Polarlicht-Safari

Einst war es Kindern verboten, zu den Nordlichtern zu sprechen oder mit einem weißen Tuch nach ihnen zu winken. Die Eltern glaubten in längst vergangenen Zeiten, dass die Nordlichter dadurch verärgert würden und die Kinder zu sich holten.

 

Für Samen hingegen waren die Nordlichter die Stimme der Götter bei Konflikten. In der Finnmark sprach man Kindern, die unter den grünen Lichtern geboren wurden, Superkräfte zu und in Grönland sah man darin die Seelen von Sternenkindern, die mit Walen spielten.

 

All diese Mythen spielen im hohen Norden – unter dem Nordlicht-Oval, das sich über Kanada, Alaska, den nördlichsten Teil Sibiriens, Südgrönland, Island und Nordnorwegen, -schweden und -finnland zieht. An Nächten nach starken Explosionen und mit vielen Sonnenpartikeln, die sich zum Sonnensturm formen und nach rund 18 Stunden die Erdatmosphäre erreichen, dehnt sich das Oval aus, manchmal sogar bis nach Bayern.

 

Für mich war es lange Zeit ein Traum, einmal die Nordlichter zu sehen. Der Punkt steht deshalb auf meiner Bucket-List auch ganz oben. Während ich in Norwegen lebte, hatte ich das noch nicht so auf dem Schirm. Ich war zwar in Trondheim und auch in Grong, aber eher zur Sommerzeit. Daher habe ich die Mitternachtssonne schon öfter gesehen.

 

Viel Geduld und noch viel mehr Glück

 

Eine erste richtige Nordlichter-Tour habe ich auf Island gemacht, wo die Chancen statistisch gesehen sehr hoch sind. An neun von zehn klaren Nächten kann man dort Nordlichter sehen. Doch wir hatten zwar wunderschöne klare Sternenhimmel, aber keine Nordlichter. Spätestens dann war klar, wer die Nordlichter sehen will, braucht viel Geduld und noch viel mehr Glück.

 

Mein zweiter Versuch war in Umeå. In Nordschweden habe ich Freunde besucht, Ende Februar/Anfang März, was generell auch eine gute Zeit ist. Allerdings waren die Aktivitäten zu gering, sodass man das Nordlicht in Umeå nicht sehen konnte.

 

Bei meinem dritten Versuch klappte es schließlich. Bei einer Pressereise nach Nordnorwegen haben wir Nordlichter sowohl in Honningsvåg, als auch in Nykksund und Stokmarknes (beides Vesterålen) gesehen.

 

Spaceship Aurora

 

Generell sind die Vesterålen ein guter Tipp, wenn man sich mit den Nordlichtern auseinander setzen möchte. Schon 1962 starteten auf der Insel Andøya erste Raketen in die Atmosphäre, um die meist grünen Lichter zu ergründen. So fanden die Forscher heraus, dass das Naturphänomen durch Explosionen auf der Sonne entsteht. Durch die Explosion werden Sonnenpartikel ins All geschleudert, die das Magnetfeld der Erde stören. Das Magnetfeld leitet die Partikel nach oben und unten ab, rund um Nord- und Südpol. Dort dringen die Sonnenpartikel ein und formen sich in rund 140 bis 160 Kilometer Höhe zum Polarlicht. Das wiederum lässt sich unterteilen in das Nordlicht, in den nördlichen Breitengraden, auch Aurora borealis genannt, und in das Südlicht, in den südlichen Breitengraden, auch Aurora australis genannt, unterteilen.

 

In der Nähe der Raketenbasis gibt es auch das Spaceship Aurora, das die Forschungsarbeit der Norweger zum Thema Polarlichter vorstellt. Nebst Filmen und Informationen gibt es eine Simulation eines Raketenflugs. Der Eintritt liegt allerdings bei 340 NOK, für Kinder 175.

 

Das Polarlicht zeigt sich in vier Phasen. Durch die Bewegung in der Atmosphäre werden zunächst Atmosphärenpartikel aktiviert. Dabei zeigen sich leichte weiß-grau-grünliche Schleier am Himmel. Wenn die Sonnenpartikel die Erdatmosphäre erreichen und auf der Tagseite eindringen, wird die Farbe intensiver, die Lichter sind als Bänder zu sehen. Am stärksten sind die Nordlichter in der dritten Phase zu sehen, wenn die Sonnenpartikel auf der Nachtseite in die Erdatmosphäre hinein geschleudert werden. Für zehn bis 15 Minuten tanzen die Nordlichter dann am Himmel, ehe das Licht langsam über Schleier und Bänder verschwindet.

 

Rund zwei bis drei Stunden dauert ein Zyklus, die Stärke der Explosion ist dafür verantwortlich, wie lange das bloße Auge die Nordlichter sehen kann. Es können sich auch mehrere Events, wie Forscher einen Zyklus nehmen, überschneiden, sodass der Himmel stundenlang beleuchtet ist.

Nordlichter fotografieren

 

Wer das Glück hat, Nordlichter zu entdecken, will sie vielleicht auch mit der Kamera festhalten. Vor allem bedarf es dazu eine gute Kamera, bei der man einige Einstellungen manuell vornehmen kann.  Ich habe einen Fotokurs zum Thema Nordlichter gemacht und stelle euch hier mal vor, was ich dort gelernt habe. Ich hatte mir in der Woche vor der Reise eine neue Kamera gekauft, meine erste richtige: eine Canon EOS 550D.

 

 

Die Kamera erkennt Nordlichter teilweise, wenn man sie mit bloßem Auge noch nicht sehen kann. Das war besonders faszinierend, da wir die Nordlichter in Nykksund kaum gesehen haben, meine Kamera da aber wundervolle Bilder gemacht hat.

Blende: möglichst geringer Blendenwert, also f2.8 bis f5
Belichtungszeit: zwischen drei und zehn Sekunden. Wenn man länger belichtet, wird das Bild möglicherweise verschwimmen, weil die Erde sich schließlich dreht.

ISO: so hoch wie nötig, so klein wie möglich. Bei einem hohen Iso-Wert wird das Bild pixelig. Ich habe die besten Bilder mit Iso 400 und 800 gemacht.

Fokus: von automatisch auf manuell umstellen (= "Fokus unendlich")

Objektiv: Weitwinkelobjektiv eignet sich am besten

Ausstattung: Die Kamera muss möglichst still gehalten werden, daher ist ein Stativ sinnvoll, oder aber man legt die Kamera auf einen Stein. Ein Fernauslöser ist auch hilfreich dabei.

Beispielfoto: Belichtungszeit 2 Sekunden, Blende F3,5, ISO 800, Honningsvåg

 

In den meisten Fällen eignet es sich, das Nordlicht nicht nur als solches zu fotografieren, also die Kamera starr in den Himmel zu halten. Sondern noch in irgendeiner Art Vordergrund oder Hintergrund mit aufzunehmen. Das setzt das Nordlicht erst in den Kontext, ist aber wegen der verschiedenen Belichtung etc. doch etwas schwieriger. Dann sieht das Nordlicht vielleicht toll aus, der Berg, das Wasser oder was auch immer aber total skurril.

 

Ich habe keines meiner Fotos mit Stativ gemacht, deshalb sind alle etwas verwackelt (als weitere Ausrede gilt die neue Kamera!). Ich muss das Nordlicht also nochmal sehen, damit ich richtig tolle Fotos machen kann!

Beispielfoto: Belichtungszeit 5 Sekunden, Blende F5,6, ISO 800, Nykksund

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