Wandern und Radeln mit Zebras

Die meisten Nationalparks in Kenia dürfen nur mit Autos befahren werden. Aber es gibt auch Ausnahmen, unter anderem die Nationalparks Mount Longonot und Hell's Gate. Während man den Vulkankrater Mount Longonot auf jeden Fall zu Fuß erkunden muss - immerhin geht es bis auf 2800 Meter hoch -, kann man im Hell's Gate sowohl wandern als auch Rad fahren oder mit dem Auto fahren.

 

Ich habe mich selten so eins mit der Natur gefühlt wie in beiden besagten Parks. Man radelt zwischen Zebra- und Impalaherden hindurch, trifft Giraffen, Büffel und bremst für Warzenschweine. Manchmal ziehen die Tiere sogar mit einem weiter - und man freut sich über tolle Begleitung. 

Mount Longonot

Der Mount Longonot ist ein stillliegender Vulkan etwas südlich des Lake Naivashas. Aufgrund seiner Höhe mit insgesamt 2780 Metern ist er von überall aus gut zu sehen. Der Vulkan lässt sich gut an einem Tag und auch auf eigene Faust erkunden, es ist kein Guide notwendig. Das Matatu bringt einen bis zum Dorf Longonot, von dort aus fährt für 70 Schilling ein Boda Boda (Moped-Taxi) zum Parkeingang. Der Eintritt beträgt 26 Dollar. Da es nur einen einzigen Weg gibt, ist es gut möglich, alleine loszuziehen. Allerdings sollte man sich auf jeden Fall die Notfallnummern ins Handy speichern - es gibt hier wilde Büffel und auch sonst kann auf dem bisweilen anspruchsvollen Weg mal ein Fuß umknicken oder ähnliches.

 

Bis zum Kraterrand sind es etwas über drei Kilometer, die ersten rund anderthalb Kilometer sind eher gemütlich, es geht nicht so steil hoch und der Weg ist gut ausgebaut. Es folgen Dutzende Treppenstufen und ein kleiner steilerer Aufstieg bis zur ersten Rastmöglichkeit. Von dort aus geht es nochmal eine gute halbe Stunde steil bergauf, teilweise muss über Steine geklettert werden. Dafür gibt es wundervolle Ausblicke übers Rift Valley, bis hin zum Lake Naivasha. Den Krater erreicht man auf einer Höhe von rund 2500 Metern, ich habe etwa anderthalb Stunden für den Weg nach oben gebraucht.

 

Nun gibt es zwei Möglichkeiten: Ausruhen und an den Abstieg machen. Oder aber, man umrandet den Krater.

 

Der Kraterrundweg ist nicht weniger anstrengend und etwas über sieben Kilometer lang. Dabei geht es permanent auf und ab, den Gipfel des Mount Longonot erreicht man auf einer Höhe von 2780 Metern. Für den Rundweg sollte man zwei bis drei Stunden einplanen, je nach Fitness. Ein kleiner Tipp: Wer den Krater umranden möchte, sollte an der Kraterplattform nach rechts gehen und den Gipfel direkt in Angriff nehmen. Ansonsten ist man wirklich völlig k.o., bis man zum höchsten Aufstieg kommt. Teilweise muss sehr geklettert werden, bisweilen gelten kleine Schluchten von zehn Zentimeter Breite als "Wanderweg", außerdem muss oft über Steine gestiegen werden.

 

Denkt an ausreichend Sonnenschutz - es gibt keinerlei Schutz vor der heißen afrikanischen Sonne, und an ausreichend Wasser (circa drei Liter bei Sonnenschein). Dafür wird man mit grandiosen Landschaften verwöhnt. Im Krater drinnen ist es grün und völlig bewachsen. Drum herum ist es mal grün, mal total verbrannt, mal rot, mal steinig, mal sandig, mal lebendig. Die Kraterumrandung lohnt sich also auf alle Fälle.

 

Für den Abstieg von der Plattform runter zum Gate sind nochmal etwa 40 Minuten einzukalkulieren. Auf dem letzten Stück zum Gate wurde ich von elf Giraffen, einigen Zebras, Warzenschweinen und Gazellen begleitet. Das war allemal eine Entschädigung für die Anstrengung.

Hell's Gate

Der Hell's Gate Nationalpark liegt zwischen Mount Longonot und Lake Naivasha. Ich bin mit dem Fahrrad los - und kann das auch nur absolut empfehlen. Es ist schnell genug, um einiges vom Park zu sehen. Und langsam genug, um völlig eins mit der Natur zu sein. Das Fahrrad kann man entweder an der Hauptstraße für 6 Dollar (dann spart man sich die 20 Minuten Fußweg zum Gate) oder am Gate für 5 Dollar leihen. Der Eintritt in den Park kostet 26 Dollar, das Fahrrad kostet 2 oder 3 Dollar extra.

 

Der Park ist gut ausgeschildert, und los geht es, vom Gate aus zunächst einmal bergab. Es geht vorbei an grasenden Zebras, an Affen, Warzenschweine kreuzen den Weg, Büffel ziehen an einem vorbei, Giraffen starren einen an. Dazu die tolle Landschaft mit Bergen, Felswänden, Schluchten und ganz viel grün drumherum. Bisweilen ist es etwas schwierig, mit dem Fahrrad (nicht gerade im besten Zustand) im tiefen Sand voran zu kommen, aber es geht schon.

 

Man begegnet zudem immer wieder anderen Menschen, im Auto, zu Fuß, auf dem Fahrrad, auch unter der Woche (anders als Mount Longonot, der nur am Wochenende gut besucht ist). Das Ziel der meisten ist ein Picknick-Platz am Ol Njorowa Gorge, die Gorge Road führt direkt vom Gate dorthin. Während man auf dem Picknick-Platz sein Hab und Gut und vor allem das Proviant gegen Affen und Paviane verteidigen muss, die seeehr nah an die Menschen herangehen, ist der Platz auch gleichzeitig der Startpunkt für die Wanderung in die Schlucht (Gorge).

 

Meistens kommen hier Gruppen an, weshalb der Preis pro Guide fix bei 15 Dollarn liegt - wer alleine reist, sollte auf jeden Fall handeln. Ich habe für meinen Guide 2 Dollar bezahlt. Es gibt eine kurze und eine lange Tour, die kurze dauert etwa eine Stunde, die große anderthalb. Auf der kleinen Tour geht es durch Schluchten, kleine Flussläufe, vorbei an Felswänden, man klettert an schmalen Hängen entlang und durchquert das Wasser. Das ist wirklich großartig. Die lange Tour führt zudem zum Schlafzimmer des Teufels, dafür muss an Seilen hochgeklettert werden. Die Tour endet zunächst auf einem kleinen Platz, an dem zahlreiche Afrikanerinnen Schmuck, Krimskrams und Getränke verkaufen, und führt schließlich zurück zum Picknickplatz. Dort lässt sich ebenfalls zu erstaunlich fairen Preisen Cola, Fanta und Wasser kaufen, außerdem gibt es Toiletten.

 

Die Tour zurück ist etwas anstrengender, weil es hauptsächlich bergauf geht, weshalb viele ihre Fahrräder direkt stehen lassen und mit dem Auto zurückfahren. Ich bin zurück geradelt und es war tatsächlich anstrengend. Es geht acht Kilometer im Sand bergauf. Am Fischers Tower, etwa einen Kilometer vom Gate entfernt, habe ich eine kleine Rast gemacht. Dort kann man den Turm hochklettern (mit Guide), außerdem finden sich dort zahlreiche sehr zahme, bisweilen aufdringliche, Klippschliefer. Offenbar wurden sie von Touristen angefüttert, denn eigentlich sind diese Tiere wahnsinnig scheu und hauen sofort ab, wenn man sich bewegt. Diese Tierchen allerdings sind mir bis auf den Schoß gesprungen.


Mit dem Fahrrad beschränkt sich die Tour im Wesentlichen auf diese Hauptattraktion. Der Park hat noch einiges mehr, etwa View Points oder ein Spa. Für 18 Dollar lässt sich dort in Afrikas größten Hot Springs baden, natürlichen heißen Quellen. Ich wollte eigentlich mit dem Fahrrad auch noch dorthin, allerdings geht es nochmal steil bergauf und es sind weitere vier Kilometer pro Strecke. Da ich nicht wusste, ob ich das Fahrrad auch dort abstellen kann, um schließlich mit dem Auto zurückzufahren, habe ich es sein lassen.

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