Im hohen Norden

Bevor es für mich in etwa sechs Wochen gen Süden geht, stand noch einmal eine kleine, aber intensive Reise in meine zweite Heimat an: Norwegen. Dieses Mal war es aber nicht Oslo, die Stadt, die ich wie keine zweite außerhalb Deutschlands kenne, sondern in den hohen Norden. Eine Pressereise führte mich nach Nordnorwegen.

 

Von Tromsø aus fliegt Widerøe nach Honningsvåg, einer der nördlichsten Städte Europas. Der Flug ist auch deshalb witzig, weil es wie ein fliegender Bus ist: Wo unterwegs bedarf ist, wird gelandet, etwa in Hammerfest. In Honningsvåg angekommen, ging es mit dem Bus zum Scandic Hotel, das direkt am Hafen lag. Und siehe da, so lange musste ich warten, aber dann kamen sie endlich, die Nordlichter! Fast kitschig sah es aus, weil sie hinter einem kleinen Leuchtturm hervorkamen, übers Meer schwebten und mich einfach rundum glücklich machten. Als sie nachließen, ging ich ins Bett und sie kamen zurück, sodass ich aus dem Fenster heraus im Bett liegend Nordlichter gucken konnte. Hach!

Am nächsten Tag ging es zunächst nach Kamøyvær, wo die deutsche Künstlerin Eva Schmutterer die Galerie "East of the Sun" betreibt. Ihr Atelier liegt total hübsch  an einer Bucht, die Sonne strahlte und der Ausblick war einfach großartig.  Eva Schmutterer arbeitet mit Collagen. Sie durchwühlt Zeitschriften und Zeitungen so lange, bis sie genau den richtigen Farbton gefunden hat, um neue Bilder zusammen zu setzen. Es entstehen dadurch Kunstwerke, die vor allem die Natur und die Landschaft rund um das Nordkap zeigen.

Weiter ging der Weg nach Skarsvåg, dem angeblich nördlichsten Fischerdorf der Welt. Dort ist im vergangenen Jahr eine alte Tradition wiederbelebt worden. Mit Speed-Schlauchbooten geht es von dort aus in etwa 15, 20 Minuten nach Hornvika, einer Bucht am Nordkap-Plateau. Es ist der alte Weg, den die Menschen einst nehmen mussten, um ans Nordkap zu kommen, denn die Straße wurde erst in den 90er Jahren errichtet. Die Tour (man wird in Honningsvåg abgeholt und zurück gebracht, es gibt einen Tourguide und Foto-Stopps an Aussichtsplattformen) ist mit rund 1400 NOK pro Person allerdings nicht gerade günstig, allerdings ist der Preis für die Nordkaphalle mit 260 NOK inklusive. In Hornvika angekommen, sollte man zunächst einen Blick in das klare Meerwasser werfen, hier tummeln sich Seesterne und Seeigel. An der Hütte startet ein steiler Weg nach oben. Die ersten Stufen bestehen aus einer Treppe, die restlichen rund 305 Meter geht es durch die Wiese nach oben. Da die Aussicht fantastisch ist und die Tour an sich ein Erlebnis, ist es ratsam, immer wieder Pausen zu machen und die Ruhe und Stille zu genießen.

 

Am Nordkap-Plateau angekommen müssen noch etwa 15 Minuten zu Fuß zurückgelegt werden, um zum Besucherzentrum und zum bekannten "Globe" zu kommen. Im Besucherzentrum gibt es einen Panorama-Film zu sehen, es gibt verschiedene Räume wie etwa ein Lichtraum, eine kleine Kapelle und Ausstellungen. Außerdem ein Café, eine Toilette, ein Restaurant und einen Souvenir-Shop. Wer Zeit, besucht die Terrasse des Königs, die einen weiten Blick über das Meer erlaubt. Vom Nordkap aus ergibt sich ebenfalls eine tolle Sicht über die Meere.

Unsere Tour führte nach dem Nordkap-Besuch zunächst zurück nach Honningsvåg, wo wir die Artico Ice Bar besucht haben. Für 139 NOK (Kinder 40) wird man in so eine Art Weltraum-Poncho gesteckt, dann geht es hinein in die Bar, die komplett aus Eis besteht. Da auch die Gläser aus Eis sind, werden nur antialkoholische Getränke ausgeschenkt - zwei sind beim Eintrittspreis inklusive. Und nach dem Besuch wird das Glas vor der Tür ins Meer geworfen - das soll Glück bringen.

Mit Widerøe führte die Tour dann wieder zurück nach Tromsø, wo wir allerdings nur ein kurzes, aber sehr nobles und leckeres Abendessen in der Fiskekompani hatten. Das Lokal liegt direkt am Hafen und es war bereits mein zweiter Besuch - die Fischgerichte sind einfach der Hammer!

 

Für uns ging es dann noch am Abend an Bord der MS Trollfjord. Eine Reise mit den Hurtigruten steht bei vielen Norwegen-Liebhabern oben auf der Liste. Tatsächlich ist die Fahrt wirklich sehr schön, denn es geht durch die Fjorde und damit gibt sich immer ein wunderschöner Blick auf die Landschaft. An Deck gibt es einen Whirlpool und wer nachts schlafen möchte, aber dennoch keine Nordlichter verpassen will, der kann den Nordlicht-Alarm aktivieren.

An Land gingen wir an einem der schönsten Fleckchen Erde: Auf den Vesterålen. Die Inselgruppe schließt sich nördlich an die Lofoten an, ist aber weniger bekannt und touristisch als die Lofoten. Wir fuhren auf Landschaftsroute auf der Insel Andøya von Risøyhamn nach Andenes an die Nordspitze. Der Weg ist fantastisch, es gibt so viele tolle Aussichten, Buchten, Landschaften - und fast alle sind sie einsam! Mittagessen gab es im Lokal Arresten, das einst als Gefängnis diente und ein wunderbarer Ort für eine kleine Mittagsruhe ist.

 

Nur ein paar Kilometer weiter steht das Spaceship Aurora, das die Forschungsarbeit der Norweger zum Thema Polarlichter vorstellt. Nebst Filmen und Informationen gibt es eine Simulation eines Raketenflugs. Wer sich für Nordlichter interessiert, sollte hier auf jeden Fall vorbei schauen. Der Eintritt liegt allerdings bei 340 NOK, für Kinder 175. Interessant ist, dass die Norweger so fortschrittlich dahingehend waren: Sie schossen nach den USA und Russland als drittes Land eine Rakete ins Weltall, um das Naturphänomen Polarlicht zu erforschen.

 

Auf dem Weg zu unserer Übernachtungsstätte Nyksund hielten wir noch im Andøy Friluftssenter, einem wundervoll gelegenen Örtchen, das Restaurant, Hotel und Expeditionsführer in einem ist. Wir wanderten zu einem etwas entlegenen See, machten ein Lagerfeuer und genossen die herbstliche Landschaft. Nigel, der Inhaber, bietet allerdings allerlei Wanderungen, Elchsafaris, Skitouren usw. an.

Übernachtet haben wir in Nyksund, einem wunderbaren Ort, der am Ende der Welt liegt. Jedenfalls sehr abgelegen. Eine Straße, die meist eher Schotterpiste ist, führt vom nächst gelegenen Ort Myre 15 Kilometer an die Küste. Die Häuser sind allesamt in einer Bucht auf Stelzen ins Wasser gebaut. Nyksund ist eine Art Künstlerdorf, lange Zeit diente es als Jugendprojekt. Wunderbar ist vor allem die Ruhe und das Leben im Einklang mit der Natur. Als wir am Abend noch einmal einen Spaziergang machten, sahen wir einen großartigen Sternenhimmel. Es war klar und die Milchstraße war deutlich zu sehen. Ständig schwirrten Sternschnuppen am Himmel vorbei, es war unglaublich viel zu sehen! Und sogar das Nordlicht zeigte sich ganz leicht und kurz! Ein wundervoller Abend!

Auch den letzten Tag verbrachten wir auf Vesterålen, von Nyksund aus ging es zunächst nach Sortland, wo wir im Lokal Ekspedisjonen zu Mittag aßen und anschließend shoppen gingen. Danach fuhren wir an unser letztes Ziel: nach Stokmarknes ins Vesterålen Kysthotell, einem super süß gelegenen Hotel direkt am Wasser. Nach einer kurzen Stärkung im Restaurant Isqueen auf einem alten Schiff, fuhren wir etwas außerhalb, um ein Lagerfeuer zu machen. Leider war es stark bewölkt - aber die Nordlichter haben sich allerlei Mühe gegeben und waren so stark, dass sie durch die Wolken zu sehen waren. Und so hatten wir an drei von vier Abenden in Nordnorwegen Polarlichter! Mein großer Traum ist also in Erfüllung gegangen - gleich mehrfach!

 

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Kommentare: 1
  • #1

    Udo Schmitt (Donnerstag, 06 Oktober 2016 19:54)

    Schöner Blog!

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