On the Road again - mit dem Polo durch Deutschland

Was macht man als Student, wenn man wenig Geld hat, um zu verreisen? Und nach dem Praktikum in Flensburg noch rund drei Wochen bis zum Semesterbeginn in Passau hat? Richtig, man nutzt die Autofahrt, die man ohnehin machen müsste und quartiert sich bei Freunden unterwegs ein. Mehr als 1500 Kilometer waren es am Ende.

 

Mit meinem kleinen roten Polo machte ich mich 2008 auf den Weg. Ich hielt dort an, wo ich Freunde und Bekannte hatte. Über Flensburg mit einem Abstecher nach Glücksburg ging es nach Kiel, über den Nord-Ostsee-Kanal nach Heide mit einem Ausflug nach Büsum an die Nordsee. In Hamburg und Oldenburg besuchte ich Leute, es gab einen Tagesausflug nach Bremen. Über einen Stopp in Hannover bin ich in Kassel gelandet, wo wir Ausflüge nach Bad Sooden-Allendorf, Hessisch Lichtenau, auf den Hohen Meißner und nach Melsungen machten.

Flensburg

Flensburg, das ist nicht nur die Stadt, in der man die Punkte bei Vergehen im Straßenverkehr bekommt. Und Flensburg ist auch nicht nur die Stadt, die mit der SG Flensburg-Handewitt einen Handball Champions League Sieger stellt. Flensburg ist natürlich auch die Stadt des Wassers. Alles dreht sich rund um die Flensburger Förde, das Schiffswesen und die Meeresbewohner. Vor allem am westlichen Ufer gibt es einiges zu entdecken, nebst schönen Blicken auf die Stadt. Von der Hafenspitze aus ist zunächst das Kompagnietor aus dem 17. Jahrhundert zu sehen. Danach warten das Schifffahrtsmuseum, der Alte Kaufmannhof und direkt am Wasser gelegen die Museumswerft. Hier kann man Werftarbeitern dabei zusehen, wie sie aus Plänen von vor 100 bis 200 Jahren Segelschiffe nachbauen. Aus der alten Kornmühle Walzenmühle, deren Gebäude nicht mehr wirklich an eine Mühle erinnert, auch wenn das hohe Silo noch zu sehen ist, wurde ein Medien- und Kulturzentrum und man kann sich hier trauen lassen.

 

Wer an der Museumswerft angekommen ist, muss noch rund 200 Meter weiter an der Förde entlang gehen, um dann zu linker Hand das Nordertor, der Eingang zur Altstadt, zu finden. Hier geht es zurück über die Norderstraße zur Großen Straße, der Fußgängerzone mit zahlreichen Geschäften. An der Ecke der Großen Straße zur Marienstraße wartet ein Kulturdenkmal: Das Porticus 1740 ist die älteste Kneipe der Stadt. Daneben steht die Marienkirche. Spannend wird es dann wieder rund um die Rathausstraße: Wer sich westlich hält, passiert das Stadttheater und kommt zum Museumsberg mit den zwei Gebäuden, dem Heinrich-Sauermann-Hauses und dem Hans-Christiansen-Haus, die sich der Kunst- und Kulturgeschichte des ehemaligen Herzogtums Schleswig widmen. Nebenan liegt auch das Naturwissenschaftliche Museum.

 

Südlich der Hafenspitze befindet sich der Margarethenhof, ein Gebäudekomplex, der zu den Kulturdenkmälern der Stadt zählt und Teil der Rum-und-Zucker-Meile ist. Auf der Meile wird an 20 Stationen an die Rolle Flensburgs im internationalen Rumhandel erinnert, etwa am Zollpackhaus (Schiffsmuseum), dem Zuckerhof in der Norderstraße, den Handels- und Wohnhäusern von Andreas Christiansen oder der Zuckerrafinadeur Ingwersen.

Das Fischereimuseum hingegen liegt auf der östlichen Seite von der Hafenspitze aus. Dort liegt auch ein weiteres Wahrzeichen: Der Wasserturm Flensburg-Mürwik, der eigentlich zum Stadtteil Fruerlund gehört. Er steht auf einer Anhöhe im Volkspark und ist als Aussichtspunkt zugänglich - mit herrlicher Sicht über Förde bis nach Dänemark.

 

Auch wenn im Norden nicht ganz so häufig Badewetter ist, so hat natürlich auch Flensburg seine Strände. Dazu gehört das Ostseebad im Nordwesten und das Strandbad Solitüde im Nordosten. Dazu zählt auch der kleine Strandabschnitt Fahrensodde. Einer der beliebtesten Strände ist allerdings etwas außerhalb: das Strandbad Wassersleben. Wassersleben liegt sechs Kilometer vom Zentrum von Flensburg entfernt, der einstige Stadtteil wurde allerdings ausgemeindet. Er ist über einen Uferweg mit dem Ostseebad verbunden. Wassersleben gilt als Villen-Vorort von Flensburg und gehört zur Gemeinde Harrislee. Harrislee an sich ist auch ein schöner Ort, zumindest das Zentrum. Hier befinden sich, direkt an der Grenze zu Dänemark (Padborg) ganz viele hübsche rote Bachsteinhäuser.

Glücksburg

Willkommen in der nördlichsten Stadt Deutschlands, in Glücksburg. Häufig wird Flensburg als nördlichste Stadt bezeichnet, doch Glücksburg auf der Halbinsel Angeln, direkt an der Flensburger Förde, liegt rund zehn Kilometer nordöstlich von Flensburg. Auffällig ist die Steilküste, die Kolonien an Seevögeln, die hierher zum Brüten kommen und die namensgebende Glücksburg. Es handelt sich dabei um ein historisches Wasserschloss der Spätrenaissance, das aussieht, als wäre es einer Postkarte entsprungen. Es liegt idyllisch im Grünen, direkt in der Flensburger Förde. 1582 wurde es von Herzog Johann von Schleswig-Holstein-Sonderburg erbauen lassen. In einem Teil des Schlossparks wartet das Rosarium Glücksburg, in dem rund 500 Arten von Rosen beherbergt sind.

 

Auf der Nicht-Wasser-Seite des Schlosses befindet sich die Innenstadt. Ein beeindruckendes Gebäude ist der ehemalige Kleinbahn-Bahnhof der Flensburger Kreisbahn. Heute ist dort eine Bushaltestelle und die städtische Bücherei sitzt dort. Wer weiter die Rathausstraße gen Norden geht, kommt an das Waldmuseum im Glücksburger Wald. Generell lohnt es sich, die Halbinsel bis an die Spitze nach Holnis weiter zu erkunden, etwa rund um den Pugumer See. Ganz an der Spitze, in Holnis, wartet ein Aussichtspunkt und ein Seemannsgrab. An der Nachbildung des Eiszeitdorfes wird noch gearbeitet.

 

Wer sich eher gen Nordwesten orientiert, kann an dieser Seite der Flensburger Förde die Turmuine Erlkron in der Schwennaustraße 46 erkunden, die aus Steinen der ehemaligen Duburg gebaut wurde. Vom Schwennauhof mit Strandservice aus kann man über die Förde nach Dänemark schauen. Die Inseln, kleine und große Ochseninsel, gehören bereits zu Dänemark. Entlang der Küste auf dänischer Seite führt der wunderschöne Fjordvej, über den ihr mehr in meinem Dänemark-Teil lest. Südlich vom Schwennauhof liegt die Seebrücke Glücksburg, ein schickes Hotel mit bewirtetem Strandabschnitt. Als Ausflugsziel gilt auch das Quellental mit der Hanseatischen Yachtschule und dem Menke-Planetarium. Wer hier in Glücksburg seine Freizeit verbringen möchte, ist ebenso gut aufgehoben. Es gibt ein Ostseebad mit Stränden - und wer lieber mit etwas mehr Action und unter Aufsicht schwimmen mag,  besucht einfach die Fördeland-Therme.

Kiel

Kiel ist eine meiner Lieblingsstädte und jahrelang kam ich hierher, um im Juni die Kieler Woche zu feiern. Vielleicht liegt meine emotionale Verbundenheit daran, dass ich schon seit Kindertagen Fan des Handballvereins THW Kiel bin, vielleicht fasziniert mich aber auch einfach das viele Wasser um Kiel herum. An der Kiellinie, dem Ufer der Kieler Förde, lässt es sich hervorragend entlang spazieren. Wer auf der Seite der Innenstadt unterwegs stadtauswärts ist, kommt auf jeden Fall am Becken des Geomar vorbei, wo einige Robben schwimmen. Schön ist ein Gang über die Kieler Förde auf der Hörnbrücke, einer Fußgänger- und Radfahrer-Zugbrücke. Über die Hörnbrücke kommt man auf die Seite der Förde, auf der die Kreuzfahrtschiffe von Color Line, Stena Line und Co Richtung Norwegen und Schweden ablegen.

 

Schon beim Gang an der Kiellinie sieht man, dass Kiel auch grün sein kann. Es geht nämlich vorbei am Kieler Schloss mit dem Schlossgarten. Generell erstreckt sich westlich der Förde zwischen Hauptbahnhof und Geomar die Alt- und Innenstadt Kiels. Dazu gehört nicht nur das Schloss, sondern auch die Nikolai-Kirche und das Stadtmuseum. Die Haupteinkaufsstraße ist die Holstenstraße, auch rund um Berliner Platz, Altem Markt und Eggerstedtstraße gibt es Geschäfte und Cafés. Einen kleinen Stopp kann man am schicken Bootshafen einlegen, der am Berliner Platz liegt. Kommt die Sonne raus, kann man hier wunderbar chillen. Auf der anderen Seite der Altstadt wartet schon wieder Wasser. Hier liegt der Hiroshimapark mit dem See Kleiner Kiel, darum liegen Rathaus und Opernhaus. Dahinter liegt das Schifffahrtsmuseum und für Sportfans wichtig: die Sparkassen-Arena. Wer sich abends in Kiel aufhält, ist auf der Bergstraße gut aufgehoben. Hier gibt es zahlreiche Bars, Kneipen und Discos, Kult ist das Tucholsky.

 

Lohnenswert ist auch ein Spaziergang durch das Marineviertel zwischen Westring und Kleiststraße, das sogar eine eigene Homepage hat. In den 20er Jahren wurde es für Marine-Angehörige erbaut, heute ist es ein Szene-Viertel. Wer hier vorbei kommt, macht auch einen Abstecher zum Wasserturm in der Niebuhrstraße gleich nebenan. Ganz in der Nähe liegen auch das Holsten-Stadion von Holstein Kiel und der Botanische Garten.

 

Da Kiel an der Ostsee liegt, gibt es natürlich auch einige Strände. Zu den beliebtesten zählen Schilksee, Falckenstein und Friedrichsort. Alle drei sind über den Landweg erreichbar, aber vom Hafen in der Innenstadt aus fährt auch die Pendlerfähre F1. Auf jeden Fall lohnt eine Fahrt damit, um die Förde noch einmal aus einem neuen Blickwinkel zu erleben. In Schilksee selbst dreht sich noch vieles um die Olympischen Spiele. Denn obwohl München weit weg liegt, wurden die Segelwettkämpfe 1972 in Schilksee ausgetragen.

Heide

Wer Heide hört, denkt oft zunächst an die Lüneburger Heide. Doch die Kreisstadt Heide liegt abseits davon, im schönen Schleswig-Holstein, gemütlich zwischen Nord- und Ostsee, wobei deutlich näher an der Nordsee. Mich hat die Gegend um Heide schon total fasziniert. Die vielen Häuser mit ihren Reetdächern, unzählige Windmühlen auf der weiten, flachen, grünen Ebene. Heide selbst hat vor allem zwei Sehenswürdigkeiten. Dazu gehört der größte unbebaute Markplatz Deutschlands. Auf dem 4,7 Hektar großen Areal wird schon seit mehr als 500 Jahren der Wochenmarkt abgehalten. Hier tagte im 15. und 16. Jahrhundert die Landesversammlung der Bauernrepublik Dithmarschen. Ebenfalls ein Highlight ist der Heider Wasserturm - dort kann auch geheiratet werden. Der 1903 errichtete Turm steht unter Denkmalschutz und befindet sich in einem Park mit Teich. Sehenswert ist auch das Alte Pastorat an der Südseite des Marktplatzes, in dem sich heute die Touristeninformation befindet. Gegenüber steht die St.-Jürgen-Kirche aus dem 16. Jahrhundert.

Büsum / Nordsee

Büsum ist ein wunderschöner kleiner Touristenort direkt an der Nordsee. Hier lässt es sich ganz entspannt im Strandkorb im künstlich aufgespülten Sand chillen, etwa am Strandbad Perlebucht, oder an der Uferkante entlang spazieren. Besonders die Sonnenuntergänge sind hier wahnsinnig schön, wenn sich der ganze Himmel rot und gelb färbt und die Sonne langsam im Meer untertaucht. Nach Sankt Peter-Ording und Westerland ist Büsum der drittgrößte Touristenort an der Nordsee in Schleswig-Holstein. Büsum war einst eine Insel, ist seit dem 16. Jahrhundert aber mit dem Festland verbunden. Am Hafen lassen sich die Fischer beobachten, vor allem die Krabben aus Büsum sind beliebt. Wahrzeichen ist der 1912 erbaute Leuchtturm, der am Museumshafen nahe dem Ortszentrum steht. Ob seiner Größe ist er kaum zu übersehen. Direkt am Meer liegen das Meerwasserwellenbad Piratenmeer mit Wellenbecken und das Museum am Meer, das sich dem Meer und seiner Nutzung durch den Menschen annimmt. Die Sturmflutwelt "Blanker Hans" ist inzwischen geschlossen. Wer mehr Action sucht, kann sich auf der Kartbahn oder auf dem Nordic-Walking-Parcours austoben.

Hamburg

"Hamburg, meine Perle", heißt das berühmte Lied. Und wie wahr es ist: Hamburg ist ein wundervolles Fleckchen Erde, denn es verbindet Großstadt mit nordischem Flair. Bei einer Bootsfahrt durch die Speicherstadt wird die Erinnerung an vergangene Zeiten wach. In der Speicherstadt selbst warten mit dem Miniaturwunderland und dem Hamburg Dungeon zwei Attraktionen, die den Besuch auf jeden Fall lohnen. Vor allem das Miniaturwunderland hat mich fasziniert und ich kann stundenlang den kleinen Figürchen und Zügen zuschauen und die Welt dadurch erkunden.

 

Wer noch nicht genug vom Wasser hat, schlendert an den Landungsbrücken entlang, wo täglich etliche Bootsfahrten starten. Hier ist auch die Abfahrt für das Schiff, das abends Musicalbesucher auf die andere Seite der Elbe bringen, zu "Der König der Löwen" - was man sich unbedingt anschauen sollte. Von den Landungsbrücken aus Richtung St. Pauli liegt der Eingang zum alten Elbtunnel. Hier kann man heute unter der Elbe durchmarschieren. Von hier aus ist es nicht weit auf die Reeperbahn - die Straße, die nie schläft. Auch wenn die Reeperbahn inzwischen fest in Touristenhand ist, so lohnt es doch, vorbei zu schauen. Es gibt etwa wirklich gute Travestieshows oder Cabarets dort.

 

Wer früh morgens schon wach ist, besucht den Fischmarkt direkt an der Elbe, zwischen St. Pauli und Altona. Hier gibt es Fisch, Obst, Gemüse und allerlei andere Dinge für wenig Geld. Natürlich darf auch ein Bummel durch die Innenstadt nicht fehlen. Das Wahrzeichen ist der Michl, ein Kirchturm. Rund um die Binnenalster und das Rathaus beginnt die Innenstadt mit ihren Fußgängerzonen.

 

Einen ausführlichen Guide zu Hamburg findet ihr in einem separaten Beitrag.

Bremen

Bremen ist meine Lieblingsstadt in Deutschland. Das nordische Flair, die Gemütlichkeit, das viele Wasser, die relaxten Menschen - all das mag ich wahnsinnig gern. Bremen hat eine wunderschöne Innenstadt, die sich rund um Rathaus, die Rolandsfigur und den Dom (auf dem Marktplatz) befindet. Dort wartet auch die Figur der Bremer Stadtmusikanten. Gegenüber, vor der Bürgerschaft, gibt es das Bremer Loch, aus dem die Tiere sich melden, wenn man eine Münze hinein wirft.

 

Zur Weser hinunter führt die Böttcherstraße mit ihren gotischen Gebäuden, die zahlreichen Kunst- und Handwerksbetrieben als Stätte dienen. Hier soll einst ein Knochen vom Esel gefunden worden sein, unweit der Bremer Bonbon Manufaktur, wo man unbedingt beim Bonbon-Drehen zuschauen sollte und dann natürlich auch Probieren muss. Eine wunderschöne Gegend ist der älteste Stadtteil, das Schnoor, wo sich schmale Häuser eng aneinander reihen, die Gässchen sind klein. Hier gibt es ebenfalls viel Kunst und Handwerk zu sehen und zu kaufen. Am Abend verlagert sich das Leben ins Viertel, die Gegend rund um den Ostertorsteinweg. Dort finden sich viele Kneipen, Bars und Cafés.

 

Einen ausführlichen Guide zu Bremen, mit einer Übersicht zu allen Museen, Essens-, Shopping und Ausgehtipps und Infos zu den einzelnen Stadtteilen findet ihr in einem eigenen Blog-Beitrag.

Oldenburg

In Oldenburg bin ich wohl nur gelandet, weil eine Kommilitonin dort aufgewachsen ist und ich bei ihr und ihrer Familie Halt gemacht habe. Aber es hat mir wahnsinnig gut gefallen. Die Alt- und Innenstand befindet sich innerhalb eines Walls und ist gut zu Fuß zu erkunden. Auf jeden Fall lohnt ein Besuch in der wunderschönen Bergstraße, die mich sehr an das Schnoor in Bremen erinnert, eine kleine süße enge Gasse. Rund um die Lange Straße befinden sich allerlei Geschäfte, ein Großteil der Innenstadt ist autofrei, sodass sich ein Bummel hier absolut lohnt. Rund um den Markt warten das Rathaus und die St. Lambertikirche. An der Langen Straße muss ein Stopp beim Wahrzeichen der Stadt sein: dem Lappan. Der einstige Glockenturm wurde im 15. Jahrhundert erbaut und gehört zur Heilig-Geist-Kirche.

 

Im Südosten des Zentrums liegt das Schloss, das heute das Landesmuseum beherbergt. Ein Spaziergang im Schlossgarten, rund um den Schlossteich, ist sehr schön. Etwas am Wall entlang findet sich der Pulverturm, das einzige noch erhaltene Bauwerk der Stadtbefestigung aus dem Jahr 1529, der im 18. und 19. Jahrhundert als Pulvermagazin genutzt wurde. Der Schlosspark wird von der Mühlenhunte begrenzt, einem Arm der Hunte. Wer den Schlosspark bis ans Ende durchgeht und sich dann wieder Richtung Hunte hält, kommt ungefähr auf der Höhe der Schleuse heraus. Die Schleuse an sich ist nicht so spektakulär, wohl aber die Staustufe direkt daneben. Hier wurde 2006 eine Fischaufstiegsanlage, quasi eine Treppe für Fische, gebaut, die es den Tieren ermöglicht, die Staustufe zu überwinden.

 

Vom Schlosspark aus auf der anderen Seite der Mühlenhunte und weiter gen Osten erreicht man die beeindruckende Cäcilienbrücke, die die Bremer Straße und den Damm verbindet. Es handelt sich dabei um eine Hubbrücke über den Küstenkanal.  Wer der Hunte nun gen Norden folgt, kommt direkt auf den Hafen zu. Am Nordufer des Hafens wartet eine Promenade. Weiter nördlich, am Hauptbahnhof, findet sich das  Computer-Museum, eines der führenden in Deutschland, das die Geschichte der Rechenmaschinen darstellt. Wer die Gleise überschreitet und noch etwas gen Norden weitergeht, kommt auf den Getrudenfriedhof mit dem Mausoleum der Großherzöge von Oldenburg.

 

Weit außerhalb des Zentrums im Stadtteil Osternburg liegt zum einen der Park Utkiek und die Oldenburger Mühle. Das imposante Bauwerk wird heute als Restaurant und Hotel genutzt. Ebenfalls außerhalb, aber auf der anderen Seite, westlich der Altstadt, liegt das imposante Gebäude des Oldenburger Turnerbundes, einer Turnhalle von vor rund 100 Jahren (Haarenufer 9). Ganz in der Nähe, vorbei am Wittschiebenteich und dem Kaiserteich, wartet der Landtag.

Hannover

Von Hannover hab ich viel Negatives gehört - das hat sich für mich aber absolut nicht bestätigt. Ganz im Gegenteil, ich habe mich sofort wohl gefühlt und könnte mir auch vorstellen, hier mal zu leben. Da meine Freundin keine Zeit hatte, mich herum zu führen, habe ich die Stadt alleine erkundet. Und das ist mega simpel, es gibt nämlich in Hannover den "Roten Faden", eine 4,2 Kilometer lange Strecke, die zu 36 wichtigen Sehenswürdigkeiten führt. Verlaufen kann man sich dabei eigentlich nicht, denn der Rote Faden ist auf dem Boden eingezeichnet und man muss ihm einfach folgen. Los geht es am Ernst-August-Platz gegenüber vom Hauptbahnhof (an der Touristen-Information) und er endet am Ernst-August-Denkmal am Hauptbahnhof - allerdings kann man je nach Ausgangslage auch zwischendrin einsteigen. In der Touri-Info gibt es auch eine Broschüre mit Erklärungen zu dem, was man entlang des roten Fadens so sieht.

 

Wer den Roten Faden komplett abläuft, hat die wichtigsten Dinge der Stadt gesehen, etwa das Opernhaus, die Georgstraße, die Aegidienkirche und das Aegidientor, den Bogenschützen vor dem Neuen Rathaus am Tammplatz, das Wangenheimpalais, das Wappenportal, die Waterloosäule, die Schlossbrücke am Leineschloss, in letzterem tagt heute der Landtag, das Marshalltor, das Leibnizhaus, das alte Fachwerk in der Altstadt, die Marktkirche, das Alte Rathaus und den Kröpcke. Vor der Marktkirche sollte man auf ein Steinkreuz im Pflaster achten (auf dem Hanns-Lilje-Platz an der Ecke von Kramer- und Knochenhauerstraße). Es ist der einzige Ort in Hannover, von dem aus man alle vier Kirchtürme der evangelischen Hauptkirchen sehen kann: Marktkirche, Aegidienkirche, Kreuzkirche und Neustädter Kirche. Es heißt deshalb "Vierkirchenblick".

 

Ein Abstecher lohnt sich am Wangenheimpalais, dem Neuen Rathaus. Denn das liegt idyllisch im Maschpark im Süden der Innenstadt - also etwas außerhalb der historischen Innenstadt. Hinter dem Rathaus beginnt der Maschteich, an dessen Ostufer das Landesmuseum liegt. Wer noch etwas südlicher geht, erreicht den Maschsee. Dieser wird an der Westseite vom Sportpark begrenzt, in dem etwa die HDI Arena steht.


Wer noch nicht genug hat, kann den inzwischen ebenfalls eingerichteten Blauen Faden entlang gehen. Er ist als Verlängerung (ab Waterloosäule als gemeinsame Station der beiden Fäden) gedacht und führt durch den Stadtteil Calenberger Neustadt. Zu den 38 Stationen gehören etwa das Jüdische Mahnmal, die Skulpturenmeile, die Grabstätte von Gottfried Wilhelm Leibniz und das Schrader Denkmal. Der Blaue Faden ist im Gegensatz zum Roten Faden nicht auf dem Pflaster eingezeichnet, man kann allerdings den Schildern folgen. Eine Website informiert zur Strecke.

Kassel

Kassel kennt man vor allem wegen der Documenta, der großen Kunstausstellung, die sich über die ganze Stadt zieht. Auch wenn die Documenta natürlich immer einen Besuch wert ist, auch für Menschen, die weniger kunstaffin sind, lohnt auch sonst ein Besuch in Kassel. Oft hört man, die Stadt sei hässlich. Das kommt natürlich ganz auf die Perspektive an, denn auch Kassel hat seine schönen Ecken. Am berühmtesten ist wohl die Kupferstatue Herkules nach dem griechischen Halbgott Herakles. Er befindet sich auf der Spitze des Bergparks Wilhelmshöhe. Ursprünglich wurde nur die Figur selbst als Herkules bezeichnet, inzwischen ist damit oft auch das Riesenschloss Oktogon mit der spitzen Pyramide gemeint, auf der die Figur hoch in den Himmel thront. Der mit 2,4 Quadratkilometern größte Bergpark Europas ist seit 2013 Unesco Weltkulturerbe und bietet nebst Herkules einige Sehenswürdigkeiten, etwa die Wasserspiele mit Flüssen und Wasserfällen, oder die Löwenburg, ein Lustschloss aus dem 18. Jahrhundert, das als künstliche Burgruine errichtet wurde. Auch das Schloss Wilhelmshöhe ist absolut imposant. Das klassizistische Bauwerk entstand Ende des 18. Jahrhunderts und dient heute als Kunstmuseum, das über eine Antikensammlung und Gemäldegalerie verfügt. Im Park kann man einen ganzen Tag verbringen, auch wenn die Wege ob des Auf- und Abstiegs bisweilen anstrengend sind - der Ausblick etwa von der Schlossterrasse ist fantastisch. Wer hier war, hat eine der Top 100 Sehenswürdigkeiten in unserem Land gesehen.

 

Wer der Wilhelmshöher Straße vom Bergpark aus hinunter ins Stadtzentrum folgt, kommt direkt in der nächsten Grünanlage heraus: der Karlsaue. Hier finden sich etliche Möglichkeiten, spazieren zu gehen, entweder im Grünen oder entlang den Teichs (mit Schwanen- und Blumeninsel), der Wassergräben oder der Fulda. Einkehren kann man in der Orangerie, dem auffälligen hübschen Gebäude direkt an Karlswiese und Fulda gelegen. Märchenfans sollten sich zudem ausgiebig mit dem Thema Gebrüder Grimm auseinander setzen. Das geht an keinem anderen Ort so gut wie hier. Seit 2015 gibt es die Grimmwelt, zuvor das Brüder-Grimm-Museum. Dort erfährt man mehr zum Leben und Wirken der Brüder Jacob und Wilhelm und zu ihren Märchen.

Werra-Meißner-Kreis

In Hessisch-Lichtenau führte mein erster Weg in den Stadtteil Quentel, wo es seit 2006 den Frau-Holle-Park gibt. In der Heimat von Frau Holle geht es durch ein futuristisches Tor, im Park ist eine Bronzeskulptur der Frau Holle zu sehen. Außerdem sind im Park Bronzeplatten angebracht, die Zitate aus dem Märchen der Gebrüder Grimm enthalten. Genau genommen soll das Märchen auf dem Hohen Meißner spielen, einem Bergmassiv im Fulda-Werra-Bergland mit 754 Metern Höhe. Dort gibt es auch einen Frau-Holle-Teich mit der Figur, die ihr unten auf dem Foto seht. Es handelt sich um eine Holzfigur von Viktor Donhauser. Frau Holle ist nach den Sagen gestaltet, die länger existieren als die Version der Grimm-Brüder. Sie hält ein Kissen in der Hand, mit dem sie den Schnee schütteln kann. Östlich vom Teich gibt es noch eine weitere Holzstatue, der Waldarbeiter Ferdinand Urff hat sie mit einer Motorsäge hergestellt. Bei dem Teich soll es sich um einen verzauberten Teich handeln. Der Sage nach hat er keinen Boden und ist der Eingang in die andere Welt. Rund um den Hohen Meißner gibt es noch weitere Sehenswürdigkeiten. Dazu gehört die auf 720 Metern Höhe gelegene Aussichtsplattform "Kalbe" auf einer Basaltkuppe. Man sieht das Werratal, den Harz und den Thüringer Wald - manchmal sogar die Rhön. Man kann vom Frau-Holle-Teich über einen Pfad hierhin kommen. Vom Parkplatz Schwalbenthal aus, in 612 Metern Höhe, lässt sich Richtung Vockerode und Thüringen blicken. Kellerwald, Habichtswals und Kaufunger Wald sind vom Naturfreundehaus Meißnerhaus aus zu sehen.

Bad Sooden-Allendorf / Schifflersgrund

In Bad Sooden-Allendorf lässt sich ein Stück deutscher Geschichte erleben. Hier verläuft die Grenze zwischen Hessen und Thüringen und damit auch die einstige Grenze der Bundesrepublik Deutschland und der Deutschen Demokratischen Republik, also der innerdeutschen Grenze. Grenzzone ist der Schifflersgrund, ursprünglich hessisch, 1945 aber der Sowjetzone zugeschlagen. 1952 wurde seitens der DDR hier ein Kontrollstreifen von 500 Metern Breite gezogen - unter dem Vorwand, den Bewohnern Schutz vor der BRD zu gewähren, weshalb man ihn auch Schutzstreifen nannte. Die Sperrzone war fünf Kilometer breit, weshalb Tausende Menschen ihre Gemeinden, die in dem Gebiet lagen, verlassen mussten und zwangsumgesiedelt wurden. Bis 1989 blieb das Sperrgebiet aufrecht erhalten. An dieser Stelle erinnert heute das Grenzmuseum Schifflersgrund, das erste Grenzmuseum im wiedervereinten Deutschland, an die Teilung. Rund ein Kilometer des Grenzzauns mit Kontrollstreifen und der Beobachtungsturm BT-9 sind noch sichtbar. Auch Grenzkontrollhäuschen, Beobachtungstürme, Stacheldraht, Minen, Fahrzeuge und Hubschrauber, die der Grenzsicherung dienten, sind ausgestellt. Außerdem wird die Geschichte von Heinz-Josef Große erzählt, einem 34-jährigen Mann, der bei der Flucht am Schifflersgrund erwischt und erschossen wurde. Der Tatort liegt auf der Fläche des Museums. Die Skulptur "Verbrannte Träume" von Sebastian Seiffert erinnert an alle 26 Todesopfer zwischen 45 und 89 an der hessisch-thüringischen Grenze. Insgesamt gibt es in den Museumsgebäuden sieben Abteilungen mit den Themen Kriegsende, Besatzungszonen, Leben im Sperrgebiet, Entwicklungen in der DDR 1989 oder dem Wanfrieder Abkommen, durch das Teile Hessens, etwa der Schifflersgrund, der Sowjetzone zugeschlagen wurden. Zudem werden Filme gezeigt und es wird über weitere Fluchtversuche aufgeklärt. Wer sich auch nur ein bisschen für die Geschichte und Teilung Deutschlands interessiert, sollte das Grenzmuseum aufsuchen. Ein Besuch lohnt wirklich.

Melsungen

In Melsungen kannte ich bis dato nur die Sporthalle, in der die MT ihre Spiele austrug. Aber auch die Kleinstadt  hat einiges zu bieten - sie ist eine der historischen Fachwerkstädte Deutschlands. Der mittelalterliche Kern hat unfassbar viele tolle und gut erhaltene Fachwerkhäuser, sodass sich ein Schlendern durch die Stadt auf jeden Fall lohnt. Der Anblick ist wirklich faszinierend und man weiß gar nicht, wohin man gucken soll. Von der im 16. Jahrhundert erbauten  Bartenwetzerbrücke aus hat man einen tollen Blick auf die Fulda und das grüne Ufer. Von selbiger Brücke, die auch eine Sehenswürdigkeit an sich ist, aus hat man auch einen wunderschönen ersten Blick in die Altstadt mit ihren Fachwerkhäusern. Auch das Rathaus am Marktplatz ist ein Fachwerkhaus. Es wurde 1556 erbaut und 1928 nach einem Großbrand wieder aufgebaut. In der Mitte thront ein Turm, der täglich um 12 und 18 Uhr das Wahrzeichen, den Bartenwetzer (eine Art Holzfäller), zum Vorschein bringt. Weniger hübsch ist das Melsunger Schloss, das 1550 erbaut wurde, und in dem heute das Finanzamt des Schwalm-Eder-Kreises seinen Sitz hat. Da Kassel als Märchenstadt gilt, ist der Figur der Gänseliesl eine Statue in der Kasseler Straße gewidmet. Es geht auf das Grimm-Märchen "Die Gänsemagd" zurück. Bei Anglern ist die Fulda in Melsungen beliebt, zwischen St. Georgsbrücke und Obermelsunger Brücke kann geangelt werden, es finden sich Hech, Zander, Barsch, Forelle und Aale.

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