Spitzbergen



Im Zuge eines Stipendiums des Internationalen Journalisten Programms war ich im Mai 2014 für vier Tage auf Spitzbergen. Für mich hat sich damit ein Traum erfüllt. Die Insel, die übrigens weniger Schnee hat, als man denkt - es ist eine arktische Wüste -, gehört zu Europa und hat doch ganz eigene Regeln, wie in meinem Artikel zu lesen ist.

 

Der Alkoholverkauf ist etwa reglementiert und sterben und gebären soll man hier auch nicht. Dafür ist die Natur wunderbar: Man bewegt sich mit Schneescootern fort oder mit Hundeschlitten. Es gibt zwar Autos, aber nur etwa 30 Kilometer Straßennetz.



Sightseeing

An Tag 1 wollten wir uns einen Überblick über die Insel verschaffen, dafür eignet sich Wiggo besonders gut. Wiggo ist sowas wie das Gesicht Spitzbergens, er ist Taxifahrer und Touristenführer in einem. Mit seinem 9-Sitzer fährt er die Insel ab (also dort, wo es Straßen gibt), er erzählt über die Geschichte der Stadt und der Insel, fährt zum Global Seed Vault, wo Millionen Samen schockgefrostet werden,  und zu einem der acht Bergwerke. Die Tour kostet rund 35 Euro und gibt einen schönen Überblick.


Hundeschlittenfahrt & Eisgrotte

An Tag 2 ging es für uns auf den Hundeschlitten. Wir fuhren von der Stadt zu der Huskyfarm und wurden dort mit den Begebenheiten vertraut gemacht. Die beiden Hundeschlittenführer machten es vor, dann bekamen wir Geschirr in die Hand und mussten uns unsere Hunde selbst suchen und festmachen. Das war schon das erste kleine Highlight. Nochmal schnell aufs Klo springen (in einer arktischen Wüste ist das nicht so einfach mit dem Toilettengang), dann ging es rund zwei Stunden auf dem Schlitten zu einer Eisgrotte. Die Hunde laufen generell dem Anführer hinterher, allerdings ist es gar nicht so einfach, sich im Tiefschnee zu behaupten. Auf Spitzbergen geht man generell von einem aktiven Publikum aus, daher traut man Gästen mehr zu als andernorts.

 

Stopp und Wendepunkt ist an einer Eisgrotte, die in rund 30 Meter Tiefe liegt. Durch ein kleines Erdloch krabbelt man mit den Beinen zuerst hinunter, was ein wenig unheimlich ist. Es ist, als würde einem der Boden verschlingen. An einem Seil geht es langsam an der Wand entlang hinunter, meistens berühren die Füße Schnee und Eis. Wenn der enge Kanal überwunden ist, steht man in einem großen Eis-Palast unter der Erde, die Decken sind sehr hoch, verschiedene Gänge führen zu verschiedenen Räumen, die sich immer wieder verändern. Das Eis hier unten ist 2000 Jahre alt.

Nach einem kleinen Picknick mit norwegischem Outdoor-Essen (kostet im Supermarkt 10 Euro pro Packung) geht es auf den Schlitten zurück. Auf der Farm konnten wir noch mit dem Husky-Nachwuchs spielen und den Sonnenuntergang betrachten, ehe es zurück nach Longyearbyen ging.

 

Es gibt verschiedene Anbieter für die Hundeschlitten-Tour, unsere hat umgerechnet 250 Euro pro Person gekostet (es fährt jeweils eine Person aufm Hinweg, während die zweite eingekuschelt im Schlitten sitzt, und aufm Rückweg).


Schnee-Scooter-Tour zur Ostküste

Spitzbergen heißt Outdoor-Life. Permanent ist man draußen an der Luft, permanent dick eingepackt. An Tag 3 fuhren wir mit dem Scooter rund 100 Kilometer bis zur Ostküste. Nach einer kurzen theoretischen Einführung wurden wir auf die Scooter gesetzt und fuhren auf einem kleinen freien Feld ein paar Meter zur Übung und dann ging es auch los. Anfangs waren wir nur mit rund 20 Stundenkilometern unterwegs, später trauten wir uns deutlich schneller zu fahren. Auf dem Weg gibt es ganz wunderbare Eis- und Schneelandschaften zu sehen, die stark an Disneys "Die Eiskönigin" erinnern, und immer wieder laufen Spitzbergen-Rentiere an einem vorbei. Auf dem Hinweg mussten wir gar einen kleinen Schneesturm durchqueren - wir sahen nur noch weiß!

 

An der Ostküste schaut der Guide nach Eisbären, wobei wir leider nur Eisbären-Spuren gefunden haben, keine Eisbären. Dafür hat sich eine Ringelrobbe gezeigt. Nach einem Mittagessen der eisigen Ostküste mit tollen Eisskulpturen und wunderbaren Landschaften fuhren wir zurück. Ein Umweg führte uns noch zu einem gefrorenen Wasserfall, hinter dem wir hindurch gehen konnten.

 

Auch für die Scooter-Touren gibt es mehrere Anbieter, pro Person kostet solch ein Ganztagesausflug circa 400 Euro.


Longyearbyen

Am letzten Tag hatten wir weniger Zeit, weshalb wir uns hauptsächlich in Longyearbyen aufgehalten haben. In der Stadt lässt sich alles zu Fuß erledigen. Wir waren im Svalbard (so nennen die Norweger die Inselgruppe) Museum und am Hafen spazieren und sind noch ein wenig Shoppen gegangen. In Longyearbyen gibt es auch die Sightseeing-Tour Arctic Tapas, eine Bustour mit Essen. Das ist allerdings was für wahre Liebhaber der geschichtlichen Kost: Passend zu Erzählungen über Longyearbyen im Zweiten Weltkrieg gibt es beispielsweise getrocknetes Rentierherz. Legendär ist das Kroa, eine der wenigen Kneipen.

 

Besonders hübsch ist Longyearbyen nicht. Da der Boden ganzjährlich bis zu 40 Meter Tief gefroren ist, sind alle Leitungen oberirdisch verlegt.


Wissenswertes

Pyramiden/Barentsburg/Südküste:

Ausflüge in die Minen-Städte Pyramiden und Barentsburg sowie an die Südküste, wo die Walrosse leben, sind generell auch möglich, entweder per Boot oder per Scooter. Außerdem gibt es sowohl auf dem Scooter als auch mit dem Hundeschlitten mehrtägige Touren. Infos dazu gibt es auf der Website von Visit Svalbard.

 

Ausstattung:

Auf Spitzbergen ist es kalt, aber Angst muss keiner vor der Kälte haben. Denn in den Aktivitätsangeboten sind immer auch warme Kleidung und Schuhe enthalten. Gestellt werden Ganzkörperanzüge, Mützen, Helme, Schutzbrillen, Handschuhe und Stiefel. Für drunter eignen sich etwa eine dünne, lange Wollschicht und eine dickere warme Wollschicht oder eine dickere warme Fleeceschicht. Die Scooter haben eine Heizung im Griff.

 

Klima:
Auf Spitzbergen ist es kalt und trocken. Da im Winter kaum Schnee fällt, taut er mit den ersten Plusgraden sofort weg. Daher ist die Insel im Sommer sehr karg, steinig und grau.  Die Durchschnittstemperatur liegt bei  -7 Grad, im Sommer wird es bis zu 10 Grad warm, im Winter werden auch -25 Grad erreicht.

Da Spitzbergen im Nordpolarkreis liegt, gibt es im Sommer die Mitternachtssonne zu sehen, im Winter gibt es Polarnächte mit Nordlichtern. Unter Polarnächten versteht man die Zeit, in der die Sonne nie zu sehen ist (26. Oktober bis 15. Februar; In Longyearbyen bis zum 8. März). Tagundnachtgleiche ist am 23. März, danach geht es schnell, denn vom 20. April bis zum 23. August ist Polartag, das heißt die Sonne geht nicht unter.

Hauptsaison ist auf Spitzbergen von Mitte März bis April, bis Anfang/Mitte Mai liegt meistens noch Schnee.

 

Hinkommen:

Norwegian fliegt (mit Gratis W-Lan an Bord) ab Oslo ab 100 Euro nach Longyearbyen, der größten Stadt auf Spitzbergen, das man im norwegischen nur als Svalbard kennt. Außerdem fliegt SAS. Es gibt Direktflüge und welche mit Aufenthalt in Tromso, was sich durchaus auch für ein paar Stunden lohnen kann.

 

Wohnen:

Die meisten Hotels und Übernachtungsmöglichkeiten gibt es in Longyearbyen, die meisten Hotels sind teuer, es gibt auch Hostels wie das Gjestehuset 102 in der Neustadt, wo wir übernachtet haben (pro Nacht 35 Euro im Vierbettzimmer / 45 Euro im Doppelzimmer). Es gibt Gemeinschaftsräume und eine Küche, in der das Kochen problemlos möglich war.

 

Einkaufen:

Viele Dinge sind wegen der Steuerfreiheit auf Spitzbergen günstiger, etwa Getränke und haltbare Lebensmittel wie Nudeln. Besonders günstig ist Winterkleidung, in Longyearbyen kann man sich im einzigen Supermarkt mit warmen Handschuhen, Mützen, Schals und Socken eindecken, im Sportgeschäft gibt es dünne und dicke Wollunterwäsche. Sehr günstig ist auch Alkohol, weil darauf keine Steuer erhoben wird. Teuer hingegen sind alle frischen Produkte wie Salat oder Obst.


Packliste

  • Fernglas (für die Eisbären)
  • Sonnenbrille (Schneeblindheit!)
  • dünne und dicke Wollschicht (dünne Schicht lässt sich auch vor Ort kaufen)
  • Kamera
  • festes Schuhwerk
  • Labello, Hand- und Gesichtscreme (Luft ist extrem trocken)
  • Kreditkarte

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