren 25 Leute in einem Auto mit 16 Sitzen. Oft hängen zwei, drei Popos aus der offenen Tür, manchmal hängen auch ganze Menschen draußen und stehen nur an der Tür und halten sich fest. Auf der Rückbank mit drei Sitzen sitzen immer vier Leute, die Reihen davor bekommen Holzbretter zwischen die Sitze gelegt, damit jeweils noch eine vierte Person in die Reihe passt. Wer in den beiden Reihen auf Türhöhe sitzt, muss sich quetschen, weil meist noch Menschen halb stehen, während ihr Popo draußen hängt. Kinder zählen nicht als Person (obwohl sie rund die Hälfte des Fahrpreises zahlen müssen) und werden im Zweifel auch fremden Leuten auf den Schoß gesetzt. 

 

Und das bei einem Fahrzeug, bei dem man bei jeder Kurve und jedem Bumper den Eindruck hat, es muss jetzt auseinander brechen (manchmal fallen tatsächlich Teile ab oder sind abgefallen, meist gibt es auch keinen Rückspiegel und nur kaputte Seitenspiegel, die Türen schließen fast nie komplett). Es gibt hin und wieder Polizeikontrollen in Kenia, dafür schmeißen die Matatu-Fahrer dann einfach alle, die keinen regulären Sitzplatz haben, ein paar Meter vor der Kontrolle aus dem Wagen. Pech gehabt. Tuk Tuks sind oft in ähnlich schlechtem Zustand, aber da sie nur kurze Strecken fahren, weniger anfällig für Unfälle. Hat ein Matatu oder Minibus einen Unfall, gibt es oft Dutzende Tote.

Zentraler Umsteigepunkt in Ndenderu / Kiambu County in Kenia
Zentraler Umsteigepunkt in Ndenderu / Kiambu County in Kenia

Bei Piki Pikis / Boda Bodas ist die Sicherheitslage ähnlich. Ich bin nur ein paarmal damit gefahren, aber hatte meistens das Gefühl, dass ich gerade mein Leben riskiere. Deshalb vermeide ich es, wenn nur irgendwie möglich ist. Manchmal ist man darauf angewiesen, weil das Ziel nicht anders zu erreichen ist. Aber sie stottern über Schotter, Steine, durch Gräben und über Bumper und ich hatte wirklich immer den Eindruck, dass ich eigentlich nur runterfallen kann, entsprechend unentspannt war die Fahrt dann auch immer. Helme gibt es natürlich nicht. Entspannter hab ich die Fahrten nur in Longonot und in Ukunda erlebt - dort hatte ich den Eindruck, dass der Fahrer weiß, dass er jemanden hinten drauf transportiert.

 

Am sichersten habe ich mich in den Combis in Botswana gefühlt. Dort durften nur so viele Menschen mitfahren, wie es auch reguläre Sitzplätze gibt. Es gab auch viel Platz und der Fahrer hat einen vernünftigen Eindruck gemacht.

 

Überall aufpassen sollte man, wer das Fahrzeug lenkt. Es gibt immer wieder Vorfälle von Männern, die betrunken einen Minibus fahren und damit auch schon etliche Leben ausgerottet haben. Auch übermüdete Fahrer kommen vor. Ich habe solche Dinge zum Glück nie bei Minibussen und Co erlebt - nur zweimal bei organisierten Touren.

 

 

Hand raus: Haltestellen sind in Kenia (hier im Norden von Nairobi) überall
Hand raus: Haltestellen sind in Kenia (hier im Norden von Nairobi) überall

Fahrpläne und Co

Wer an einer der zentralen Haltestellen einsteigt, sollte nicht so naiv sein zu glauben, dass man nun endlich Platz im Auto hat: Matatu und Minibusse in Kenia, Sambia und Namibia verlassen die zentralen Haltestellen erst, wenn das Auto voll ist. Wenn das 20 Minuten dauert, dauert es halt 20 Minuten. Meistens ist es daher schneller, draußen zu warten und in ein Fahrzeug zu springen, das gerade vorbeifährt.

 

Es gibt eigentlich eine Art Liniennetz in und um Nairobi. Also die Matatus haben Nummern und verkehren auf den jeweiligen Strecken. Das funktioniert allerdings nur an den großen Haltestellen, an denen die Minibusse auch länger warten - auch in Namibia und Sambia. In der Realität hat etwa eins von zehn Matatus immer eine Nummer sichtbar angebracht - und wenn es angerauscht kommt, ist sowieso keine Chance, den kleinen handgemalten Zettel zu sehen. Daher gilt ein sehr simples Prinzip: Fragen! Die Kassierer hängen eh immer aus dem Auto raus und rufen das jeweilige Ziel des Matatus, wenn man sich angesprochen fühlt, gibt man ein Zeichen.

 

Steht ein Matatu, kann man auch einfach nach seinem Ziel fragen. In aller Regel sind die Kassierer sehr hilfsbereit und lotsen einen zum richtigen Fahrzeug. Wenn mehrere Fahrzeuge das Ziel ansteuern, gibt es eine Art Kampf darum, wer den Passagier in sein Auto kriegt. Ein wenig ätzend ist, dass die Matatus  und Minibusse zwar feste Haltestellen haben, sich aber niemand daran hält. Gehalten zum Ein- und Aussteigen wird überall und permanent, manchmal im Abstand von 20 Metern. Je nachdem, wo der Passagier sitzt, der rauswill, gibt es ein lustiges Ein- und Aussteigespiel. In dicht besiedelten Gebieten wie Lusaka oder Nairobi kann eine Fahrt also ewig dauern.

 

Matatus fahren eigentlich von überall nach überall, man muss nur rausfinden, wo und welche Strecke sie fahren. Wenn ich durch die Gegend tingele, fahre ich entweder nach Nairobi zur zentralen Matatu-Haltestelle, wo alle Matatus losfahren (es gibt verschiedene, aber nahe gelegene Haltestellen für lokale Matatus, für Express-Matatus und für Langstrecken-Matatus) oder nach Limuru, weil das für mich oft praktischer ist. Auch in Lusaka gibt es verschiedene Haltestellen, für lokale Minibusse, für Langstrecken-Minibusse, für Reisebusse und für Reisebusse, die in Nachbarländer fahren.

 

Matatus an der zentralen Haltestelle in Ruaka / Kenia: Helfer lotsen zum richtigen Fahrzeug
Matatus an der zentralen Haltestelle in Ruaka / Kenia: Helfer lotsen zum richtigen Fahrzeug

Am Anfang habe ich immer versucht, im Internet herauszufinden, ob ich an den Zielort komme. Meistens findet sich online nichts. Inzwischen ziehe ich einfach los, denn ich weiß inzwischen, dass ich immer ankomme. Es fährt gerade von den größeren zentraleren Haltestellen wie Nairobi, Ruaka und Limuru eigentlich immer ein Auto in die richtige Richtung und die Kassierer helfen immer dabei, zu erklären, wo man hin muss und wo man umsteigen muss (und halten meist sogar das Matatu auf, damit man noch einsteigen kann).

 

In Sambia, Tansania und Namibia und fahren die Minibusse ebenfalls, wenn sie voll sind. In Sambia habe ich ähnliche Erfahrungen gemacht wie in Kenia, es dauerte oft ewig, bis es losging, und der Wagen war vollgestopft mit Menschen und Nahrungsmitteln, u.a. saß ich einmal vier Stunden neben totem ungekühltem Fisch, der von einem Markt zum anderen transportiert wurde. Die Minibusse in Lusaka fahren übrigens nicht am Intercity Terminus ab, sondern am City Market.

 

Teilweise, etwa in Sambia und Namibia, wird vorab bezahlt. An den größeren Haltestellen wie in Windhoek, Lusaka oder Swakopmund haben die Minibusse einen festen Parkplatz, ehe sie losfahren. Und oft steht das Ziel angeschrieben. Grundsätzlich hilft aber quasi jeder, der dort rumläuft, bei der Suche nach dem richtigen Wagen. Die Reisebusse, die etwa die Städte miteinander verbinden, fahren in allen Ländern nach Fahrplan! In Botswana haben die Combis und auch die größeren Busse feste Abfahrtszeiten, die man am besten an der Haltestelle des jeweiligen Ortes erfragt. Oder man stellt sich, wie ich das bisweilen machte, einfach an die Straße und wartet, bis ein Combi vorbeikommt - das hat meist maximal eine Stunde gedauert. 

 

Für kürzere Strecken und vor allem in den Städten gibt es auch noch das Tuk Tuk und das Piki-Piki. Tuk Tuks sind Dreiräder, bei denen eigentlich vorne ein Fahrer und auf der Rückbank zwei Passagiere Platz finden - hier sitzen hinten in der Regel drei und vorn noch links und rechts neben dem Fahrer Leute. Tuk Tuks fahren, zumindest bei uns hier in Nairobi, nur kürzere Strecken, sind deutlich langsamer als Matatus, kosten dafür aber genau so viel und sind minimal bequemer. Dafür muss man rund um Nairobi warten, bis das Tuk Tuk voll ist, während man rund um Kisumu oder Mombasa auch alleine im Tuk Tuk fährt (dafür teurer).

 

Piki Pikis und Boda Bodas fahren nach Bedarf los - und zwar dort, wo man eines findet. Das ist häufig an zentraleren Stellen, von wo aus es in alle Himmelsrichtungen ohne Matatu- oder Minibus-Anbindung geht.

 

 

Empfindliche Sachen sollten nichts ins Gepäck - hier in Bonchuga im Norden von Tansania
Empfindliche Sachen sollten nichts ins Gepäck - hier in Bonchuga im Norden von Tansania

Fahrpreise

Einige Matatus, vor allem die, die längere Strecken fahren, sind einigermaßen ausgestattet, einige haben W-Lan und einige auch Bildschirme, wo Musikvideos oder Fußballspiele laufen. Musikboxen sind fast immer im Wagen - meistens ist die Musik mega laut aufgedreht. Dafür ist der Preis günstig: Für die rund 20 Kilometer von Kianjogu, wo ich lebe, nach Nairobi City, zahle ich ungefähr 50 Cent.

 

Es gibt sowas wie feste Preise, in einigen Matatus hängen die Preislisten aus, ansonsten sollte man als Weißer unbedingt vorher (nicht beim Kassierer!) erfragen, was die Fahrt kostet, um nicht zu viel abkassiert zu werden. Vor allem in den Touristengegenden wie Küste, Nairobi City und Lake Naivasha werden die Matatu-Preise spontan verdoppelt oder verdreifacht, wenn man nicht aufpasst. Der Preis richtet sich in der Regel nach dem Fahrzeug, das man gerade nutzt, es gibt keine Tickets beim Umsteigen etc. Daher ist es teurer, wenn man öfter umsteigen muss. Dafür ist es meistens schneller, wenn man umsteigt. Wenn ich beispielsweise von Kianjogu nach Nairobi fahre, habe ich nur eine Linie, die 114. Auf dem Rückweg dauert es oft ewig, bis die 114 kommt - und dann auch noch einen Platz frei hat (60 Schilling). Daher fahre ich oft die halbe Streche bis Ruaka für 50 Schilling und dann von dort aus nach Kianjogu (30 Schilling).

 

Minibus-Haltestelle in Lusaka / Sambia am City Market
Minibus-Haltestelle in Lusaka / Sambia am City Market

Piki-Pikis sind deutlich teurer. Pro Kilometer kann man rund um Nairobi mit rund 50 Schilling rechnen - dafür wird man meist alleine transportiert und kommt sofort los. In anderen Städten ist das bisweilen etwas anders, in Kisumu am Victoriasee beispielsweise sind Tuk Tuks teurer als Piki-Pikis und Busse teurer als Matatus. Dort kann man auch weitere Strecken im Tuk Tuk oder mit dem Piki-Piki zurücklegen. Daher lohnt es sich auf jeden Fall, mal bei einem Einheimischen nachzufragen, wie das preislich so aussieht

In Botswana sind die Minibusse sehr modern und gut ausgestattet. Es durften nur so viele Menschen mitfahren, wie es auch Plätze gibt. Ich bin damit von Kasane nach Nata und von Nata nach Maun gefahren und es waren die beiden komfortabelsten Fahrten, die ich bisher hatte. Die Combis hatten sogar eine Klimaanlage und kosteten 1 bis 2  Euro pro Stunde Fahrzeit.

 

In Sambia habe ich meist weitere Strecken zurückgelegt und die Fahrten waren etwas teurer als in Namibia, Kenia und Botswana. 

 

Für das Gepäck verlangen manche Routen extra Gebühr. Erlebt habe ich das allerdings nur in Sambia, als ich rund zwei Euro mehr zahlen musste. Aber ihr solltet auf jeden Fall aufpassen, wie das mit dem Gepäck läuft. Manchmal ist im Kofferraum noch Platz, manchmal wird es unter Sitze geklemmt, manchmal muss man es aufm Schoß transportieren (und dann auch die Sitznachbarn), manchmal wird es aufs Dach geschnallt. Die blödeste Erfahrung hatte ich im Minibus von Windhoek nach Swakopmund. Es gab einen extra Anhänger fürs Gepäck und dort fand auch mein Rucksack Platz. Als ich ihn in Swakopmund wieder entgegen genommen habe, stank er bestialisch und die Träger waren nass. Es stellte sich als Blut heraus: Jemand hatte ein halbes Schwein transportiert und nicht ordentlich verpackt, sodass das Gepäck, das in der Nähe lag, voller Schweineblut war.

 

 

Kazungula - Grenze zwischen Sambia, Botswana und Namibia
Kazungula - Grenze zwischen Sambia, Botswana und Namibia

Verbreitung

Das Minibus-System gibt es so in der Art in nahezu allen Ländern im südlichen Afrika, mal eben mit alten klapprigen Minibussen, mal mit umgebauten Lkws, mal mit neueren Kleinbussen. Ich habe die Erfahrung selbst in Sambia, Botswana, Namibia und Kenia gemacht. Auch in Tansania, Simbabwe, Uganda, Mosambik, Ruanda und Südafrika ist es die gängige Fortbewegungsart.

 

Namibia ist eine Art Sonderfall, da es wirklich schlecht erschlossen ist. Es gibt zwar Minibusse, aber man kommt damit nur in kleinere Städte und größere Dörfer, die aber allesamt abseits der Sightseeing-Hotspots wie Sossusvlei liegen. Dorthin kommt man nur mit einer Tour oder einem Mietwagen.

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