Museen in Oslo

Oslo ist eine Stadt mit einem sehr intensiven kulturellen Leben, was sich etwa in der Anzahl der Museen und auch in der Qualität der Museen niederschlägt.

 

Wer Kunst mag, ist in der Nationalgalerie oder im Munch-Museum bestens aufgehoben, Schifffreunde und Historiker treiben sich im Fram-, Kon-Tiki- oder Wikingerschiffmuseum herum. Wer sich für Traditionen begeistern kann, besucht das Volksmuseum. Mein persönliches Lieblingsmuseum ist allerdings das Nobel-Friedenscenter.

 

Wer am Abend Zeit hat, sollte Aufführungen in der Oper oder im Nationaltheater besuchen.

Nationalgalerie

Von Kunst verstehe ich nicht allzu viel, aber das ein oder andere Museum ist doch recht reizvoll. Wenn es um Bilder geht, steht bei mir die Nationalgalerie, Nasjonalgalleriet genannt, auf Platz 1. Sie liegt hinter dem Universitätscampus, an der Universitetsgata 13, und hat werktags außer montags von 10 bis 18 Uhr geöffnet (donnerstags bis 19 Uhr), am Wochenende von 11 bis 17 Uhr. Wer es sich einrichten kann, sollte donnerstags hin, dann ist der Eintritt frei. Sonst ist der Eintritt mit 100 NOK (ab 18 Jahren) aber auch verschmerzbar. In der Nationalgalerie hängt unter anderem das berühmte Bild "Schrei" von Edvard Munch. Auch seine Werke "Das kranke Kind" und Selbstportrait sind in einem eigenen Munch-Raum ausgestellt. Darüber hinaus gibt es Gemälde hauptsächlich von nordischen Künstlern wie Dahl, Tidemand, Gude, Backer und Krogh, aber auch Picasso und Co finden sich dort. Ein weiteres Museum, südlich des Schlossparks gelegen, widmet sich dem Schaffen des norwegischen Dichters. Das Historische Museum liegt in der Nähe der Nationalgalerie, das habe ich bisher aber noch nicht besucht. Zur Nationalgalerie gehört auch das Museum für Zeitgenössische Kunst, Museet for samtidskunst, das ab September 2017 aber in die Nationalgalerie integriert werden soll, sowie die Villa Stenersen, in der es auch Führungen gibt. Die Websites sind im Link zur Nationalgalerie integriert.

 

22. Juli Museum

Eigentlich kann ich zum 22. Juli Museum nicht viel sagen, da es bei meinem letzten Besuch in Oslo noch nicht eröffnet hatte. Allerdings habe ich über die Eröffnung geschrieben, die am vierten Jahrestag der Anschläge stattfand. 2011 ließ der Rechtsextreme Anders Behring Breivik eine Bombe im Regierungsviertel explodieren, am Eingang zum Hochhaus mit dem Sitz des Ministerpräsidenten, und erschoss im Anschluss auf der Insel Utøya Dutzende Jugendliche des Sommerlagers der AUF, der Jugendorganisation der Arbeiterpartei. 69 Menschen starben.  Das Institut für historische Studien an der Technisch-Naturwissenschaftlichen Universität in Trondheim hat für die Ausstellung nicht nur mit der Jugendorganisation AUF, die das Lager auf Utøya veranstaltete, und der Hinterbliebenengruppe 22. Juli zusammengearbeitet, sondern auch mit dem Team vom 9/11-Memorial, das die Terroranschläge am 11. September in New York aufarbeitete. Im Museum sind außerdem Zitate aus den Gerichtsakten, Bilder der Opfer, Interviews mit Überlebenden, Handys, die liegen blieben, und das Überwachungsvideo vom Regierungsviertel mitsamt der Explosion zu sehen. Es gibt eine Zeitleiste, die Tweets enthält, abgesetzt von Jugendlichen, die ums Überleben kämpfen: "Es wird geschossen, viele Tote" oder "Ruft niemanden an, sie verstecken sich in Büschen." Zu sehen sind etwa auch die Reste von Breiviks Leihwagen, in dem er die Autobombe zündete, und die falsche Polizeimarke, mit der es sich auf Utøya schlich. Das Museum liegt im ersten Stock des Regierungshochhauses (Eingang Akersgata) und hat dienstags bis samstags von 10 bis 17 Uhr und sonntags von 12 bis 16 Uhr geöffnet. Der Eintritt ist frei.

 

Nobel Friedenscenter

Direkt an der Aker Brygge, vom Nationaltheater aus kommend hinter dem roten Rathaus, liegt das Nobel Fredssenter, das sich mit Alfred Nobels Arbeit zur Erforschung von Dynamit, aber auch mit der Geschichte des Friedensnobelpreises und seiner Preisträger beschäftigt. Wechselnde Ausstellungen zu den Thematiken sind dort zu sehen, kürzlich war es etwa eine Ausstellung zum Leben und Wirken von Willy Brandt, der zwischendurch in Norwegen lebte. Das Museum kostet 100 NOK Eintritt und für mich ist es eines der am schönsten aufgearbeiteten Museen. Nicht nur, dass man sich einen Sticker machen kann, der einen selbst als nächsten Nobelpreisträger auszeichnet, es gibt auch viele interaktive Parts und am Ende eine Wand, auf die man seine Wünsche schreiben kann. Wer lieber twittert: Es gibt auch einen Raum, in dem Tweets zum Thema Frieden angezeigt werden. Der Rundgang dauert etwa zwei Stunden. 

 

Vigelandspark und Vigelandmuseum

Der Vigelandsparken ist Teil des Frognerparken im Stadtteil Majorstuen, etwa zehn Gehminuten von der gleichnamigen U-Bahn-Haltestelle entfernt. Der Park ist weltberühmt für seine Skulpturensammlung. Der ganze Park ist geziert, an Wegesrändern, in der Mitte, überall stehen Skulpturen, die Gustav Vigeland angefertigt hat. Viele der Figuren sind nackt, was Anfang des 20. Jahrhunderts ein Skandal war. Zentral ist der Monolitten, eine 17 Meter hohe Steinsäule, die aus 121 ineinander verflochtenen Figuren besteht, die allesamt nackt sind. Auf dem Weg zum Monolit wartet in auf der Brücke ein ebenso populärstes Werk, der Sinnataggen ("Der zornige Junge"). Man sagt, es bringt Glück, wenn man ihn an seinen Schniedel packt. Dass das viele tatsächlich tun, sieht man an den abgefärbten Stellen. Generell sieht man die meisten der im Park aufgestellten Figuren auf dem Weg vom Haupteingang zum Monolit. Darunter auch das Werk "Lebensrad", das für die Ewigkeit steht, und ein Monument mit Sternzeichen. Obwohl die Steinfiguren von Vigeland im Park ausgestellt und damit öffentlich zugänglich sind, lohnt ein Besuch im Vigeland-Museum, das nebenan im Park liegt. Dort wird ein weiterer Teil der Arbeit des Bildhauers vorgestellt, der in seinem Leben rund 200 Skulpturen anfertigte, und es wird mehr zur Entstehungsgeschichte und zum herausfordernden Transport des Monoliten erzählt. Der Eintritt liegt bei 60 NOK.

 

Oslo-Stadtmuseum und Theatermuseum

Es ist schon lange her, dass ich das Osloer Stadtmuseet, Oslo Bymuseum, besucht habe. Außer der Dauerausstellung, die die Geschichte der Stadt erzählt, gibt es immer wieder wechselnde aktuelle Ausstellungen, etwa zur speziellen Sprache in der Stadt oder über die Liebesgeschichten von Einwohnern. Außerdem gibt es regelmäßige Führungen und Stadtrundgänge, etwa ein spezieller Kinder-Kunst-Rundgang im Museum oder ein Stadtspaziergang unter dem Titel "Lerne deine Stadt kennen." Das Theatermuseum ist im Stadtmuseum integriert, ebenso das Interkulturelle Museum, das allerdings in Grønland liegt. Das Stadtmuseum findet ihr an der Frognerveien 67, der Eintritt ist frei.

 

Skimuseum

Das Skimuseum liegt unten im Schanzenturm des Holmenkollen. Für 130 NOK gibt es den Eintritt ins Ski-Museum, das bis hinauf zum Sprungturm führt. Im Ski-Museum, dem ältesten seiner Art, wird die Geschichte der Skier, dem Sport und dem Skispringen erzählt. Für Wintersport-Fans ein absolutes Muss. Mehr zum Skimuseum lest ihr in meinem Blog-Beitrag zum Holmenkollen.

 

Munch-Museum

Das Munch-Museum wurde 2013 zum Jubiläum neu gestaltet und es gab eine große neue Munch-Ausstellung zu seinem 150. Geburtstag. Seither war ich nicht mehr dort, aber einmal zuvor. Edvard Munch ist für mich einer der bekanntesten Norweger, dessen Werke wie "Schrei", "Madonna", "Das kranke Kind" und "Tod im Krankenzimmer" ich auch als Nicht-Kunst-Fan kannte. Dennoch hat es mich nicht so gepackt. In der Nationalgalerie sind auch Bilder von Munch zu sehen, aber hübscher eingerahmt, weshalb ich die Nationalgalerie bevorzuge. Seit 2013 gibt es noch mehr Raum für Bilder,allerdings ist das Gebäude in Tøyen nach wie vor renovierungsbedürftig und in einem schlechten Zustand, deshalb soll das Museum im Zentrum irgendwann neu gebaut werden. Das Museum ist täglich von 10 bis 17 Uhr geöffnet und kostet 100 NOK Eintritt - die sind es beim ersten Besuch aber auch wert.

 

Botanischer Garten und Naturkundemuseum

Schräg gegenüber vom Munch Museum, ebenfalls in der Tøyengata, liegen der Botanische Garten, Botanisk Hage, und das Naturhistorische Museum, Naturhistorisk museet. Für 50 NOK informiert die Universität Oslo über ihre naturwissenschaftliche Arbeit und Forschung, dabei gibt es allerlei Pflanzen, aber auch Schmetterlinge zu sehen. Für ein Naturkundemuseum ist das Museum allerdings sehr wissenschaftlich gehalten.

 

Fram-Museum

Das Fram-Museum, Frammuseet, ist eines von fünf Museen, das auf der Halbinsel Bygdøy liegt, die per Fähre ab Aker Brygge oder mit dem Bus 30 ab dem Zentrum erreichbar ist. Das Fram-Museum ist unter all den Museen dort auch mein Lieblingsmuseum. Das Gebäude hat die Form einer Pyramide, das spitze Dach kann man schon von Aker Brygge aus gut erkennen. Das Gebäude ist damit auch der Fram nachempfunden, die Halle wurde speziell für das Schiff gebaut. Es ist extrem kalt im Museum, also auch im Sommer warm anziehen! Das hat laut Mitarbeitern mit der Beschaffenheit des alten Schiffes zu tun, das nur bei einer gewissen Temperatur erhalten werden kann.  Zu sehen gibt es nur eines, nämlich die Fram, mit der Fridtjof Nansen 1896 den Nordpol erkundete und Roald Amundsen 1912 den Südpol. Ein Highlight: Das Schiff ist nicht nur von außen zu bewundern (sowohl von unten, als auch von der Reiling), es darf auch betreten werden. So geben sich tolle Einblicke in die Kabinen der Besatzungsmitglieder und ins damalige Leben an Bord - und in die Exkursionen draußen. Zu sehen sind etwa, wie man damals an Bord gegessen hat, wie man sich die Zähne geputzt hat und mit welcher Ausrüstung die Truppen jeweils auf Exkursion gegangen sind. Auch über die Historie lernt man dadurch etwas. Die 100 NOK sind dort sehr gut investiert, das Museum hat täglich von 9 bis 18 Uhr geöffnet. Es gibt Kombi-Tickets mit dem Kon-Tiki- und/oder dem Seefahrtsmuseum für 180 (zwei) beziehungsweise 270 NOK (drei Museen).

 

Kon-Tiki-Museum

Es ist noch gar nicht lange her, es war im Jahr 2012, als ein Hollywoodfilm über die Kon-Tiki ins Kino kam, als biografische Verfilmung über die Mission von Thor Heyerdahl. Der segelte 1947 mit einem Floß aus Basaltholz von Lima in Peru aus über den Pazifik, weil er beweisen wollte, dass die Besiedlung Polynesiens von Südamerika aus mit den technischen Möglichkeiten vor der Zeit der Inka möglich war. Der Name ist daher auch angelehnt an den Schöpfergott in der Mythologie der Inka, Qun Tiksi Wiraqucha, der der Legenda nach Kon-Tiki als Zivilisation der Inka gegründet haben soll. Das Floß ist heute im Kon-Tiki-Museum in Oslo zu sehen, dazu allerlei von Heyerdahls Expedition und zur Geschichte. Das Museum hat November bis Februar von 10 bis 16 Uhr, März bis Mai sowie September und Oktober von 10 bis 17 Uhr und Juni bis August von 9.30 bis 18 Uhr geöffnet, der Eintritt kostet 100 NOK. Es gibt Kombi-Tickets mit dem Fram- und/oder dem Seefahrtsmuseum für 180 (zwei) beziehungsweise 270 NOK (drei Museen).

 

 

Norwegisches Seefahrtsmuseum

Das norwegische Seefahrtsmuseum, Norsk Maritimt Museet, liegt direkt am Wasser zwischen Kon-Tiki- und Frammuseum. Dort erfährt der Besucher, ebenfalls für 100 NOK, mehr zur Küstenkultur und zur Fischerei. Die Seefahrtsgeschichte Norwegens spielt eine zentrale Rolle. Zu sehen sind etwa drei Schiffsmodelle, Ausrüstung, die bei der Fischerei früher und heute genutzt wurde und archäologische Meeresfunde. Außerdem sind Gemälde, die Meer, Küstenhäuser oder Schiffe zeigen, ausgestellt. Auch eine Bibliothek ist Teil des Museums. Geöffnet hat es vom 16. September dienstags bis sonntags bis 14. Mai von 10 bis 16 Uhr, vom 15. Mai bis 15. September täglich von 10 bis 17 Uhr. Es gibt Kombi-Tickets mit dem Fram- und/oder dem Kon-Tikimuseum für 180 (zwei) beziehungsweise 270 NOK (drei Museen).

 

Wikingerschiffmuseum

Ein paar Meter weiter wartet das Wikingerschiffmuseum, Vikingskipshuset. Das Museum wird von der Universität Oslo betrieben, die Forschung im Bezug auf die früheren Einwohner Norwegens betreibt. Wer sich also für Wikinger interessiert, ist hier richtig, allerdings dient das Museum mehr der historischen Betrachtung als der klischeehaften Vorstellung von Europäern und Amerikanern. Zu sehen sind drei Wikingerschiffe, beziehungsweise Teile von ihnen: Tuneskipet, Gokstadskipet und Osebergskipet. Zudem sind weitere Fundstücke anderer Wikingerschiffe ausgestellt. Generell fand ich das Museum eher träge, da sich doch sehr viel doppelt. Der Eintritt beträgt 100 NOK, das Museum hat vom 1. Mai bis 30. September täglich von 9 bis 18 Uhr, vom 1. Oktober bis zum 30. April von 10 bis 16 Uhr geöffnet.

 

Norwegisches Volksmuseum

Das Norwegische Volksmuseum, Norsk Folkemuseet, ist auf jeden Fall einen Besuch wert, wenn man ein paar Tage mehr in Oslo hat, da es sehr umfangreich in die Geschichte Norwegens einführt. Das Highlight ist die mittelalterliche Stabkirche Gol, deren Anblick wirklich faszinierend ist. Der Eintritt ist mit 130 NOK (Kinder ab sechs Jahren 40 NOK) zwar nicht gerade günstig, dafür wird allerdings sehr viel geboten. Es gibt beispielsweise Einblicke in die Lebensweise in den alten Hütten und das Dorfleben, verschiedene traditionelle und historische Handwerkskünste sind live anzusehen und es gibt eine Tanzvorführung in Trachten. Außerdem kann man mit einer Pferdekutsche durch das Museum fahren. Geöffnet hat das Museum vom 15. Mai bis zum 14. September täglich von 10 bis 18 Uhr und vom 15. September bis zum 14. Mai werktags von 11 bis 15 Uhr und am Wochenende und an Feiertagen von 11 bis 16 Uhr. Ihr solltet das Museum nicht an einem regnerischen oder kalten Tag besuchen, da sonst viel vom Flair verloren geht. 

 

Alle Angaben stammen aus dem Sommer 2017. Keine Garantie auf Richtigkeit oder Vollständigkeit.

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