Zu Fuß zum Nordkap

Skarsvåg ist das angeblich nördlichste Fischerdorf der Welt. Und ab dort ist im vergangenen Jahr eine alte Tradition wiederbelebt worden.

 


Mit dem Speedboot geht es von Skarsvåg nach Hornvika. Es ist der alte Weg, den die Menschen einst nehmen mussten, um ans Nordkap zu kommen, denn die Straße wurde erst in den 90er Jahren errichtet. Meistens waren es die Könige und andere Adlige, die diesen Weg erklommen haben.



In Skarsvåg bekommen wir zunächst eine kleine Einweisung und natürlich bekommen wir zur Sicherheit Schwimmwesten. Mützen sollen wir abziehen, dafür bekommen wir Regenjacken und wie sich auf der Fahrt herausstellt, ist das auch keine doofe Idee.

Mit Speed-Schlauchbooten geht es von dort aus in etwa 15, 20 Minuten nach Hornvika, einer Bucht am Nordkap-Plateau.

 

Durch die Geschwindigkeit und den Wind ist es nämlich nicht nur sehr frisch, sondern auch sehr nass. Aber es macht unglaublich Spaß, auf diese Art durch den Fjord zu cruisen. Rechts und links von uns tun sich Felsformationen auf und es ist einfach in jedwede Richtung nur Natur, die man bestaunen kann.

In Hornvika angekommen, legen wir an einem kleinen Holzsteg an. Allerdings ist der etwas höher als das Boot, weshalb wir über kleine steile Metalltreppen nach oben klettern müssen. Es ist durch den Wind und die Nässe etwas rutschig, aber passieren kann eigentlich nichts.

 

Wer auf der ersten kleinen Plattform angekommen ist, sollte ganz dringend einen Blick in das glasklare Meerwasser werfen, hier tummeln sich nämlich allerlei riesige rote Seesterne und Seeigel, was einen besonders schönen Empfang bietet. Durch das klare Wasser haben sie sich sogar sehr gut fotografieren lassen, ganz ohne Actioncam oder Unterwasserfunktionen.

 

Über den Holzsteg geht es dann an Land, aber auch hier lohnt es sich, immer mal wieder einen Blick ins Wasser zu werfen, zu Seesternen, Seeigeln und anderen Fischen.

An der kleinen Hütte, die ihr auf den Fotos seht, startet ein steiler Weg nach oben. In der Hütte selbst gibt es eine kleine Ausstellung, die auf Bildern und mit Texten zur Geschichte des Wegs informiert. Man braucht quasi nur fünf bis zehn Minuten, bis man alles durchgesehen hat und ist daher auf jeden Fall einen kleinen Moment wert, ehe der Aufstieg startet.

 

Von hier unten ist das Nordkap übrigens noch nicht zu sehen, denn dafür sind wir auf der falschen Seite. Aber ein kleiner Weg ist erkennbar und den gilt es nun, hinter uns zu bringen.

 

Er führt links von der Hütte in einem kleinen Bogen (er ist im obersten Bild ganz leicht hell zu erkennen) nach links oben, am Ende geht es eher steil zu. Die ersten Stufen bestehen aus einer Treppe, die restlichen rund 305 Meter geht es durch die Wiese nach oben.

Der Weg ist zwar ganz gut erkennbar, aber durch das Steile doch eher anspruchsvoll, auch wenn keine schwierigen Passagen zu bewältigen sind. Man kann auch immer wieder Pausen einlegen und das lohnt nicht nur zur Erholung, sondern auch, weil die Aussicht fantastisch ist.

 

Wir haben für den Aufstieg inklusiver zahlreicher Pausen gut anderthalb Stunden gebraucht. Da die Aussicht fantastisch ist und die Tour an sich ein Erlebnis, ist es ratsam, immer wieder Pausen zu machen und die Ruhe und Stille zu genießen.

 

Ich musste auch direkt nochmal ein Teilstück nach unten gehen, weil ich ein die Verschlusskappe meiner Kamera verloren habe: Also obacht! Wer etwas verliert, muss es selbst suchen. Auch wenn es nicht sehr schwierig ist, weil nicht viele Menschen den Weg gehen (in dem Fall nur unsere Gruppe), ist es doch recht anstrengend, wenn man mit dem Blick nach unten gerichtet gehen muss und gleichzeitig darauf achten muss, wann ein Stein, wann eine Kurve kommt.

Unterwegs gibt es immer wieder Steine, die sich hervorragend als Pausenort anbieten, da man gut darauf sitzen kann. Ich würde ohnehin raten, die Pause lieber unterwegs zu machen und die Aussicht in aller Ruhe und Stille zu genießen. Oben angekommen ist nämlich deutlich mehr los und hier hat man die gesamte Natur für sich.

 

Für den Aufstieg empfiehlt sich atmungsaktive Kleidung. Wir hatten zwar wunderbares Herbstwetter mit bis zu 15 Grad, aber meistens ist es auf dem Weg nach oben sehr windig. Außerdem ist ordentliches Schuhwerk eine Grundvoraussetzung, denn hier geht man über Stock und Stein, über Gras und Kies.

 

Hin und wieder, vor allem am Ende des Aufstiegs, muss auch ein klein wenig geklettert werden, um über größere Steine zu kommen, aber auch das ist absolut für Untrainierte machbar, die wir auch in der Gruppe hatten.

Oben auf dem Plateau angekommen, müssen noch etwa 15 Minuten zu Fuß zurückgelegt werden, zumindest am Anfang ist der Guide dabei hilfreich, weil man die Nordkap-Statue, den "Globe", nicht sehen kann.

 

Es geht quer feldein durch Wiesen und über Steine, aber dieser Teil des Wegs ist auch aufgrund der flachen Ebene sehr gut machbar und nicht sonderlich anspruchsvoll.

 

Nach wenigen Minuten ist die Zufahrtsstraße in Sicht, die ein wenig Orientierung bietet und schließlich zeigen sich auch das Besucherzentrum sowie die Nordkap-Statue. Und dazu natürlich allerlei andere Touristen, die sich auf der Plattform herumtreiben.

 

Mit der Ruhe ist es spätestens jetzt vorbei.

Bevor wir uns zum Besucherzentrum, der Nordkaphalle, und zur eigentlichen Statue aufgemacht haben, bin ich eine halbe Runde um die Plattform gegangen, an einem kleinen Zaun vorbei, von wo aus man einen wundervollen Blick auf die Statue hat.

 

Von hier aus lassen sich Bilder wie das links machen - die eher kleine Nordkapstatue mit all ihren Besuchern auf dem riesigen Felsen vor dem Meer. 

 

Hier ist auch wieder deutlich weniger zu tun, weil die meisten Besucher doch vor allem in das Besucherzentrum und zur Statue direkt gehen und nicht noch Umwege von rund zehn Minuten auf sich nehmen. Auch in die anderen Richtungen gibt es übrigens einen sehr schönen Blick auf das Meer.

Im Besucherzentrum, die Nordkaphalle, kostet 260 NOK Eintritt, der ist allerdings bei der geführten Tour, wie ich sie gemacht habe, inklusive. 

 

Wer glaubt, dass er hier schon quasi am Nordpol ist, liegt völlig falsch, denn wie im Restaurant ein Schild zeigt, sind es hier, vom nördlichsten Punkt des europäischen Festlands, noch über 2000 Kilometer, also weiter als die Strecke Frankfurt - Oslo.

 

Die Nordkaphalle lohnt allemal einen Besuch. Hier gibt es einen Panorama-Film über das Nordkap zu sehen, es gibt verschiedene Erlebnis-Räume wie etwa ein Lichtraum, eine kleine Kapelle und Ausstellungen. Außerdem ein Café, eine Toilette, ein Restaurant und - natürlich - einen Souvenir-Shop.

Wer Zeit hat, erkundet all die Räume in der Nordkaphalle. Mir hat besonders der Lichtraum gefallen, wo es allerlei bunte Installationen gibt.

 

Außerdem gibt es noch eine Art geheimer Weg, der zur Terasse des Königs führt. Wie der Name schon sagt, erwartet den Besucher ein fantastischer Ausblick.

 

Er erlaubt einen weiten Blick über das Meer, mit ein paar Felsen rechts und links im Sichtfeld. Vom Nordkap aus ergibt sich ebenfalls eine tolle Sicht über die Meere, allerdings ist es auch hier so, dass ich auf der Terasse des Königs nur zusammen mit zwei anderen aus meiner Gruppe alleine war (ebenso im Lichtraum und in der Kapelle, also alle Räume, die etwas verwinkelter liegen) und so alles noch intensiver genießen konnte.

Kommen wir zum eigentlichen Highlight: der Nordkap-Statue. Und die ist, das muss ich wohl gestehen, viel kleiner als ich sie mir immer vorgestellt habe.

 

Wer ein wenig darauf achtet, wie die Besucherströme so sind - und zugegeben war bei uns im September auch nicht allzu viel los - muss auch nicht großartig anstehen, um ein Bild zu machen.

 

Wir haben natürlich alle ein wenig Zeit damit verbracht, Fotos alleine und in unterschiedlichen Kombinationen zu machen, aber wie ihr seht, habe ich es sogar geschafft, die Statue ganz alleine zu knipsen.

 

Sehr süß war übrigens, dass wir auch einen Heiratsantrag mitbekommen haben, der zwar etwas abseits in aller Ruhe passierte, aber nun doch auf einigen Fotos zu sehen ist. Wir haben gehört, dass das Plateau ein ganz beliebter Ort für den Antrag ist - aber klar, wer hier schon war, erkennt die Magie des Ortes. Es fühlt sich an, wie das Ende der Welt und dennoch wirkt alles unendlich aufgrund der Weite des Meeres, das sich vor einem auftut. 

An dem Tag, an dem ich dort war, wurde gerade das Finale von "71 Grad Nord" gedreht, einer sehr beliebten norwegischen Outdoor-Survival-Show, bei der sich die Kandidaten jede Woche Richtung Nordkap durcharbeiten müssen.

 

Sie kommen immer eine Runde weiter, wenn sie Aufgaben alleine oder gemeinsam gelöst haben, dabei geht es eben immer um Herausforderungen im Freien.

 

Es waren schon allerlei Aufgaben aufgebaut, etwa ein Netz zwischen zwei Plateaus, in die sich die Wagemutigen stürzen mussten. Wie ihr hier seht, ist das auf jeden Fall nichts für schwache Nerven, aber es war ja nun auch das Finale.

Auf dem Plateau gibt es noch ein paar andere Dinge zu erkunden, etwa verschiedene Skulpturen und Kunstwerke. Die sind sehr weitläufig verteilt und auch nicht ganz so überlaufen.

 

Zum Ende kommen noch ein paar Infos zu der Tour, die ich zwar im Rahmen einer Pressereise mit Visit Norway gemacht habe, die aber auch jeder Besucher buchen kann. Man wird für die Tour in Honningsvåg abgeholt und zurück gebracht, erst mit dem Auto, dann eben mit dem Boot. Es gibt einen Tourguide und man macht Foto-Stopps an den Aussichtsplattformen, auch auf dem Rückweg im Bus.

 

Alles in allem aber kein günstiger Spaß, denn pro Person kostet der Ausflug 1400 NOK, der Preis für die Nordkaphalle (260 NOK) ist aber inklusive.


Verwandte Blog-Artikel

Kommentar schreiben

Kommentare: 0

Follow me on Twitter



KONTAKT: 

TELEFON: 0177 2856802

MAIL: miriam.keilbach@gmx.de

Twitter: MiriamK86

Facebook