Kenia



 

 

Seit ich in meiner Jugend ein Buch von Annik Saxegaard gelesen habe, in dem ein Mädchen nach Kenia auswandert, wollte ich dorthin. Für eine Pressereise von Cargo Human Care war ich 2015 erstmals dort, zunächst in Waisenhäusern rund um Nairobi, später für einige Tage in der Masai Mara. Die unglaubliche Tierwelt, die Weite, die Landschaft, das hat mich sehr berührt. Wir wurden von Massai in unserem Camp betreut und verbrachten bis zu zehn Stunden am Tag auf Safari. Beeindruckt hat mich vor allem, dass es nirgendwo Zäune um Nationalparks gibt, nicht einmal an der Grenze zur Serengeti in Tansania. Das ist in Südafrika ganz anders. Mein Aufenthalt hat mich dann auch dazu inspiriert, im Jahr 2017 noch einmal drei Monate in Kenia zu verbringen - während meiner Arbeit in einem der CHC-Waisenhäuser konnte ich auch etwas das Land erkunden.



Nairobi

Nairobi ist eine wahnsinnig hektische, laute und chaotische Stadt. Es gibt viel zu viele Autos und daher permanent Stau. Die meisten der rund 3 Millionen Einwohner leben in Slums (der größte ist das Gebiet Kiberia im Südwesten der Stadt; kann auch in einer Tour besichtigt werden), was das Stadtbild genauso prägt wie die Finanztower im Zentrum. Einen schönen Ausblick über die Stadt gibt es im Kenyatta International Conference Centre (KICC), durch die Terrorgefahr ist der Zutritt aber nur mit gültigem Reisepass erlaubt. An klaren Tagen - was es zwecks Smog und Staub aber eher selten gibt - kann man bis zu Mount Kenya im Norden und Mount Kilimandscharo im Süden schauen. Der Eingang ist gegenüber der City Hall, dann geht es einmal durchs Konferenzzentrum, an der Rezeption wartet ein Guide, der einem oben erklärt, was man so vor sich hat.

 

Gegenüber des KICC liegt auch das Rathaus, um die Ecke wartet das Parlamentsgebäude, auch der Gerichtshof liegt dort. Ohnehin stehen rund um das Rathaus einige interessante Gebäude, die sich rund um Harambee Avenue und City Hall Way besichtigen lassen. Essen und Trinken lässt es sich gut an der Moi Avenue, die ebenfalls um die Ecke liegt. Am Ende der Straße findet sich auch der große Massai Market. Spannend anzusehen ist auch die größte Moschee der Stadt, die Jamia Mosque Nairobi. Wer lieber etwas Grün mitten im Zentrum mag, ist im Uhuru-Park gut aufgehoben, dort kann man sich etwa Tretboote mieten. Im Norden der Stadt liegt eines der vier Büros der Vereinten Nationen. Das Visitors Center organisiert für 1500 KSH Touren durch das afrikanische Headquarter.

 

Ein Highlight ist der Nairobi Nationalpark, wo sich Giraffen vor der Skyline der kenianischen Hauptstadt fotografieren lassen. Der Park liegt im Süden der Stadt, 7 km entfernt vom Zentrum, und ist zur Stadt hin auch eingezäunt, damit sich keine Tiere verirren. Hier leben Spitzmaulnashörner, Büffel, Löwen, Leoparden, Geparde, Panther, Hyänen, Zebras, Antilopen, Schakale, Gnus,  Buschschweine und Gazellen. Der Park ist sowohl mit Guide als auch mit dem eigenen Auto zu erkunden. Der Eintritt ist mit 50 US-Dollar nicht gerade günstig, lohnt aber für einen schönen Tagesausflug. Die Wahrscheinlichkeit, hier Nashörner zu sehen, ist nur im Lake Nakuru Nationalpark höher. Wer mit dem eigenen Auto fährt, muss ein wenig aufpassen - die Pisten sind teilweise sehr abenteuerlich.

 

Tiere finden sich auch im Langatta Giraffe Center, bei dem Kinder Rothschild-Giraffen füttern dürfen, und im Daphne Sheldrick's Orphanage, wo Elefantenkinder, die durch etwa Wilderei zu Waisen wurden, aufgenommen und aufgepäppelt werden. Geöffnet ist das Haus allerdings nur zwischen 11 und 12 Uhr täglich.  Wer sich ohnehin im Süden der Stadt aufhält, kann einen Abstecher ins Karen Blixen Museum machen. Die Dänin wurde durch die Verfilmung ihres Romans "Jenseits von Afrika" berühmt. Ihr Haus wurde vor einigen Jahren vom Staat aufgekauft und ist nun ein Museum, teils mit Originalmöbeln, teils mit Filmrequisiten. Außerdem wartet in der Gegend auch das Freilichtmuseum "Bomas of Kenya", wo das traditionelle Leben in kenianischen Dörfern vor einigen Jahrzehnten nachempfunden ist. Die Bomas sind nicht nur an sich schon spannend - dort sieht man, wie unterschiedlich die jeweiligen Stämme gelebt haben und wie unterschiedlich die Hütten aussehen und angeordnet sind. Es gibt auch eine Tanzvorführung mit traditionellen Stammestänzen  - was ich allerdings wenig bis gar nicht authentisch fand.


Rund um Nairobi

Wer sich nur ein paar Kilometer vom Zentrum Nairobis weg bewegt, sieht ein ganz anderes Bild: Es ist sehr grün. VIele der besser betuchten Hauptstädter machen sich daher gerne auf den Weg nach draußen, um etwas Luft zu schnappen. Meine Highlights:

 

Karura Forest

Der Karura Forest liegt im Norden der Stadt, noch auf Stadtgebiet, und ist ein riesiges Waldgebiet. Der Eintritt ist mit etwa 6 Dollar nicht ganz günstig, ein Tagesausflug hierhin lohnt sich aber allemal. Im Wald warten 50 Kilometer Wander- und Radwege. Man kann sich an einigen Gates (etwa an der Kiambu Road) ein Fahrrad leihen und damit durch den Park kurven. Hauptattraktion ist ein Wasserfall, in der Nähe gibt es auch einige Mau-Mau-Höhlen, wo sich die Revolutionäre, die gegen die Kolonialmacht Großbritannien aufgestanden sind, in den 50er Jahren versteckt haben. Dort leben heute Fledermäuse. Außerdem sind Affen, viele viele Schmetterlinge und Antilopen im Karura Forest zuhause und können mit etwas Glück gesichtet werden. Außerdem sehenswert: Das River-Café, das allerdings vor allem am Wochenende gut besucht ist, und ziemlich direkt daneben das Denkmal für die Opfer des Terroranschlags in der Westgate Mall. Für jeden der 67 Toten wurde ein Baum gepflanzt, der den jeweilgen Namen trägt. Das Denkmal steht im Amani Garden in der Nähe des Sees Lily Lake. Außerdem gibt es zahlreiche ausgewiesene Picknick-Plätze, es lässt sich also auch gut Proviant mitnehmen.

 

Paradise Lost

Paradise Lost ist ein größeres Naherholungsgebiet in der Nähe der Stadt Kiambu, rund 15 Kilometer vom Zentrum Nairobis entfernt. Während der Karura Forest mit öffentlichen Verkehrsmitteln (Matatu, Tuk Tuk, Boda Boda) gut erreichbar ist, da sowohl an der Kiambu Road als auch an der Limuru Road direkt Haltestellen sind, ist es mit Paradise Lost etwas schwieriger. Das Matatu hält an der Kiambu Road, von dort aus geht es etwa eine dreiviertel Stunde bergauf zum Parkeingang, die letzten gut 20 Minuten führen durch eine Kaffeeplantage. Wer sich vorher anmeldet, kann hier Kaffeeführungen machen - und im Shop lässt sich auch für drei bis vier Dollar leckerer Kaffee erstehen. Paradise Lost (Eintritt 10 Dollar) hat viel im Angebot. Zum einen sind da Picknick-Plätze, aber auch Kamelreiten, Strauße füttern (als ich dort war, gab es gerade keine Strauße), Bootfahren auf dem See. Wer all das nicht machen möchte (kostet alles extra), kann auch einfach durch den Park wandern. Es gibt einen Wasserfall und eine tolle Steinzeithöhle, die tief hinein in den Berg führt. Unter der Woche ist beides kostenfrei zugänglich, am Wochenende sind etwa zwei Dollar Eintritt dafür notwendig. Der Park ist bekannt für seine große Anzahl an Vögeln. Überall piept und zwitschert es. Schon auf dem Weg zum Parkeingang kreisen Marabus am Himmel, im Park sieht man auch öfter mal Adler.

 

Redhill Dam

Der Redhill Dam ist ein See zwischen Nairobi und Limuru, etwa 25 Kilometer vom Stadtzentrum Nairobis entfernt an der Limuru Road. Es ist ein kleines Paradies für all jene, die ein bisschen Auszeit suchen. Während die Straße auf gut 1700 Höhenmetern liegt, führt ein kleiner Weg etwa drei Kilometer hinunter zum See. Es gibt eine fantastische Aussicht! Am See angekommen gibt es verschiedene Möglichkeiten. Das Angeln ist hier erlaubt. Außerdem gibt es Ziplining über den See, Bootsfahrten und für Kinder eine Art riesiger Kinderspielplatz mit Schwimmbecken, Hüpfburg und Kletterturm (etwa 5 Dollar Eintritt). Auf dem See sind zudem Zelte angebracht, man nennt sie "Floating Restaurants". Hier lässt sich sehr entspannt und verhältnismäßig günstig essen (Hähnchen mit Pommes, Salat und Cola für zusammen 5 Dollar).

 

Banana Hills

Banana Hills - benannt von den Briten, weil hier so viele Bananenbäume standen, als sie ankamen - ist ein kleines Dorf zwischen Nairobi und Limuru, etwa 18 Kilometer vom Stadtzentrum entfernt. Es ist vor allem als Künstlerdorf bekannt, es gibt etwa verschiedene Galerien mit afrikanischer Kunst. Außerdem starteten von hier etwa Führungen durch Teeplantagen. Sonderlich spannend fand ich Banana Hills nicht - und war auch eher verwundert, dass sich solch ein Tipp in so manch einem Reiseführer findet.


Rift Valley

Das Rift Valley ist der Große Afrikanische Grabenbruch, der sich von Israel bis Mosambik zieht - dort, wo die Kontinentalplatten aufeinander treffen und eine große Schlucht entstanden ist. Durch Kenia zieht sich das Rift Valley einmal hindurch - und ist auf jeden Fall einen Besuch wert. Einen tollen Ausblick gibt es von Nairobi kommend über die Straße nach Maai-Mahiu oder über den Naivasha-Highway, die beide über einen Pass führen - mit großartiger Aussicht. Am Straßenrand stehen zahlreiche Souvenir-Shops, Kioske und Bistros, an denen man für einen Sightseeing-Moment anhalten sollte. Außer der großartigen Aussicht auf das Rift Valley, gibt es auch im Tal selbst einiges zu erleben. Alle die unten aufgeführten Highlights sind als Tagesausflug ab Nairobi machbar - oder man kombiniert mehrere und bleibt ne Nacht dort, etwa im süßen Hippo Safaris Resort.

 

Mount Longonot

Der Mount Longonot ist ein stillliegender Vulkan etwas südlich des Lake Naivashas. Aufgrund seiner Höhe mit insgesamt 2780 Metern ist er von überall aus gut zu sehen. Der Vulkan lässt sich gut an einem Tag und auch auf eigene Faust erkunden, es ist kein Guide notwendig. Das Matatu bringt einen bis zum Dorf Longonot, von dort aus fährt für 70 Schilling ein Boda Boda (Moped-Taxi) zum Parkeingang. Der Eintritt beträgt 26 Dollar. Da es nur einen einzigen Weg gibt, ist es gut möglich, alleine loszuziehen. Allerdings sollte man sich auf jeden Fall die Notfallnummern ins Handy speichern - es gibt hier wilde Büffel und auch sonst kann auf dem bisweilen anspruchsvollen Weg mal ein Fuß umknicken oder ähnliches.

Bis zum Kraterrand sind es etwas über drei Kilometer, die ersten rund anderthalb Kilometer sind eher gemütlich, es geht nicht so steil hoch und der Weg ist gut ausgebaut. Es folgen Dutzende Treppenstufen und ein kleiner steilerer Aufstieg bis zur ersten Rastmöglichkeit. Von dort aus geht es nochmal eine gute halbe Stunde steil bergauf, teilweise muss über Steine geklettert werden. Dafür gibt es wundervolle Ausblicke übers Rift Valley, bis hin zum Lake Naivasha. Den Krater erreicht man auf einer Höhe von rund 2500 Metern, ich habe etwa anderthalb Stunden für den Weg nach oben gebraucht. Nun gibt es zwei Möglichkeiten: Ausruhen und an den Abstieg machen. Oder aber, man umrandet den Krater. Der Kraterrundweg ist nicht weniger anstrengend und etwas über sieben Kilometer lang. Dabei geht es permanent auf und ab, den Gipfel des Mount Longonot erreicht man auf einer Höhe von 2780 Metern. Für den Rundweg sollte man zwei bis drei Stunden einplanen, je nach Fitness. Ein kleiner Tipp: Wer den Krater umranden möchte, sollte an der Kraterplattform nach rechts gehen und den Gipfel direkt in Angriff nehmen. Ansonsten ist man wirklich völlig k.o., bis man zum höchsten Aufstieg kommt. Teilweise muss sehr geklettert werden, bisweilen gelten kleine Schluchten von zehn Zentimeter Breite als "Wanderweg", außerdem muss oft über Steine gestiegen werden. Denkt an ausreichend Sonnenschutz - es gibt keinerlei Schutz vor der heißen afrikanischen Sonne, und an ausreichend Wasser (circa drei Liter bei Sonnenschein). Dafür wird man mit grandiosen Landschaften verwöhnt. Im Krater drinnen ist es grün und völlig bewachsen. Drum herum ist es mal grün, mal total verbrannt, mal rot, mal steinig, mal sandig, mal lebendig. Die Kraterumrandung lohnt sich also auf alle Fälle. Für den Abstieg von der Plattform runter zum Gate sind nochmal etwa 40 Minuten einzukalkulieren. Auf dem letzten Stück zum Gate wurde ich von elf Giraffen, einigen Zebras, Warzenschweinen und Gazellen begleitet. Das war allemal eine Entschädigung für die Anstrengung.

 

Hell's Gate Nationalpark

Eine Safari in Kenia findet normalerweise im Auto statt, man kann sie allerdings auch zu Fuß oder per Fahrrad machen, zumindest im Hell's Gate Nationalpark, der zwischen Mount Longonot und Lake Naivasha liegt. Ich bin mit dem Fahrrad los - und kann das auch nur absolut empfehlen. Es ist schnell genug, um einiges vom Park zu sehen. Und langsam genug, um völlig eins mit der Natur zu sein. Das Fahrrad kann man entweder an der Hauptstraße für 6 Dollar (dann spart man sich die 20 Minuten Fußweg zum Gate) oder am Gate für 5 Dollar leihen. Der Eintritt in den Park kostet 26 Dollar, das Fahrrad kostet 2 oder 3 Dollar extra.

Der Park ist gut ausgeschildert, und los geht es, vom Gate aus zunächst einmal bergab. Es geht vorbei an grasenden Zebras, an Affen, Warzenschweine kreuzen den Weg, Büffel ziehen an einem vorbei, Giraffen starren einen an. Dazu die tolle Landschaft mit Bergen, Felswänden, Schluchten und ganz viel grün drumherum. Bisweilen ist es etwas schwierig, mit dem Fahrrad (nicht gerade im besten Zustand) im tiefen Sand voran zu kommen, aber es geht schon. Man begegnet zudem immer wieder anderen Menschen, im Auto, zu Fuß, auf dem Fahrrad, auch unter der Woche (anders als Mount Longonot, der nur am Wochenende gut besucht ist). Das Ziel der meisten ist ein Picknick-Platz am Ol Njorowa Gorge, die Gorge Road führt direkt vom Gate dorthin. Während man auf dem Picknick-Platz sein Hab und Gut und vor allem das Proviant gegen Affen und Paviane verteidigen muss, die seeehr nah an die Menschen herangehen, ist der Platz auch gleichzeitig der Startpunkt für die Wanderung in die Schlucht (Gorge). Meistens kommen hier Gruppen an, weshalb der Preis pro Guide fix bei 15 Dollarn liegt - wer alleine reist, sollte auf jeden Fall handeln. Ich habe für meinen Guide 2 Dollar bezahlt. Es gibt eine kurze und eine lange Tour, die kurze dauert etwa eine Stunde, die große anderthalb. Auf der kleinen Tour geht es durch Schluchten, kleine Flussläufe, vorbei an Felswänden, man klettert an schmalen Hängen entlang und durchquert das Wasser. Das ist wirklich großartig. Die lange Tour führt zudem zum Schlafzimmer des Teufels, dafür muss an Seilen hochgeklettert werden. Die Tour endet zunächst auf einem kleinen Platz, an dem zahlreiche Afrikanerinnen Schmuck, Krimskrams und Getränke verkaufen, und führt schließlich zurück zum Picknickplatz. Dort lässt sich ebenfalls zu erstaunlich fairen Preisen Cola, Fanta und Wasser kaufen, außerdem gibt es Toiletten.

Die Tour zurück ist etwas anstrengender, weil es hauptsächlich bergauf geht, weshalb viele ihre Fahrräder direkt stehen lassen und mit dem Auto zurückfahren. Ich bin zurück geradelt und es war tatsächlich anstrengend. Es geht acht Kilometer im Sand bergauf. Am Fischers Tower, etwa einen Kilometer vom Gate entfernt, habe ich eine kleine Rast gemacht. Dort kann man den Turm hochklettern (mit Guide), außerdem finden sich dort zahlreiche sehr zahme, bisweilen aufdringliche, Klippschliefer. Offenbar wurden sie von Touristen angefüttert, denn eigentlich sind diese Tiere wahnsinnig scheu und hauen sofort ab, wenn man sich bewegt. Diese Tierchen allerdings sind mir bis auf den Schoß gesprungen.
Mit dem Fahrrad beschränkt sich die Tour im Wesentlichen auf diese Hauptattraktion. Der Park hat noch einiges mehr, etwa View Points oder ein Spa. Für 18 Dollar lässt sich dort in Afrikas größten Hot Springs baden, natürlichen heißen Quellen. Ich wollte eigentlich mit dem Fahrrad auch noch dorthin, allerdings geht es nochmal steil bergauf und es sind weitere vier Kilometer pro Strecke. Da ich nicht wusste, ob ich das Fahrrad auch dort abstellen kann, um schließlich mit dem Auto zurückzufahren, habe ich es sein lassen.

 

Lake Naivasha

Für viele ist der Lake Naivasha rund 80 Kilometer von Nairobi entfernt, ein Highlight. Ich muss gestehen, dass ich nicht ganz so begeistert von dem See bin wie viele andere. Zunächst einmal ist das Gebiet wahnsinnig touristisch, was heißt, dass permanent versucht wird, einem Geld aus der Tasche zu ziehen. Alles ist plötzlich zwei-, dreimal so teuer wie üblich und das hat mich zumindest wahnsinnig genervt.

Eigentlich wollte ich am Lake Naivasha spazieren gehen, ich dachte, man kann dort einfach hin und ein wenig am Ufer entlang schlendern. Dem ist nicht so. Am Ufer stehen zumeist private Hotels, weshalb der See nicht einfach umrundet werden kann. Nach ein paar Metern stößt man nämlich immer auf einen Zaun. Die Hauptstraße hingegen ist meistens ein bis zwei Kilometer vom See entfernt, sodass man immer erst durch sehr staubige Wege ans Ufer laufen muss.

Ich fuhr zunächst mit dem Matatu zum Naivasha Country Club, die letzten anderthalb Kilometer muss man allerdings querfeldein durch Staub wandern. Eigentlich wollte ich eine Bootsfahrt auf dem See machen, allerdings war mir das mit 50 Dollar doch deutlich zu teuer. Also war ich ein wenig im Garten des Clubs spazieren und habe dort die Sicht auf den See genossen. Es waren auch Antilopen und Zebras dort, für mich nach wie vor ein Highlight. Eigentlich wollte ich eine Cola im Café trinken (das habe ich immerhin als Grund angegeben, um in den Garten zu kommen), allerdings bediente mich 20 Minuten keiner und ich ging wieder. Kurz hatte ich überlegt, auf die Halbinsel Crescent Island überzusetzen, dort kann man zu Fuß wandern und allerlei Tiere wie Zebras, Antilopen, Giraffen und Nashörner sehen, allerdings waren mir die 30 Dollar Eintritt dann doch zu teuer. Ich fuhr also mit dem Matatu an den öffentlichen Strand (wieder 20 Minuten Fußweg durch Staub von der Haltestelle aus - anstrengend, weil ich permanent angequatscht wurde und die Typen ein Nein auch nicht akzeptiert haben). Dort traf ich zum einen viele Fischer, allerdings auch ganz viele Marabus, was auch speziell war. Ich saß dort eine Weile, habe den See betrachtet und die Sonne genossen, bis ich Hunger bekam. Da es am öffentlichen Strand nur ein kleines Kiosk gab und ich mich nicht von Keksen ernähren wollte, ging ich zum benachbarten Hippo Safaris Resort. Ich ging leider den Weg zurück zur Hauptstraße, um 200 Meter weiter wieder zum Ufer zurückzugehen. Das ist - wie sich nachher rausstellte - unnötig, man kommt vom öffentlichen Strand direkt zum Camp/Lokal. Dort habe ich für insgesamt vier Dollar eine große Portion "Chips Masala" (Pommes mit einer sehr leckeren Soße), Salat und zwei Cola zu mir genommen, während ich den Ausblick auf den See genossen haben. Von dort, wie auch vom Strand aus, legen ebenfalls Boote ab, die deutlich günstiger sind als jene vom Country Club. Alle Preise sind verhandelbar!

 

Kimende

Kimende ist ein kleines Dorf, einstiger Slum, zwischen Nairobi und Lake Naivasha. Der Ort an sich hat nicht viel zu bieten - spannend wird es, wenn man sich etwas außerhalb bewegt. Zu Kimende gehört "The Forest", ein Outdoor-Freizeitzentrum. Dort kann man wandern (mit und ohne Guide), beim Ziplining schweben, Bogenschießen ausprobieren, beim Paintball aufeinander zielen und das Gebiet mit Pferd oder Mountainbike erkunden - und das alles zu recht erschwinglichen Preisen! Der Wald liegt aber auf einem Berg ein paar Kilometer abseits der Hauptstraße - wer nicht mit dem eigenen Fahrzeug kommt, muss vom Naivasha-Highway ein Boda-Boda/Piki-Piki nehmen.


Masai Mara

Die Masai Mara ist sicher einer der schönsten Nationalparks überhaupt - wenn auch mit allein 80 US-Dollar Eintritt pro Tag sehr teuer. Wer hier hinkommt, muss quasi Löwen und Elefanten sehen, denn die Population ist erstaunlich hoch. Auch wenn die Hauptreisezeit zur "Big Migration" im Oktober ist,  lohnt auch sonst der Besuch. Die Masai Mara liegt im Süden Kenias und grenzt direkt an die Serengeti. Die beiden Parks haben ein Ökosystem. Hinkommen geht per Auto oder Flugzeug, ich habe schon beides ausprobiert. Schon der Flug in der kleinen Maschine mit rund 20 Plastikschalen-Sitzen und Blick ins Cockpit ist ein Highlight. Weil es nach 30, 40 Minuten bereits die erste Zwischenlandung gibt, ist die Flughöhe nicht sehr hoch, sodass sich ein toller Blick über Kenia ergibt. Kurz vor der Landung lassen sich von oben Zebras, Büffel, Antilopen und Elefanten entdecken. Am Ende der "Landebahn" (ein sandiges kleines Feld mitten im Nirgendwo, das "Airfield"-Häuschen sieht man auf dem ersten Foto) haben uns drei Büffel empfangen. Hingegen fährt man mit dem Auto einmal quer durchs Rift Valley, was ein atemberaubenden Anblick ist. Am Ende geht es rund zwei Stunden auf einer Schotterpiste zur Mara, durch Massai-Dörfer, vorbei an Zebras, Gnus, Pavianen, Giraffen, Elefanten.

 

Durch Bekannte bin ich beide Male im Mara Siria Tented Camp untergekommen, das etwas außerhalb der Masai Mara auf einem Berg liegt. Schon auf der Fahrt zur Lodge (sowohl per Flug als auch bei Auto) ließen sich zahlreiche Tiere wie Warzenschweine, Paviane und Antilopen beobachten. Vom Camp aus hatte man einen grandiosen Blick auf die Masai Mara, die durchzogen vom Fluss Mara ist. Die Safaris galt es mit dem persönlichen Guide abzusprechen. Man kann morgens und abends rausfahren, man kann den ganzen Tag im Park verbringen und dort Frühstück und Lunch essen oder man kann nach dem Frühstück starten und nur Lunch im Park essen - insgesamt verbringt man so sehr viel Zeit innerhalb des Nationalparks. Also jede Menge Zeit für allerlei tolle Tiere. Wir waren im Mara Triangle, einem Teil der Masai Mara. Und jeden Tag haben wir wahnsinnig viel gesehen. Meine Highlights: Sieben Löwenbabys mit ihren Müttern und ihrem stolzen Vater, Leoparde, die am Auto vorbei spazierten, drei Nashörner mit einem erst ein paar Wochen alten Baby, zwei Baby-Hyänen, riesige Herden Zebras, Geparde, die direkt neben einem Löwenrudel lagen, Mangusten-Besuch beim Mittagessen,  Zebra-Besuch am Zelt. Außerdem hat eine schwangere Löwin ihre Jagd auf Zebras direkt an unserem Wagen eröffnet. Sie versteckte sich hinter dem Auto, das wir dort geparkt hatten, um Nilpferde und Zebras zu beobachten. Hätte ich die Hand aus dem Auto gehalten, hätte ich sie streicheln können, so nah waren wir. Ohnehin sahen wir täglich Dutzende Löwen. Ein weiterer Höhepunkt war eine Elefantenherde, die sich ein Schlammbad gönnte. Dazu gehörten gleich mehrere Junge, eines davon auch erst ein paar Wochen alt. Es war so tapsig und unglaublich süß.

 

Ich war einmal zur Regenzeit da, allerdings hatte ich kein einziges Mal während der Pirschfahrt Regen, immer nachts oder am Mittag, wenn wir uns im Camp aufhielten. Einmal war ich zur Trockenzeit da, das war fast traurig anzusehen, weil der Mara River kaum mehr Wasser geführt hat und man zahlreiche Nilpferde rausgucken sah, weil sie nicht mehr ganz untertauchen konnten.

 

An einem Tag haben wir zudem eine Fahrradsafari mit einem anderen Guide gemacht. Wir bekamen Mountainbikes und erkundeten die Gegend. Einmal mussten wir stoppen, weil Dutzende Giraffen und Zebras die Straße querten. Das war wirklich atemberaubend, so nah in und an der Natur zu sein. Wir fuhren durch kleine Massai-Dörfer, grüßten Einheimische und sahen am Wegesrand immer wieder Zebras, Giraffen, Affen und Antilopen.

 

Eine Galerie meiner schönsten Safari-Fotos findet ihr hier.


Diani Beach & Ukunda

Der Diani Beach an der Küste südlich von Mombasa gilt als einer der schönsten Strände weltweit. Zwölf Kilometer lang zieht sich der schneeweiße feine Sandstrand am leuchtend türkisfarbenen Meer entlang. Ich wählte als Ausgangspunkt Ukunda, wo ich im Haus einer Bekannten unterkommen konnte. Ukunda hat einen eigenen kleinen Flugplatz (rund 100 Dollar Return Nairobi). Der Diani Beach hat wie fast alle tollen Strände einige größere Hotelanlagen, aber auch sehr ruhige Ecken ganz ohne Hotels. Ich hielt mich weitestgehend am public beach auf, also dem öffentlichen Strand, wo nur vereinzelt alle paar hundert Meter mal ein Hotel stand.

 

Durch Ukunda führt die Diani Road, parallel zum Ufer. Von dort aus führen kleine steinige und sandige Wege zum rund 200 Meter entfernten Strand. Es gibt keine Strandpromenade oder ähnliches, lediglich ein paar Bars, Bistros und Tauchschulen auf dem Sand oder den Zubringergässchen.

Der Strand ist wirklich großartig und ein wundervoller Anblick - zumindest bei Flut. Bei Ebbe zieht sich das Meer doch sehr weit zurück. Allerdings ist Diani Beach auch bekannt für seine Beachboys. Das sind junge, meist gutaussehende Männer, die Obst, Getränke, Krimskrams, Touren oder sich selbst verkaufen. Diani ist das Mekka für alleinstehende ältere weiße Damen, die ein bisschen Liebe und Sex suchen. Weshalb man auch überall ältere weiße Damen mit jungen, hübschen Kenianern sieht. Außerdem gibt es kleine Hütten und Zelte, in denen junge Kenianerinnen für wenig Geld Massagen anbieten - auch ohne weitere sexuelle Dienste.

 

Das Wasser am Diani Beach ist super warm und völlig klar. Floating ist möglich und es macht wahnsinnig Spaß, sich treiben zu lassen. Bei Ebbe sollte man allerdings aufpassen, im Watt verstecken sich Hunderte von Seeigeln - das kann schmerzhaft werden (kann ich aus eigener Erfahrung mitteilen).

 

Wer nicht nur am Strand rumhängen will, kann auch einiges erleben. Zum einen ist Mombasa nur ein paar Kilometer entfernt - allerdings habe ich mir bei meinem Kurzurlaub diese Strecke nicht angetan, immerhin wollte ich dem stickigen und chaotischen Nairobi entfliehen, um Ruhe zu haben. Ich entschied mich für eine Tour zum Kisite Marine Nationalpark, die mit 70 Dollarn sehr teuer war. In den Hotels wird die Tour für bis zu 125 Dollar verkauft, in der Off-Season kann man sie auch bei etwas Verhandlungsgeschick für 40 bis 50 Dollar bekommen. Ich wurde morgens um 7.30 Uhr mit dem Minibus abgeholt, nachdem alle eingesammelt waren, fuhren wir nach Shimoni. Dort übergab unser Fahrer uns den Guides des Kenyan Wildlife Service, die den Kisite Park betreuen. Mit einem Dhow, einem alten Holzboot, ging es raus auf das offene Meer, wobei wir von Delphinen begleitet wurden. Leider darf man auf dem Meer nicht aussteigen, um dort mit den Delphinen zu schwimmen. Wenn sie allerdings in den Nationalpark kommen, dann darf man dort mit ihnen schwimmen (was allerdings nur selten vorkommt). Nachdem die Delphine von Dannen zogen, legten wir am Kisite an. Es gab einen extra Schnorchel-Guide (Ausrüstung wurde gestellt) und los ging es ins Wasser. Da es sich um ein geschütztes Gebiet handelt, durften wir nicht einfach losschnorcheln, sondern mussten alle als Gruppe zusammen bleiben, was ein wenig langweilig war. Wir sahen aber dennoch wahnsinnig viel und es war ein großartiges Erlebnis, über dem Korallenriff zu schwimmen. Rochen, Tintenfische, Seesterne, Krebse, Aale, Moränen und allerlei bunte Fische. Leider haben wir keine Schildkröten gesehen und leider dauerte die Tour nur eine Stunde, ich hätte sicher mehr als doppelt so viel Zeit im Kisite verbringen können. Mit dem Dhow setzten wir dann zu Wasini Island über, einer wahnsinnig touristischen Insel. Es gab dort Lunch (inklusive): Fisch, Krabben, Salat, Reis, Kartoffeln, danach machten wir einen kleinen Rundgang über die Insel. Das fand ich ganz schrecklich, denn es war wirklich nur ein Touristen-Schaulaufen, bei dem man alle zwei Meter angebettelt wurde, irgendwas für "die Kinder" zu geben. Neeeee, muss nicht. Da unser Boot wegen der Ebbe etwas weiter weg angelegt hatte, mussten wir auf dem Weg zur Insel und von der Insel zunächst durchs Watt steppen und wurden dann mit einem Ruderboot abgeholt, um auf dem Meer umzusteigen. Alles in allem eine schöne, aber auch deutlich zu teure Tour.


Amboseli Nationalpark

Was die Tierwelt angeht, kann der Amboseli Nationalpark nicht mit der Masai Mara mithalten. Dennoch wollte ich unbedingt dorthin, was vor allem daran liegt, dass es der einzige Ort der Welt ist, an dem man Elefanten vor dem Panorama des Kilimandscharos sehen kann. Ich machte mit einer nicht empfehlenswerten neuen Safari-Agentur (Subsaharan Excursion) die Tour - los ging es in Nairobi mit dem Auto. Da es eine zweitägige Low-Budget-Tour war, übernachteten wir in einem kleinen, sehr schlichten Camp, Kiamana Camp und schon auf dem Weg dorthin haben wir Elefanten und Paviane gesehen. Am Nachmittag fuhren wir zum Gamedrive, allerdings zeigt sich hier das ganze Chaos Kenias an einer Stelle. Am Gate saß nur ein Herr, der den Eintritt kassierte, das dauert aber pro Person etwa zehn Minuten (Passdaten abschreiben, erfragen, wo man wohnt, kassieren, Receipt schreiben...). Wir hatten Glück, dass vor unserer Gruppe nur zwei Leute waren, weshalb wir nach etwa 50 Minuten durch waren - allerdings standen da rund 30 Leute in der Schlange hinter uns.

 

Da unser Guide nicht wirklich dolle war, fuhren wir vor allem an der Hauptstraße entlang. Wir sahen viele Elefanten, Zebras, Gnus, Affen, Paviane und Gazellen und Antilopen. Als wir eine Stelle entdeckten, an der mehrere Autos standen, fanden wir eine Löwin und unweit davon auch eine Gruppe Löwinnen mit Nachwuchs, die sich allerdings etwas versteckt hielten. Von anderen Fahrern erfuhren wir, dass sich unweit drei Geparde aufhielten und so fuhren wir dorthin. Diese waren allerdings wirklich sehr weit entfernt und durch den vielen aufgewirbelten Staub (Amboseli bedeutet so viel wie staubiges Land - nicht ohne Grund) kaum zu sehen. Generell ließ am Abend etwas die Sicht nach, weil der Staub wirklich kaum zu durchschauen war. Es fing dann ein klein wenig an zu regnen, was toll war, denn dann zeigte sich der Kilimandscharo wolkenfrei. Es war großartig, zahlreiche Zebras, Gnus und andere Wildtiere vor dieser Kulisse zu sehen. Genau deshalb war ich gekommen. Auch von unserem Camp aus konnte man den Kilimandscharo bei Sonnenuntergang gut sehen.

 

Am Morgen stand erneut eine Pirschfahrt an, allerdings war sie wirklich kurz und hätten wir nicht interveniert, wären wir nach etwa einer Stunde fertig gewesen. Wir fuhren zunächst zum Lake Amboseli, wo Nilpferde, Pelikane und Flamingos leben und sahen unter anderem Elefanten und Zebras baden. Wir hielten für einen Stopp am Observation Hill, wo man auf eine Aussichtsplattform hinaufsteigen kann. Nicht nur hat man hier generell einen tollen Blick über den Park, aber wir konnten von oben auch Elefanten baden sehen, was natürlich toll war. Nachdem wir noch einige Warzenschweine und die ersten Schritte eines neugeborenen Gnus gesehen haben, war es Zeit für den Rückweg.

 

Eine Galerie mit meinen schönsten Safari Fotos findet ihr hier.


Packliste:

  • Mückenschutz
  • Fernglas
  • Kamera mit mindestens 300mm Objektiv
  • Wärmeflasche
  • Regenschutz

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